Kinder der Kohle : Theaterstück über Bergbau unter freiem Himmel

Historie des Kohlekinder-Spektakels : Das Bühnenstück begann, als der Kohlebergbau endete

Am Anfang des Kohlekinder-Spektakels stand ein Ende. 2004 lief, lange vorab geplant, Frankreichs Bergbau aus. Die Abschiedsfeier im lothringischen La Houve sollte groß und symbolträchtig werden. Die Wahl fiel auf eine Idee der Autorin und Regisseurin Sylvie Dervaux: ein Bühnenstück mit Laiendarstellern über die Geschichte der Kohle.

Akteure und Zuschauer waren begeistert, der Verein Les enfants du charbon entstand. Er war von 2005 an Träger jährlicher Open-Air-Aufführungen von Dervaux’ Stück auf dem einstigen Grubengelände in Petite-Rosselle. Bis zu 10 000 Zuschauer pro Saison kamen zu dem  aufwendigen „Son et lumière“-(Licht und Klang-)Spektakel mit fast 250 Darstellern.

2011 gab es Streit um Geld zwischen Dervaux und dem Verein. Man trennte sich. 2012 fiel das Schauspiel aus. 2013 folgte ein Neustart mit dem Autor und Regisseur Laurent-Guillaume Dehlinger, künstlerischer Leiter der in Metz ansässigen Compagnie Deracinemoa. In seinem Stück „Les gueules noires“ (wörtlich: schwarze Hälse, ironische Bergmanns-Selbstbeschreibung) rückte er den Alltag der Bergleute und ihrer Familien in den Blick. Und veränderte die Arbeitsweise: weniger Akteure, darunter Profis; Sprechrollen und Dialog-Szenen  statt üppig-überwältigender Tableaus.

Durch Umbau-Arbeiten rund ums Bergbaumuseum fehlte 2017 der Spielort fürs Spektakel. Es fiel aus. Die Bauarbeiten an der „roten Esplanade“ zogen sich länger hin als geplant – vorsichtshalber blies der Verein auch die Auflage 2018 ab, zumal durch die Neu-Konstituierung der Région Grand-Est auch die Finanzierung in Frage stand. Für 2019 sei sie gesichert, sagt Ludwig Speicher, Mitglied im Vereinsvorstand:  Je ein Viertel des Budgets tragen  die Region, das Département, die Communauté des Communes und der Verein. Insgesamt rund 400 000 Euro, technische Spezialeffekte und Feuerwerk haben ihren Preis. „Für den Vereins-Anteil brauchen wir 6000 Zuschauer“, fügt Speicher an – 1500 Menschen pro Aufführung bietet die Tribüne Platz.

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