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Noch viele Barrieren
Kampf mit Kies und kleinen Stufen

Der Dorfplatz in der Ortsmitte von St. Nikolaus: Kies macht die Querung sehr mühsam, wenn man mit Kinderwagen oder  Rollator oder im Rollstuhl unterwegs ist. Hinzu kommt Gefälle. Weil der Platz so, wie er ist, von den Bürgern nicht angenommen wird, soll er ohnehin umgestaltet werden.
Der Dorfplatz in der Ortsmitte von St. Nikolaus: Kies macht die Querung sehr mühsam, wenn man mit Kinderwagen oder  Rollator oder im Rollstuhl unterwegs ist. Hinzu kommt Gefälle. Weil der Platz so, wie er ist, von den Bürgern nicht angenommen wird, soll er ohnehin umgestaltet werden. FOTO: Thomas Annen
GROSSROSSELN. In Großrosseln leben 1335 Menschen, die als schwerbehindert gelten – 16,5 Prozent der Orts-Bevölkerung, ein Sechstel. Für sie ist wichtig, dass der öffentliche Raum barrierefrei ist. Doch Uwe Prior, Behinderten-Beauftragter der Gemeinde, hat da nach wie vor allerhand Defizite ausgemacht. Von Thomas Annen

In der Regel sind im Haushalt der Gemeinde Großrosseln jährlich 5000 Euro vorgesehen, um Barrieren für gehandicapte Menschen abzubauen. Mit dem Geld lassen sich allerdings keine großen Sprünge machen. Wenn man nur drei Gehwege absenke, erläuterte Uwe Prior, Gemeinde-Beauftragter für Menschen mit Behinderungen, am Freitagabend im Gemeinderat, sei das Geld weg.


Seinem Jahresbericht zufolge leben in Großrosseln 1335 Menschen mit einem Behinderungsgrad von wenigstens 50 Prozent, sie gelten als schwerbehindert. Das sind 16,5 Prozent der Gesamtbevölkerung – ein Sechstel. Aber auch für alte Menschen kann eine kleine Treppenstufe schnell zum großen Hindernis werden.

Von November 2016 bis November 2017 hat Uwe Prior bei seinen Begehungen vor allem auf den Friedhöfen Mängel entdeckt. Die Bandbreite reicht von unterspülten Wegen bis zu nicht barrierefreien Toilettenanlagen. Auch bei neuen Bauprojekten wird offensichtlich nicht immer an Menschen mit Handicap gedacht. So hat Prior festgestellt, dass die Zuwegung zum neuen Gräberfeld auf dem Großrosseler Friedhof nicht barrierefrei ist. Ein 40 Millimeter hoher Rinnstein behindert den Zugang.

Eine weitere Auffälligkeit im Gemeindebezirk Großrosseln: Der ausgewiesene Behindertenparkplatz neben dem Blumengeschäft in der Kirchstraße verdient den Namen nicht, ein Quergefälle von mehr als zwei Prozent bereitet Rollstuhlfahrern erhebliche Schwierigkeiten beim Aussteigen.

In St. Nikolaus bemängelt Prior die fehlende Barrierefreiheit des Platzes in der Ortsmitte. Eltern mit Kinderwagen, Senioren mit Rollatoren oder Rollstuhlfahrer müssen sich durchs Kiesbett kämpfen. In Dorf im Warndt empfiehlt der Experte, die Eingangstür zur Mehrzweckhalle mit einem so genannten Euroschloss auszustatten. Dann könnten Rollstuhlfahrer die behindertengerechte Toilette auch nutzen, wenn die Halle nicht geöffnet ist. Ihnen steht ein entsprechender Euroschlüssel zur Verfügung.



In Karlsbrunn ist die Zufahrt zur Cura-Med-Klinik für Elektro-Rollstuhlfahrer trotz des etwas niedrigeren Bürgersteigs ein großes Hindernis. Im Dorfgemeinschaftshaus sind die Toiletten nicht barrierefrei, erklärt der kommunale Behindertenbeauftragte mit Blick auf Naßweiler. Und in Emmersweiler wünscht er sich eine Absenkung des Bürgersteigs an der Ecke Wiesenstraße/Rosseler Straße.

„Wir werden sukzessive versuchen, die Dinge zu bereinigen“, versprach Bürgermeister Jörg Dreistadt (SPD) nach dem Bericht. Außerdem kündigte der Großrosseler Verwaltungschef an, die Gemeinde werde Bushaltestellen mit Hilfe von Fördermitteln behindertengerecht umzubauen.

Behinderten-
Beauftragter 
Uwe Prior
Behinderten- Beauftragter Uwe Prior FOTO: BeckerBredel
Bordsteine – für Rollstuhlfahrer unüberwindlich: Dunja Fuhrmann, Saarbrückens Behinderten-Beauftragte, demonstriert es hier. Auch viel niedrigere Schwellen können ein großes Hindernis sein.
Bordsteine – für Rollstuhlfahrer unüberwindlich: Dunja Fuhrmann, Saarbrückens Behinderten-Beauftragte, demonstriert es hier. Auch viel niedrigere Schwellen können ein großes Hindernis sein. FOTO: Oliver Dietze