Kleiner Mann mit scharfer Zunge

Großrosseln. "Hüte Dich vor kleinen Männern!" So warnt einer von 140 Besuchern beim Comedyabend am vergangenen Freitag in der Rosseltalhalle in Großrosseln den Schreiber dieser Zeilen. Umsonst! Wer, wie dieser, zu spät den Saal betritt, oder sonst wie auf sich aufmerksam macht, wird vom Künstler Hennes Bender gnadenlos seziert

 Hennes Bender strapazierte am Freitagabend in der Rosseltalhalle in Großrosseln die Zwerchfelle der Besucher. Foto: Ver

Hennes Bender strapazierte am Freitagabend in der Rosseltalhalle in Großrosseln die Zwerchfelle der Besucher. Foto: Ver

Großrosseln. "Hüte Dich vor kleinen Männern!" So warnt einer von 140 Besuchern beim Comedyabend am vergangenen Freitag in der Rosseltalhalle in Großrosseln den Schreiber dieser Zeilen. Umsonst! Wer, wie dieser, zu spät den Saal betritt, oder sonst wie auf sich aufmerksam macht, wird vom Künstler Hennes Bender gnadenlos seziert. "Nach vorne, setzen, sechs! Wo kommst Du her? Wo willst Du hin? Sind Deine Socken sauber und die Gesinnung auch? Wann hattest Du zum letzten Mal Sex?" Unter diesen Umständen traut man sich kaum zwischendurch mal aufs Klo.Promis unter BeschussKabarettist Bender kommt aus dem Pott, aus Bochum, wo Mensch sagt, was er denkt: "Wenn der Hund was fallen lässt, dann ist das eben Scheiße, basta!" Nichts ist ihm heilig, nicht die Kanzlerin, nicht der Hääärbäärt Grööönemeyer, nicht Adolf und seine Eva, nicht der Roland Koch, nicht der Kölner, nicht der Berliner, der Hamburger schon gar nicht. Nicht einmal der anwesende Großrosseler Bürgermeister, nicht seine eigenen kleinen Füße und auch nicht die altehrwürdige Saarbrücker Zeitung. Benders Zunge ist ein "Scharfes Schwert", der man mitnichten böse sein kann. Er schnawwelt sich mit Karacho, doch nie unter der Gürtelinie, intelligent und oft auf "Zuruf" spontan durch die Welt im Großen wie im Kleinen - durch Flatulenzen, innere Reichsparteitage, Call Center-Anmache oder beschönigende Worte wie das der "Industriekultur": "Die heißt nur im Ruhrgebiet und im Saarland so. Überall sonst sagt man: Dort, wo keiner mehr arbeitet." Deutsche sind die dicksten Europäer, Griechen die gesündesten ("Pleite, aber fit"), Schotten essen gerne fett ("Ein Paradies für Rainer Calmund"), die Menschen im Ruhrgebiet kommen mit der Grubenlampe auf die Welt und gehen als Kind nicht in die Kita, sondern in die Untertagestelle. Sprachliche VerrenkungenHerrlich! Das Publikum hat seinen Spaß an diesen sprachlich einwandfreien Verrenkungen. Und Bender gefällt es sichtlich im Warndt: Bloß, dass es hier kein Starbucks-Café und keine aufmüpfigen Taxifahrer gibt, findet er schade.

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