Muskelspiel um Beigeordneten-Posten

Großrosseln. Die CDU hat unter ihrem Vorsitzenden und Bürgermeister Peter Duchene bei der Kommunalwahl im Juni ihre absolute Mehrheit in Großrosseln verloren. Doch auch ein Bündnis von SPD und Linken reicht für die Mehrheit nicht. Für Linken-Fraktionschef Norbert Wagner und seinen Stellvertreter José Manuel Octubre (siehe "Zur Person") ist das aber kein Grund, sich zu grämen

Großrosseln. Die CDU hat unter ihrem Vorsitzenden und Bürgermeister Peter Duchene bei der Kommunalwahl im Juni ihre absolute Mehrheit in Großrosseln verloren. Doch auch ein Bündnis von SPD und Linken reicht für die Mehrheit nicht. Für Linken-Fraktionschef Norbert Wagner und seinen Stellvertreter José Manuel Octubre (siehe "Zur Person") ist das aber kein Grund, sich zu grämen. "Das ist vielmehr eine gesunde Situation", betonen beide in einem SZ-Redaktionsgespräch in Völklingen. Da könne keine Mehrheit einfach ihre Ansicht durchboxen. Wagner: "Jede Partei hat gute Ideen, und wenn etwas für die Gemeinde gut ist, sollte man es tun - vorausgesetzt, es ist zu bezahlen."Weil's im Gemeinderat keine klaren Mehrheit für eine Neuwahl gab, ist der bisherige Beigeordnete und Bürgermeister-Stellvertreter Frank Dennert (CDU) immer noch im Amt. Doch für die Linken ist klar, dass in der nächsten Ratssitzung "zwei Beigeordnete" neu gewählt werden müssen. Wobei die Linken "zumindest" Anspruch auf die Position des zweiten Beigeordneten anmelden. Genau so wie die Freien Wähler haben die Linken vier Sitze im Gemeinderat, die CDU zehn, die SPD neun. Im kommenden Herbst wird in Großrosseln auch der Bürgermeister neu gewählt. Besonders wichtig ist da aus Sicht der Linken die Position des künftigen ersten Beigeordneten, denn, so Wagner: "Dem wird man ein gutes Pfund an Vorsprung mitgeben." Amtsinhaber Duchene habe bisher nicht geäußert, ob er wieder antreten werde.Was die Ratsarbeit angeht, sehen Wagner und Octubre sich inhaltlich in größter Nähe zur SPD. So müsse im bergbaugeschädigten Naßweiler "unbedingt etwas getan werden". Bei der Ortskernsanierung in Großrosseln solle der Alte Bahnhof auf jeden Fall als künftiges Tourismus-Zentrum erhalten bleiben. Die Saarbahn müsse nach Großrosseln kommen, wobei von Vorteil sei, dass die Eisenbahnschienen noch lägen, und auch Forbach sei hier einzubeziehen. In Nähe der früheren Tagesanlage Warndt könne eine Skateranlage entstehen, und in der früheren Werkssiedlung ein Mehrgenerationenhaus. Es sei darauf zu achten, dass die Nachmittagsbetreuung nach Dorf in Warndt zurückkomme, und die Unterbringung des dortigen Jugendzentrums in einem Container sei keine Dauerlösung. Ein-Euro-Jobbern, die noch bei der Gemeinde beschäftigt seien, solle eine Perspektive vermittelt werden. Ansonsten seien die Linken aber gegen Ein-Euro-Jobs, denn, so Octubre und Wagner: "Wer arbeitet, soll auch sein Geld verdienen. Sonst ergibt sich eine Spirale nach unten, die kein Ende findet."Die Linken hatten sich erst im vergangenen Oktober in Großrosseln gegründet. Ihr Problem ist im Moment, dass sie "nur sieben aktive Mitglieder" (Wagner) haben. Bei der Landtagswahl holten die Linken in der Gemeinde rund 27 Prozent der Stimmen. Kurz zuvor, bei der Kommunalwahl, waren es nur 13,4 Prozent gewesen - laut Wagner klar eine Folge des Personalmangels. Da gewannen die Linken in Dorf im Warndt zwar (theoeretisch) zwei Ortsratssitze, hatten aber nur einen Kandidaten zur Verfügung. Und konnten in Karlsbrunn und Naßweiler gar nicht erst antreten. Doch da sind der Parteichef und sein Stellvertreter zuversichtlich: "Unsere Wähler kommen langsam aus der Deckung. Wir haben jede Menge Aufnahmeanträge verteilt."

Zur PersonNorbert Wagner (54) ist gelernter Starkstromelektriker und arbeitet als Fördermaschinist beim Bergwerk Saar. Wagner ist Fraktionschef der Linken im Gemeinderat, Ortsverbandsvorsitzender seiner Partei und stellvertretender Ortsvorsteher von Großrosseln.José Manuel Octubre (51) hat Baumaschinenschlosser gelernt und arbeitet jetzt im Labor bei den Fordwerken. Octubre ist Stellvertreter Wagners als Fraktionsvorsitzender und Ortsverbandsvorsitzender in Großrosseln. er