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Nikolaus-Kinderbriefaktion
„Lieber Nikolaus, ich wünsche mir . . .“

Sieben von rund 35: Der Nikolaus hat fleißige Helfer, die ihm in seiner Weihnachtspostfiliale in St. Nikolaus helfen, die Post von Kindern aus der ganzen Welt zu beantworten. Im Bild, von links:  Elke Richter, Jule Gerecke, Sabine Gerecke, Amelie Zieder, Sabine Becker, Stefanie Zieder und Bianca Wagner.
Sieben von rund 35: Der Nikolaus hat fleißige Helfer, die ihm in seiner Weihnachtspostfiliale in St. Nikolaus helfen, die Post von Kindern aus der ganzen Welt zu beantworten. Im Bild, von links: Elke Richter, Jule Gerecke, Sabine Gerecke, Amelie Zieder, Sabine Becker, Stefanie Zieder und Bianca Wagner. FOTO: BeckerBredel
St. Nikolaus. Berge von Kinderbriefen haben die Helferinnen und Helfer im St. Nikolauser Weihnachtspostamt zu bewältigen. Von Thomas Annen

 „Lieber Nikolaus! Weil ich erst drei Jahre bin, schreibt meine Oma Traute für mich den Brief. Ich freue mich, wenn du mich mal besuchen kommst. Dann verspreche ich dir, dass ich nicht mehr in die Windel mache“, erzählt Emma. Auch Lino wurde wohl beim Schreiben geholfen. Aber den schönen Schlumpf hat das Kind sicher selbst ausgemalt.


Statt zu Buntstiften greift Niklas lieber zur Schere. Die Katalog-Fotos der gewünschten Modellautos kleben auf seinem Schreiben. Viele alte Spielsachen hat er verkauft oder verschenkt, erfährt der Leser. Soll heißen: Es ist genug Platz im Zimmer, der Nikolaus kann ruhig alles schicken.

Seit vielen Jahren werden in St. Nikolaus Kinderbriefe an den heiligen Mann beantwortet. 66351 St. Nikolaus lautet die offizielle Anschrift. Die etwa 35 ehrenamtlichen Helfer haben zurzeit alle Hände voll zu tun. Allein am Dienstag voriger Woche sind 700 Briefe eingegangen. Wo der Nikolaus wohnt, weiß man inzwischen fast auf der ganzen Welt. 2016 wurden über 21 000 Antwortbriefe verschickt. „Wir werden in etwa wieder an die Zahl herankommen“, schätzt Sabine Gerecke, die Leiterin der Kinderbriefaktion des Festausschusses St. Nikolaus.

Das Briefpapier, die Couverts und die Briefmarken sponsert die Deutsche Post. Der Nikolaus ist nicht nur gütig, sondern auch gebildet. In vielen Sprachen beantwortet er die Post.

Die Schreiben sind bereits gedruckt und richten sich nach dem Inhalt – je nachdem, ob sich der Nachwuchs an den Nikolaus oder an das Christkind wendet, ob der Brief einen Wunschzettel oder ein selbst gemaltes Bild enthält. Kummerbriefe werden auch persönlich beantwortet.



Viele Schreiben enthalten Wunschzettel, Spielsachen stehen hoch im Kurs. Bei unserem Besuch im Nikolauspostamt erzählen Gerecke und ihre Kolleginnen, was der Nachwuchs auf dem Herzen hat. Ein Kind wünscht sich einen Hamster – um der Mama zu beweisen, dass es Verantwortung übernehmen kann. Ein Grundschüler klagt über Mobbing. Sorgen machen auch Eltern, die sich getrennt haben. Vielleicht schafft es der Nikolaus, dass sich Mama und Papa vertragen und man gemeinsam Weihnachten feiern kann.

Unter den Schreiben sind auch Dankesbriefe. So mancher kleine Fan würde sich gerne revanchieren: „Kann ich dir auch mal helfen?“ Jungs und Mädchen aus dem Saarland berichten, dass sie den Nikolaus schon mal im Warndt besucht haben. Oder dass sie jemanden kennen, der in seiner Nähe wohnt. Natürlich wird der heilige Mann auch mit Fragen gelöchert: Wie ist dein Nachname? Was machst du das Jahr über? Wie alt bist du? Was gibt es am Nordpol zu trinken? Wie heißt deine Frau? Was hast du gemacht, als deine Eltern gestorben sind? Erwachsene Fans schreiben ebenfalls. Etwa Briefmarkensammler, die den begehrten Stempel wollen. Oder ältere Menschen, die einsam sind. Viele freuen sich, in Zeiten von SMS, WhatsApp und E-Mail einen normalen Brief zu bekommen.

Zurück zu den Inhalten der Post. Lina fiebert schon dem Tag entgegen, wenn sie mit Freunden in den Holiday Park fährt. Auch Luca hat wieder geschrieben. „Er schickt mindestens 15 Briefe im Jahr“, erzählt Sabine Gerecke. Arbeitslosigkeit ist seltener Thema als in den vergangenen Jahren. Amelies Anliegen hingegen wird wieder von vielen Kindern geteilt. „Lieber Nikolaus, ich wünsche mir, dass es den ganzen Dezember schneit und einen neuen Schlitten dazu“, schreibt das Mädchen.

Wer noch nicht schreiben kann, kann malen – der  kleine Lino hat seinen Brief unter anderem mit einem Schlumpf geschmückt.
Wer noch nicht schreiben kann, kann malen – der kleine Lino hat seinen Brief unter anderem mit einem Schlumpf geschmückt. FOTO: BeckerBredel