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Großrosseln setzt auf die Windeltonne, Saarbrücken zahlt Windelbonus

Kostenpflichtiger Inhalt: Entlastung für Eltern und Inkontinenz-Patienten : Großrosseln setzt auf Windeltonne statt Bonus

Um Eltern von Kleinkindern und Inkontinenz-Patienten zu entlasten, führt Großrosseln ab März die Windeltonne auf dem Gelände der Kompostieranlage ein. So könnten Betroffene die Anzahl der Leerungen der Restmülltonne gering halten und Kosten sparen. Einen anderen Weg gehen die Städte Saarbrücken und Völklingen.

Die Gemeinde Großrosseln setzt im Gegensatz zu Saarbrücken und Völklingen nicht auf einen Windelbonus, sondern auf die „Windeltonne“. In der sollen Eltern von kleinen Kindern bis drei Jahre und Inkontinenz-Patienten die Windeln ab 14. März auf dem Gelände der Kompostieranlage entsorgen können. Der neue Bürgermeister Dominik Jochum (CDU) hatte das auf dem Neujahrsempfang angekündigt. Er will Familien und Senioren entlasten – obwohl in Großrosseln der Müll nicht nach dem Gewicht berechnet wird. Nach seinen Angaben kosten die ersten vier Leerungen in der Gemeinde die Bürger nichts. Erst danach werde die Müllgebühr nach der Anzahl der Leerungen berechnet. Familien von kleinen Kindern und Inkontinenz-Patienten könnten also Platz in der Tonne und somit Geld sparen, sagt Jochum.

Nach seinen Angaben geht es um 190 Kinder. Falls ein Junge oder Mädchen auch noch mit vier Jahren Windeln trägt, sehe die Verwaltung das nicht so eng. Auch diese Windeln können in die Tonne wandern. Wer die „Windeltonne“ nutzen will, braucht einen „Windelausweis“. Der Antrag kann im Internet heruntergeladen werden. Die Anmeldung erfolgt dann im Bürgerbüro, Inkontinenz-Patienten können sich durch Angehörige oder einen Betreuer vertreten lassen.

Senioren, die in Pflegeheimen wohnen, können keinen Antrag stellen, weil die Abfallgebühren dort aus den Zahlungen für das Pflegeheim geleistet werden. Wer Hartz IV, Grundsicherung oder Leistungen als Asylbewerber bezieht, kann die Tonne ebenfalls nicht nutzen. „Die Abfallgebühren werden aus öffentlichen Mitteln finanziert, so dass keine finanziellen Nachteile bei der Entsorgung von Windeln bestehen“, schreibt die Gemeinde Großrosseln auf ihrer Internetseite.

In Saarbrücken wird dagegen der Müll nach dem Gewicht berechnet. Pro Wickelkind zahlt die Stadt 30 Euro pro Jahr, Inkontinenzpatienten erhalten 55 Euro pro Jahr. Der Betrag wird rückwirkend für das abgelaufene Jahr gezahlt. Seit 2011 gibt es auf Initiative der damals rot-rot-grünen Stadtratskoalition den Windelbonus.

Wie aber wird das in Mehrfamilienhäusern geregelt, wenn mehrere Mietparteien ihren Müll in eine Tonne werfen? Pressesprecher Thomas Blug: „Beschwerden gibt es nur sehr vereinzelt.“ Bei der Einführung des Müllwiegens in Saarbrücken habe es Überlegungen gegeben, Windelsäcke zur Verfügung zu stellen. Dann wäre aber für jeden sichtbar gewesen, wenn Menschen unter Inkontinenz leiden. Deshalb seien der Windelsack oder ein Abfallgefäß für Windeln nicht eingeführt worden, erklärt Blug weiter.

Wegen des höheren Gewichts aufgrund der Windeln habe der Stadtrat den Windelbonus beschlossen. 2018 seien 1916 Anträge bei der Stadt eingegangen, 1173 Anträge von Eltern und 743 Anträge von Inkontinenzpatienten. Diese müssen ein ärztliches Attest vorlegen, das die dauerhafte Erkrankung bestätigt, falls es noch nicht beim Bürgeramt vorliegt. Der Antrag auf den Windelbonus kann online oder schriftlich bei den Bürgerämtern gestellt werden. Die Siedlungsgesellschaft schaue in den großen Wohnsiedlungen genau darauf, wie die Mieter Müll sparen können, in dem sie zum Beispiel keine Wertstoffe in die Restmülltonne werfen. Das helfe, Müll und damit Geld zu sparen, sagt Thomas Blug.

In Völklingen erhalten die Eltern von Kleinkindern, die das 3. Lebensjahr noch nicht vollendet haben, maximal 25 Euro pro Kind und Bürger, die unter Inkontinenz leiden, maximal 50 Euro . Aber hier gibt es eine Besonderheit. Die Stadt vergleicht die Kosten, d.h. die Zahl der Tonnenleerungen plus die Grundgebühr, mit denen aus dem Jahr 2008. Liegen die Kosten unterhalb des Bonusbetrags, wird auch nur die Differenz zu 2008 ausgeglichen, erklärt Sprecher Lars Hüsslein. Für die 120-Liter-Tonne kostete damals die Müllabfuhr 186 Euro. Seit 2009 wird die Müllabfuhr nach der Zahl der Leerungen berechnet.