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Naturgarten-Betreiber aus Großrosseln möchte Gartenkultur im Saarland ändern

Serie Menschen im Regionalverband : Naturgärtner bietet der Artenvielfalt ein Zuhause

Statt klassischen Rollrasen gibt es im Garten von Ronny Strätling vor allem offene Wiesenflächen und zahlreiche Tiere. Zusammen mit anderen möchte der 51-Jährige zu einem Umdenken in der regionalen Gartenkultur beitragen.

Als Ronny Strätling vor knapp 10 Jahren wieder in das Haus seiner Kindheit zieht, hat sich seine alte Heimat gewandelt. Das Tal, in dem er aufgewachsen ist, hatte sich grundlegend verändert. Wo früher offene Grünflächen und Ziegen das Landschaftsbild prägten und „alles ein wenig folkloristisch anmutete“, wie sich Strätling heute erinnert, dominerten nun große Fichten die Umgebung. „Selbst das Grundstück war relativ viel zugewachsen“, schildert der 51-Jährige.  „Ich habe dann in kleinen Schritten damit begonnen, das wieder zu öffnen und zu pflegen.“ Entstanden ist seitdem ein naturnaher Garten, der erahnen lässt, wie es zu Strätlings Kindheit in dem Gebiet zwischen Großrosseln und Emmersweiler in etwa ausgesehen haben muss. Auch heute treibt das Thema „Naturgarten“ den 51-jährigen Systemarchitekten noch um.

Vor wenigen Wochen gründete Strätling zusammen mit 11 weiteren Gleichgesinnten daher die erste saarländische Regionalgruppe des bundesweit vertretenen „Naturgarten“-Vereins. Die Idee dazu sei von einer Bekannten gekommen, wie Strätling erzählt. Anfang August habe man sich in deren Naturgarten in Wiesbach getroffen und die Gründung der Regionalgruppe „dann durchgezogen.“ Ziel des „dreckigen Dutzend“, wie Strätling die Gruppe scherzhaft nennt, soll jedoch nicht nur die Vernetzung mit Gleichgesinnten sein, sondern man wolle das Thema „Naturgarten“ auch generell mehr in die Öffentlichkeit tragen. Die regionale Gartenkultur entwickle sich nach Strätlings Einschätzung nämlich nicht zum Besseren. „Die Gärten werden immer steriler“, kritisiert der 51-Jährige. Vor allem die in Mode gekommenen Stein- und Schottergärten sind Strätling ein Dorn im Auge. „Da lebt nichts mehr drin. Wenn man sowas sieht, tut das schon weh.“

Dass gerade ältere oder berufstätige Menschen sich lieber einen Garten anlegen, der wenig Arbeit mache, könne er zwar nachvollziehen, aber es wolle ja auch niemand „in einer Wohnung leben, die komplett tot ist, nur weil es vielleicht pflegeleicht ist“, argumentiert Strätling. Zumal würden die meisten „klassischen“ Gärten mehr Arbeit bedeuten, als etwa ein Garten, der naturnah ausgerichtet sei. „Da muss man ja beinahe wöchentlich mähen. Ich mache das höchstens ein bis alle zwei Jahre. Und das obwohl ich eine größere Fläche als die meisten anderen habe“, sagt Strätling.

Gut 10 000 Quadratmeter umfasst der Garten des 51- Jährigen. Einen großen Teil habe er davon „bewusst ausgemagert“, wodurch im Boden zwar weniger Nährstoffe vorhanden sind, sich hingegen jedoch viele Blüh- und Futterpflanzen für Insekten ansiedeln, was wiederum einen positiven Effekt auf die Artenvielfalt in der Umwelt habe, erklärt Strätling. Für den Systemarchitekten, der sich in seiner Freizeit auch beim Deutschen Tagfaltermonitoring engagiert, ein doppelter Grund zur Freude. Holt er sich auf diese Weise doch so viele Schmetterlinge vor die eigene Haustür, dass er seine Schmetterlingszählung für das Projekt bequem im eigenen Garten erledigen kann. Aber nicht nur Schmetterlinge, auch zahlreiche andere Tierarten tummeln sich in Strätlings Naturgarten. „Ich habe mittlerweile alle Reptilienarten, die wir im Saarland überhaupt haben, auch bei mir im Garten“, verkündet Strätling stolz. So findet man bei ihm nicht nur Zaun-, Wald- und Mauereidechsen, sondern auch Ringelnattern und Blindschleichen. Für die Eidechsen hat der 51-Jährige extra eine Fläche mit Kalksteinen angelegt. „Quasi ein Schottergarten in gut“, sagt Strätling.

Ende September wollen sich Strätling und die anderen Mitglieder der saarländischen „Naturgarten“-Gruppe wieder treffen. Dieses Mal bei ihm im Garten. Dort will man dann nicht nur das weitere Vorgehen besprechen, sondern auch einen Vorstand wählen. Doch auch im Garten selbst plant Strätling noch einiges zu ändern. So soll etwa ein kleiner Unkenteich dazukommen. Zudem müsse er auch wieder die Robinien zurückdrängen, die die offenen Flächen im Garten ansonsten zuwuchern würden. „Die machen mir gerade am meisten Arbeit“, sagt Strätling.