Mit Lichtern gegen die Dunkelheit

Bereits zum zweiten Mal fand in Karlsbrunn der Lichterumzug „Licht aus der Finsternis“ statt. Um auf das Weihnachtsfest einzustimmen, ließen die Vereine Maltiz Naturerfahrung & Waldpädagogik und Les enfants du charbon die Weihnachtsgeschichte im Rahmen eines außergewöhnlichen Krippenspiels lebendig werden.

Schon von Weitem war der englische Choral "Deck the halls" zu hören, den das französische Orchester Harmonie municipale de l'Hôpital angestimmt hatte. Von der fröhlichen Musik angelockt, fanden sich viele Eltern und Großeltern mit ihren Kindern auf dem Parkplatz des Wildparks im Großrosselner Ortsteil Karlsbrunn ein. In ihren Händen: Laternen, Taschenlampen und Fackeln. Ein kleines Mädchen war gar wie ein Weihnachtsbaum geschmückt und hatte eine Lichterkette um den Körper gewickelt.

Als die Kirchturmuhr halb sechs schlug, verstummte das muntere Gemurmel. Arnulf Staap vom Verein Maltiz Naturerfahrung & Waldpädagogik aus Ludweiler ergriff das Wort und erklärte den rund 150 Anwesenden, was sie an diesem Abend erwartete: ein Lichterumzug mit lebender Krippe. Auf dem Weg zum Jagdschloss würden sie fünf Stationen passieren, an denen ihnen Mitglieder der Gruppe Les enfants du charbon aus Petite-Rosselle Szenen aus der biblischen Weihnachtsgeschichte präsentierten. Noch auf dem Parkplatz lernten die Teilnehmer Maria und Josef kennen, die mit ihrem Esel nach einer Bleibe suchten.

Der Wettergott war den Akteuren am Samstag wohlgesonnen. Tobte um die Mittagszeit noch der Regen, fiel während der Wanderung kein einziges Tröpfchen vom Himmel. Das Feuer, an dem sich eine Schar Hirten mit ihren Schafen wärmte, konnte daher munter lodern. Von vier Engeln, die plötzlich aus dem Wald erschienen, erfuhren die Hirten die frohe Kunde von der Geburt des Jesuskindes. Auf dem Weg durch das Wiesental spielten die Musiker von Harmonie municipale de l'Hôpital diverse Weihnachtslieder. Auch Arnulf Staap griff unterwegs immer wieder zur Gitarre und sang gemeinsam mit seiner Frau Astrid Bach-Staap deutsche und französische Lieder.

Vor dem Tor des Karlsbrunner Jagdschlosses begegneten die drei Weisen aus dem Morgenland König Herodes, der sie barsch abwies. Der Stern führte sie weiter nach Bethlehem, wo das Christuskind in einer Krippe lag. Im Innenhof des Schlosses fand der Höhepunkt der Veranstaltung statt. Während der Interpretation von Leonard Cohens "Hallelujah" entzündeten die Hirten Wunderkerzen, um die Dunkelheit zu vertreiben. Anschließend spielte Staab auf seiner Gitarre "Let the sunshine in" und forderte die Anwesenden auf, einander zum Zeichen des Friedens und der Verbundenheit an den Händen zu nehmen. "Nehmt das Licht in euch auf und tragt es nach Hause", rief er. Ein eindrucksvoller und würdiger Ausklang. "Herrlich gemacht!", vernahm man von vielen Seiten.

Was bei den Zuschauern gut ankam, waren außerdem die saarländischen Textpassagen. So sorgten vor allem die Heiligen Drei Könige für viele Lacher, als sie erzählten, sie seien "Tag un Nacht uff schleschde Stroße" gewandert und hätten nun "Blosen an de Fieß". Doch was den Lichterumzug so besonders macht, ist nicht nur das lebende Krippenspiel. Hervorzuheben ist auch, dass es sich durch die Mitwirkung der französischen Gruppen Les enfants du charbon und Harmonie municipale de l'Hôpital um ein grenzübergreifendes Projekt handelt. Spontan hatten sich sogar Jagdhornbläser aus Boulay-Moselle beteiligt. Nach dem Krippenspiel durften die Kinder die zahlreich vorhandenen Tiere (Ziegen, Schafe, Esel, Lamas) streicheln. Der Esel gab zur Freude der Kinder ein lautes Ia von sich. "Das hab ich ja noch nie gehört", lachte ein kleiner Junge. Die Vorsitzende von Maltiz, Astrid Bach-Staap, freute sich, dass die Mischung aus Lichterumzug und lebender Krippe bei allen so gut ankam. "Nun kann Weihnachten kommen."