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Licht und Luft für die Waldwege

Marcel Kiefer, Revier-Chef im Saarforst-Revier Großrosseln, mit seinem Hund Aiko auf einem der erneuerten Waldwege bei Karlsbrunn. Foto: Becker & Bredel
Marcel Kiefer, Revier-Chef im Saarforst-Revier Großrosseln, mit seinem Hund Aiko auf einem der erneuerten Waldwege bei Karlsbrunn. Foto: Becker & Bredel FOTO: Becker & Bredel
Großrosseln. Ein Wald wird von den Nutzern auch stark nach der Qualität der Wege beurteilt. Wegepflege und Wegebau spielen beim Saarforst eine wichtige Rolle. Sie dienen in erster Linie der Holzwirtschaft, Nutznießer sind aber auch die Natur und díe Erholungssuchenden. Peter Wagner

Herrlich fürs Auge und fürs Gemüt ist ein von den Seiten und von oben zugewachsener Waldweg - dem Wanderer scheint es, als werde er in einem Tunnel durch das Grün geleitet. Auch Warndtförster Marcel Kiefer mag solche "mystischen" Wege, es gibt im Revier Großrosseln , das der erst 27-Jährige seit gut einem Jahr leitet, einige dieser heimeligen Stellen. Aber sie bleiben aus fachlichen Erwägungen die Ausnahme.

Im August und September haben Kiefer und seine Mitarbeiter an etwa drei Kilometern Strecke so genannten "Wegeaufhieb" betrieben, das heißt rechts und links die Bankette frei geschnitten (aber dennoch der Ästhetik wegen einzelne charakteristische Bäumchen stehen lassen), also quasi den Tunnel aufgebrochen und Licht auf die Wege gelassen.

Der Förster erklärt, dass die Dunkelheit des Waldes für die Wege schädlich, bisweilen gar fatal sei. Sie könnten nämlich nicht mehr abtrocknen. Der dichte Wuchs an den Rändern sorge darüber hinaus für Windstille, so dass Blätter und Reisig nicht verweht würden, sondern auf dem ohnehin nassen Waldweg zu Humus und Erde würden. Das sei weder für die Schuhe der Wanderer noch für die Sicherheit der Radler und schon gar nicht für die Fahrzeuge der Waldbewirtschaftung gut. Ein Waldbesitzer schneidet also regelmäßig das so genannte Lichtraumprofil frei, damit Sonne und Wind den Weg trocken und sauber halten. Positiver Nebeneffekt: Auf den Banketten bilden sich bereits im kommenden Frühjahr hüfthohe Blühpflanzen, die wiederum der Insektenvielfalt zugute kommen. Und von der profitieren die Vögel und Fledermäuse.

Da Sommer und Herbst überaus trocken gerieten, wird in den Wäldern des Regionalverbandes derzeit viel an den Wegen gearbeitet; die Gelegenheit ist günstig. So hat Förster Kiefer mit Hubladern oder so genannten Grädern Humus- und Erdschichten von Waldwegen herunter schieben und gleichzeitig Wassergräben an den Rändern herstellen lassen. Beides dient dazu, die Wege in der Winterzeit, wo ja der Holzeinschlag vorgenommen wird, sauber und trocken zu halten. "Die Humusschicht wirkt wie ein Schwamm", sagt Kiefer.

Wie man es aus dem Straßenbau kennt, bestehen auch Wirtschaftswege im Wald, je nach Beanspruchung, aus mehreren Schichten mit diversen Körnungen. Allen Wegen gleich ist, dass sie in einem Rundprofil angelegt sind - das Wasser soll nach den Seiten abfließen. Die am stärksten beanspruchten Wege werden mit Schotter ausgebaut - übrigens nicht x-beliebigem, das wäre in einem naturnah bewirtschafteten, zertifizierten Wald nicht statthaft. Bauschutt ist als Packmaterial verboten.

Marcel Kiefer hat gerade ein paar Strecken mit Naturschotter aus dem Michelbacher Steinbruch reparieren lassen. Und das seit Jahrzehnten Dienste leistende Entwässerungsrohr, das ein Auftragsunternehmer säuberte und neu verlegte, kommt von den Bouser Werken - saarländische Lösungen also.

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