Haus abgebrannt: Mitbürger halfen

Naßweiler. "Irgendwo anders als in Naßweiler zu wohnen, kann ich mir einfach nicht vorstellen", findet Josef Ruschel, der vor 74 Jahren in diesem Großrosseler Ortsteil geboren wurde. Ein paar Jahre seines Lebens verbrachte er mit Ehefrau Gertrud, die er vor fast 50 Jahren heiratete, in Ludweiler

Naßweiler. "Irgendwo anders als in Naßweiler zu wohnen, kann ich mir einfach nicht vorstellen", findet Josef Ruschel, der vor 74 Jahren in diesem Großrosseler Ortsteil geboren wurde. Ein paar Jahre seines Lebens verbrachte er mit Ehefrau Gertrud, die er vor fast 50 Jahren heiratete, in Ludweiler. Doch schon bald zog es ihn wieder zurück in die Heimat, wo er sich mit Frau und den drei Kindern stets pudelwohl fühlte. "Die Dorfgemeinschaft ist wirklich in Ordnung", beteuern Josef und Gertrud Ruschel wie aus einem Munde. "Wir haben uns hier auch immer eingebracht, und einer war für den anderen da." Dass dies heute mehr denn je gilt, lag an einem für die Familie Ruschel schrecklichem Ereignis, als 1987 vermutlich wegen eines Kurzschlusses das eigene Häuschen völlig ausbrannte. "Was danach an einer Welle an Hilfsbereitschaft auf uns zukam, erscheint uns heute noch als ein Wunder", finden die Ruschels. Binnen weniger Tage erhielt die Familie auch von Leuten, die man nur vom Sehen kannte, Hilfe ohne Ende. "Wir bekamen eine Unterkunft, Möbel, Kleider und finanzielle Unterstützung, so dass wir am Ende unser Haus wieder aufbauen konnten." Von diesem dörflichen Zusammenhalt fast überwältigt, beschlossen Josef und Gertrud Ruschel, "auch ein bisschen was zurückzugeben. Wenn uns jemand um Hilfe bittet, sind wir immer dabei."Das gilt zum Beispiel bei Festen und Feiern in Naßweiler, ob es nun um Fuhrdienste oder den Verkauf hinter Ständen geht. Feuerwehr, Turnverein, Hinne Hott, die Fußballer oder wenn es darum geht, den Maibaum aufzustellen, die Ruschels sind immer mit dabei.Sie verstehen es nicht ganz, dass so viele Einwohner wegen der Grubenschäden ihrer Heimat den Rücken kehrten, sehen aber Licht am Ende des Bergbautunnels. "Rund 50 zumeist junge Leute sind in Naßweiler zugezogen, und wir haben sie herzlich aufgenommen." "In Naßweiler gibt es eigentlich alles und intakte Strukturen", findet Gertrud Ruschel, "es gibt einen Friseur, eine Drogerie und Einkaufsmöglichkeiten, und mit dem Auto ist man schnell in Saarbrücken oder in Völklingen." Gut finden sie auch den partnerschaftlichen Umgang mit der Nachbargemeinde Rosbruck. Nicht zu vergessen die 400-Jahrfeier von Naßweiler vor zwei Jahren, die Josef Ruschel, begeisterter Heimatkundler, fotografisch betreute.