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Heimspiel für sechs Achtundsechziger

Heimspiel für sechs Achtundsechziger

The Sunset spielte in Großrosseln. Es war das (vorläufige?) Abschiedskonzert für Bandmitglied Bernhard „Doc“ Hayo.

Ein halbes Jahrhundert auf zehn Sekunden komprimieren: Das brachte das Konzert am Samstagabend in der Rosseltalhalle fertig. Drei Akkorde, sauber gespielt und laut, die richtige Beleuchtung, dazu das Intro von "Keep on running" - und schon ist das Publikum im proppenvollen Saal von Null auf Hundert. "Da machste niggs, da knallen die Hormone durch", resümiert Heike Faller. Verantwortlich sind The Sunset.

Die guten Jungs auf der Bühne, Achtundsechziger (in jeder Hinsicht), als Truppe rüstig wie ein gut gewarteter Trecker der Marke "Dieselross", haben Heimspiel. Damals in den legendären Sechzigern, nicht nur in Rosseln, schossen Bands wie die Sunsets wie Pilze aus dem Boden. "Unsere Mussigg war's, bis heute", sagt Zuschauer Gerd Röller. "... zu der wir getanzt haben, im Jugendheim", ergänzt Martina Dörr.

Und jetzt? Nostalgie pur! Der sich auch der Berichterstatter nicht entziehen mag und/oder kann: "Bei uns im Köllertal waren's die Blackbirds und hier im Warndt halt The Sunset."

Schön, dass es die Band immer noch gibt - genauer: wieder gibt, sie haben sich vor fünf Jahren neu zusammengefunden. Sechs, die mächtig auf die Tube drücken: "Mannee" Pützer, Heinz Gassner, "Doc" Hayo, "Moses" Sander, "De Long" Reichert und "Joob" Bayard. Love & peace! Make love not war! "Und geht bitte alle zur Wahl und kämpft für unser schönes Land im Sinne von John Lennon", lautet eine der Botschaften auf der Bühne. Die andere: "It's only rock'n'roll, but we like it!"

Dann spielen sie Klassik, nicht von Haydn, nicht von Vivaldi und erst recht nicht von Bach, sondern von den Stones, Beatles, Bee Gees, Kinks, Lords und so fort. Holla die Waldfee. Beziehungsweise: Was kümmern uns Termini wie Bandscheibenvorfall, Angina pectoris, Kniebeschwerden, PSA-Werte? "Diese Mussigg, die isses, die uns munter macht", freut sich Thomas Ladenburger. Härter, schneller, kompromissloser ist der Beat geworden im Takt der heutigen Zeit. Nach wie vor großer Beliebtheit erfreuen sich aber auch Schmusesongs der Flower Power-Zeit wie "Nights in white satin", "Massachusetts", "San Francisco Nights" - auch da mögen beim, vorwiegend älteren Publikum, vergessen gewähnte Hormone wieder geweckt worden sein.

Ein nostalgischer Abend, vor allem für Bernhard "Doc" Hayo, der demnächst aus familiären Gründen in den hohen Norden Deutschlands "auswandert". Ihm zu Ehren hieß das Programm "Good by Doc, for now, but not forewer". Klare Ansage. So dürfen wir also alle, irgendwann, irgendwo, hoffen, ein weiteres Mal dem Alter ein Schnippchen zu schlagen - mit The Sunset.