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Lieder aus über 200 Kehlen

Großrosseln. Jens Wagner und sein Ensemble waren am Samstag in der Rosseltalhalle angekündigt, das Konzert gaben aber eigentlich fast alle der rund 220 Gäste im Publikum. Bei Wagners dargebotenen Evergreens ließ sich wohl nur schwer schweigen. Walter Faas

Warum Schlager? "Weil se scheen sinn. Äänfach ebbes Herrliches!" Sagt Natalie Burger, und hat recht. Am Samstagabend, in der Rosseltalhalle, spiegelte der saarländische Sänger Jens Wagner, mit gut ausgesteuertem Playback plus exzellenter Schau- und Gesangsunterstützung, ein halbes Jahrhundert deutscher Schlagermusik. Hoher Unterhaltungswert, viele Mitmacheffekte und eine Frage in der Pause: Ob der Rossler Bürgermeister mitgesungen hat? "Nö. Ich will doch nicht, dass die Leute die Flucht ergreifen. Die Musiker sind toll, die Halle ist voll, die Leid mache midd - was will man mehr?", antwortet schmunzelnd Jörg Dreistadt .

Gefühlt 200 der 220 Besucher singen aber mit, sogar ins Mikro, wie "Rote Lippen soll man küssen", "Aber bitte mit Sahne", "Eine neue Liebe ist wie ein neues Leben", "Du hast mich tausend Mal belogen", "Die kleine Kneipe in unserer Straße", "Marmor, Stein und Eisen bricht" und viele weitere Ohrwürmer. Wagner singt stark, variantenreich und gefühlsbetont. Er kann Entertainment und Improvisation, hat Charme, ist Profi durch und durch, beziehungsweise "ein Kerl zum Knuddeln", lacht die Französin Desiree Kettenring zu "Ein Bett im Kornfeld". Hier taucht tatsächlich ein hinreißend schönes Mädchen auf dem Fahrrad auf, wie überhaupt die ganze Schau ("In dieser Form ist sie ganz neu", sagt Franz-Josef Schorr) passend choreografiert wird, mit Petticoat und Rock'n'Roll-Überwurf bei "Lady Sunshine und Mister Moon", mit Sambatänzerinnen zu "La bamba" oder mit Krachledernen zu "I sing a liadl für di".

Jodler und Schuhplattler werden von den Künstlern geboten. Die Zuhörer revanchieren sich mit Schunklern und rhythmischem Klatschen und viel Applaus. Einige tanzen auf dem Flur. Hunderte bunter Lichtstäbchen sorgen für zusätzliche Stimmung. Autogramme gibt es in der Pause. Zweieinhalb Stunden werden kurzweilig, dank straffer Regie, bei hohem Engagement der Künstler. Die Sonne des Südens wärmt, im übertragenen Sinn, mitten im frostigen Winter. Die Cocktails schmecken, in Wirklichkeit, an der Bar der Rosseltalhalle. Das Leben wirkt leicht. Von A wie Auftakt "Ein Festival der Liebe " bis Z wie Zugabe "Merci, dass es dich gibt", stimmt die Schau von Wagner, der sich selbst als "Botschafter der Liebe " versteht. Ein Abend mit Songs von Udo Jürgens , Drafi Deutscher, Helene Fischer , Bernd Clüver , Wolfgang Petry, Peter Alexander und so fort, der leicht daher kommt, aber noch lange in angenehmer Erinnerung bleiben könnte.