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Hunde-Tod durch Rattengift?

Besser nicht so: Auch wenn Hundebesitzer ihren Tieren gern das Vergnügen gönnen, sich frei auszutoben - in Großrosseln sollten sie sie derzeit an die Leine nehmen, rät der Tierarzt Dr. Ludvig May. Damit die Hunde nichts möglicherweise Giftiges fressen. Foto: Ruppenthal
Besser nicht so: Auch wenn Hundebesitzer ihren Tieren gern das Vergnügen gönnen, sich frei auszutoben - in Großrosseln sollten sie sie derzeit an die Leine nehmen, rät der Tierarzt Dr. Ludvig May. Damit die Hunde nichts möglicherweise Giftiges fressen. Foto: Ruppenthal
Großrosseln. Unsicherheit macht sich unter den Tierfreunden im Warndt breit. Innerhalb einer Woche sind drei Rosseler Hunde wahrscheinlich den Folgen einer Vergiftung erlegen. Das hat SZ-Leserin Yvonne Kämpfer aus Großrosseln, die sich ehrenamtlich bei der Tierschutzorganisation "Tiere in Not" engagiert, jetzt der SZ-Redaktion berichtet Von SZ-Mitarbeiter Alexander Manderscheid

Großrosseln. Unsicherheit macht sich unter den Tierfreunden im Warndt breit. Innerhalb einer Woche sind drei Rosseler Hunde wahrscheinlich den Folgen einer Vergiftung erlegen. Das hat SZ-Leserin Yvonne Kämpfer aus Großrosseln, die sich ehrenamtlich bei der Tierschutzorganisation "Tiere in Not" engagiert, jetzt der SZ-Redaktion berichtet. Möglicherweise sei noch ein viertes Tier, ein Mischling aus dem Ort, an Gift gestorben; Näheres dazu wisse sie aber noch nicht. "Es sieht so aus, als ob hier jemand Giftköder auslegt", vermutet Kämpfer.



Tierarzt bestätigt zwei Fälle

Die drei Fälle der vorigen Woche betreffen einen Rottweiler an der Tennisanlage, eine amerikanische Bulldogge und einen Berner Sennerhund. Mit den beiden letztgenannten Fällen sah sich der Ludweiler Tierarzt Dr. Ludvig May konfrontiert. Am Mittwoch habe er den Tod der Bulldogge aus Großrosseln festgestellt, berichtet er auf SZ-Nachfragte am Telefon. Deren Eigentümerin habe den Hund am Abend zuvor im Garten frei herumlaufen lassen, weil sie wegen einer Krankheit selbst nicht aus dem Haus konnte. Während dieser Zeit müsse er das Gift zu sich genommen haben, sagt May. Die Besitzerin habe ihn am nächsten Morgen angerufen. Am Donnerstag starb ein einjähriger Berner Sennerhund, den die Besitzer beim Holzmachen mitgenommen hatten in den Wald am Ortsausgang, Richtung Velsen. Dort lief der Hund frei herum.

In beiden Fällen vermutet May das Gift Bromethalin als Ursache, ein Rattengift der dritten Generation. "Genau sagen kann man das aber nur, wenn man eine Probe einschickt und analysieren lässt", sagt May. Er selbst hat keinen Gas-Chromatographen, den man zu dieser Untersuchung braucht. Am Freitag bekam er noch den Fall einer toten Katze in die Praxis; die aber sei wohl an Rattengift der ersten Generation gestorben und deshalb nicht in der Reihe der Hundefälle zu sehen, sagt der Tierarzt. "Sie hat vermutlich eine Maus gefressen. Die laufen mit solchem Gift manchmal wochenlang herum." Mäuse und Ratten könnten gegen das Gift der ersten Generation resistent sein, so May.

Rattengift der dritten Generation wirke anders. Während das ältere Gift für starke innere Blutungen sorge, erweitere das neue Gefäße im Schädel des Tieres. Vergiftungssymptome sind laut May ein geöffneter Rachen, ein nach hinten gestreckter Kopf, Augenflackern, extreme Kreislaufprobleme und eine Biegung der vorderen Gliedmaßen nach innen, was beispielsweise bei einer Epilepsie nicht der Fall sei.

Schlechte Heilungschancen

Wenn diese Symptome bei einem Hund aufträten, müsse sofort mit Cortison behandelt werden. Aber auch dann stünden die Chancen nicht gut. May: "Dann ist die Prognose sehr schlecht. Treten die Symptome in starker Form auf, kann der Tod innerhalb einer Stunde schlagartig eintreten." Er rät deshalb, Hunde beim Gassigehen unbedingt an der Leine zu führen und darauf zu achten, dass sie unterwegs nichts fressen. Keinesfalls sollten die Tiere frei herumlaufen.

Auch May stutzt über die Häufung der mutmaßlichen Vergiftungen: "Punktuell kommt das immer mal vor. Aber zwei Fälle innerhalb zweier Tage sind schon stramm." Mehr kann er aber nicht sagen. Und von der Völklinger Polizei war auf SZ-Nachfrage nur zu hören, dass es bisher keine Anzeige zu einem solchen Fall gebe.

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