Billard-Club 1911 Großrosseln Großrosseler schieben keine ruhige Kugel

PETITE-ROSSELLE/GROSSROSSELN · Schon seit 1911 gibt es den Billard-Club Großrosseln. Der Verein zählt 30 aktive Mitglieder und ist nun auf der Suche nach Nachwuchsspielern.

 Im Sommer 2022 zog der Billard-Club von Großrosseln in eine ehemalige Schule in Kleinrosseln, zum Billardverein Petite-Rosselle, um.

Im Sommer 2022 zog der Billard-Club von Großrosseln in eine ehemalige Schule in Kleinrosseln, zum Billardverein Petite-Rosselle, um.

Foto: BeckerBredel

Eine Partie Pool-Billard, bei der die Kugeln in die Seitentaschen versenkt werden, hat fast jeder schon mal in der Kneipe gespielt. Die fünf beheizten Tische, die die Mitglieder des Billard-Clubs Großrosseln nutzen, haben keine Löcher, sondern Rundum-Banden. An ihnen spielt man Karambolage-Billard. Zum Beispiel Dreiband: Bei dieser Disziplin muss der Spielball nicht nur die beiden anderen Kugeln treffen, sondern zusätzlich noch drei Banden berühren.

Vor jedem Versuch sind mehrere Fragen zu klären: Wie fest stoße ich? Gebe ich der Kugel einen Effet mit? Welche Banden spiele ich an? Wie verhindere ich, dass mir auf der geplanten Route ein anderer Ball in die Quere kommt? Außerdem sollen die Kugeln nach den erfolgreichen Karambolagen so liegen, dass auch der nächste Versuch klappt. Oder zumindest so, dass der Gegner nach einem Fehler kein leichtes Spiel hat. „Es gibt immer wieder kniffelige Situationen“, erläutert der Vereinsvorsitzende Klaus-Bernhard Wagner. Aber meist blicken die Sportler auf Standardkonstellationen, die sie gut kennen.

Domizilwechsel: Im Sommer 2022 sind die Großrosseler Billardspieler nach Petite-Rosselle umgezogen

Eine ruhige Kugel können sie trotzdem nicht schieben, für jeden Stoß bleiben nur 40 Sekunden. Der Spieler, den wir am Tisch beobachten, ist schneller. Mit einem Blick erfasst er die Situation, wenige Sekunden später schickt er den Spielball über drei Banden auf die Reise: Alles läuft wie am Schnürchen. Als die Kugel den zweiten Ball berührt, klopfen die Kollegen anerkennend. Der nächste Versuch misslingt. Noch während der Ball rollt, steht der Gegner auf, um sich auf seinen Stoß vorzubereiten. Im Sommer 2022 sind die Großrosseler Billardspieler umgezogen. Ihr Domizil in der ehemaligen Grundschule am Klosterplatz mussten sie räumen. Das Gebäude soll zum Kindergarten umgebaut werden.

Die Freunde vom Billardverein Petite-Rosselle nahmen die Großrosseler Kollegen gerne auf. „Wir haben uns gut eingelebt“, versichert Wagner mit Blick auf das neue Zuhause in einer ehemaligen Schule in Kleinrosseln. 30 der insgesamt 80 Vereinsmitglieder spielen aktiv. Im Bereich Karambolage, erläutert der 59-Jährige, sei man der größte Verein im Saarland. Nach der Corona-Zwangspause ist der 1911 gegründete Club wieder durchgestartet. 2022 haben Einzelspieler bei Saarlandmeisterschaften zehn Medaillen gewonnen.

Klaus Becker setzt konzentriert zum Stoß an.

Klaus Becker setzt konzentriert zum Stoß an.

Foto: BeckerBredel

Aktuell sind elf Mannschaften gemeldet. Neben Dreiband wird auch die einfachere Freie Partie gespielt: Dabei muss der Spielball nur die beiden anderen Kugeln berühren, ein Umweg über die Bande ist nicht nötig. Das Aushängeschild des Vereins ist die 1. Dreiband-Mannschaft, sie spielt zweite Bundesliga. Die Auswärtsfahrten führen in den Ruhrpott, an die holländische Grenze oder nach Hamburg. Die Reisekosten übernehmen Sponsoren, erläutert Klaus-Bernhard Wagner.

Das erfolgreichste Vereinsmitglied ist Susanne Stengel-Ponsing

„Man kann Billard bis ins hohe Alter spielen“, versichert der Vorsitzende. Der älteste aktive Spieler im Verein ist 91 Jahre alt, der jüngste Anfang 30. Hohe Ausgaben für die Ausrüstung fallen nicht an. Beim Vereinseintritt 1980 kaufte sich Wagner einen Queue, er hielt über 40 Jahre. Erst kürzlich hat er sich einen neuen Spielstock angeschafft. Das erfolgreichste Vereinsmitglied ist übrigens die einzige aktive Frau: Susanne Stengel-Ponsing ist amtierende Deutsche Meisterin im Freien Spiel, bei der Europameisterschaft in Österreich belegte sie im Vorjahr den dritten Platz. Weitere Frauen sind willkommen.

Der Billard-Club 1911 Großrosseln sucht Nachwuchsspieler

Und auch um junge Sportler will sich der Club verstärkt bemühen. In den 1990er Jahren hatte er zeitweise vier Nachwuchsmannschaften am Start, aktuell ist kein Jugendteam gemeldet. Um in Schulen und auf Dorffesten die Werbetrommel zu rühren, hat Wagner einen kleinen höhenverstellbaren Billardtisch gekauft, an dem Kinder problemlos spielen können. Die Billard-Freunde trifft man nicht nur in ihrem Vereinslokal, sie beteiligen sich auch am Großrosseler Dorfleben.

Am Weihnachtsmarkt waren sie mit von der Partie. Und an der Kirmes haben sie die Besucher mit Gefüllten und Sauerkraut verwöhnt. Immer wieder finden sich auch viele helfende Hände, die die Gäste beim traditionellen Dreiband-Cup des Vereins bewirten.

Zurück zum Training: Vor jedem Versuch wird das lederne Endstück des Queues, die sogenannte Pomeranze, mit Kreide eingerieben. So erhöht sich die Haftung, die glatte Kugel rutscht beim Stoß nicht ab. Der Nachteil: Manchmal landen einige Kreidekrümel auf dem Tisch. Sie könnten den Lauf der Kugel beeinflussen. „Deshalb werden die Billardtische regelmäßig gereinigt“, betont Vereinschef Wagner. Ein Handstaubsauger ist immer griffbereit.

Weitere Infos zum Billard-Club Grossrosseln gibt es online auf www.bc1911.de

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