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Großrosseln : Alter Bahnhof, fast schon Ruine, soll saniert werden

Neue Nutzung für alten Bahnhof : Denkmal-Rettung auf den allerletzten Drücker

Seit Jahrzehnten vernachlässigt, ist der einstige Großrosseler Bahnhof heute akut vom Verfall bedroht. Die Brüder Hermann und Peter Herz, Chefs einer Naturstein-Firma in unmittelbarer Nachbarschaft, wollen ihn retten und neu nutzen.

Das Firmengebäude an der Rosselstraße wirkt von außen unscheinbar. Aber hinter der gläsernen Eingangstür warten Überraschungen. Küchenzeilen und Bad-Einrichtungen mit Naturstein unterschiedlichster Art als Wandbekleidung, Fußboden, Arbeitsplatte, Waschbecken. An einen großen Tisch ganz aus Stein bittet Peter Herz zum Gespräch, einer der beiden Firmenchefs. Peter Herz’ Bruder und Ko-Chef Hermann Herz kommt dazu, Bauzeichnungen werden ausgebreitet: Die Brüder Herz haben große Pläne mit dem alten Rosseler Bahnhof.

Vor längerer Zeit schon haben sie das denkmalgeschützte Gebäude erworben, das seit Jahrzehnten ungenutzt und ungepflegt dasteht. Sie haben zudem das gesamte umgebende Gelände gekauft, das zuvor diversen verschiedenen Eigentümern gehörte. „Von Brücke zu Brücke“, sagt Peter Herz, „auf 700 Metern Länge“, ergänzt sein Bruder – den Vorplatz, das Nebengebäude links neben dem Bahnhof, das mal Aufenthaltsräume fürs Bahnpersonal und Toiletten beherbergte, den Gleisbereich, die Freiflächen rechts neben dem Bahnhof. Nur der kleine Bau rechts neben der historischen Schalterhalle hat andere Besitzer. Das frühere „Kneipche“, berichten die Brüder, sei heute in drei Cafés geteilt, mit je drei Spielautomaten drin – eine „Spielothek“ im Grunde, stark frequentiert, sagen die beiden. Und machen keinen Hehl daraus, dass sie darüber nicht froh sind.

Aber an ihrem Projekt ändert das nichts. Ihre Geschäfte laufen gut, das bisherige Gelände wird zu eng. Sie wollen ihren Betrieb erweitern. Im alten Bahnhof. Der soll restauriert werden und als Ausstellungs- und Event-Bau dienen. Das historische Haus zu sanieren, sei vermutlich teurer als ein Neubau – aber „mit den alten Häusern, richtig angelegt, sind wir schon mal zwei Punkte weiter als auf der grünen Wiese“, sagt Hermann Herz. Eine Sache der Atmosphäre.

Das Konzept haben die beiden bis ins Detail durchdacht. Vom Vorplatz – „ordentlicher Eingang“, zugleich Ausstellungs- und Eventfläche – geht es in die einstige Schalterhalle: Empfang, Info, Kassen, Ausstellung, für Produkte und auch für Kunst. Im restlichen Erdgeschoss mehr Räume fürs Ausstellen. Und für Besprechungen mit Bauherren und Architekten, dafür gebe es viel Bedarf. Zur Gleisseite hin soll ein gläserner Anbau entstehen. Eingeschossig als Verbindung zwischen den separaten Altbauten. Am Empfangsgebäude zweigeschossig, mit offener Galerie, von der aus man die originale Denkmal-Fassade überblickt. Und mit einem Aufzug, der vom Keller – mit WC-Anlage – bis zum ersten Stock reicht, zur geplanten Kochschule. Das soll „komplett für jedermann offen sein“, sagt Peter Herz. Nur das Dachgeschoss sei reserviert für Bürozwecke. Draußen soll ein kleiner Park entstehen. Mit Tischen und Bänken – Naturstein, klar –, wo Besucher Platz nehmen können. Und bei Firmen-Events ein hausgemachtes Bier kosten können: Hermann Herz experimentiert schon länger mit dem Brauen in Naturstein-Gefäßen, und dafür will er den Gewölbekeller nutzen.

„Wir könnten schon längst am Bauen sein“, sagt Peter Herz mit einem Seufzer. Aber die Brandschutz-Gutachterin habe die Sache verzögert. Die Herz-Brüder schalteten die Obere Bauaufsicht ein. Man habe ihnen einen Prüfer-Wechsel zugestanden, „das ist selten“. Und nun, da die Untere Bauaufsicht (UBA) prüfe, gehe es „endlich konstruktiv und lösungsorientiert“ zu. Das verdiene einfach mal Lob, sagen die Herz-Brüder. Gleiches gelte beim Denkmalschutz („vor dem hat man uns im Vorfeld gewarnt“, sagt Peter Herz lachend): Da habe sich konstruktive Zusammenarbeit entwickelt, mit guten Kompromissen, „Geben und Nehmen“.

Im Spätsommer, schätzen die beiden, werde die Genehmigung fürs Brandschutzkonzept vorliegen. Der finale Statik-Check werde rasch gehen, die Baugenehmigung sei ansonsten längst da – im Herbst soll es dann losgehen. Wenigstens mit den „nötigsten Arbeiten“. Der Zustand des Gebäudes habe sich enorm verschlechtert, auch weil das Dach mittlerweile überall undicht sei; es müsse vollständig erneuert werden.

 Warten auf Einlass: Im September 2013 öffnete der damalige Eigentümer des alten Bahnhofs Großrosseln am Tag des offenen Denkmals das historische Gebäude für Besucher. Er hatte sich seinerzeit vorgenommen, das Haus in Eigenleistung zu sanieren, und gerade etliche Monate harter Arbeit hinter sich gebracht.
Warten auf Einlass: Im September 2013 öffnete der damalige Eigentümer des alten Bahnhofs Großrosseln am Tag des offenen Denkmals das historische Gebäude für Besucher. Er hatte sich seinerzeit vorgenommen, das Haus in Eigenleistung zu sanieren, und gerade etliche Monate harter Arbeit hinter sich gebracht. Foto: rup/Rolf Ruppenthal
 Hermann (links) und Peter Herz wollen das Bahnhofs-Denkmal sanieren und für ihren Großrosseler Naturstein-Betrieb nutzen.
Hermann (links) und Peter Herz wollen das Bahnhofs-Denkmal sanieren und für ihren Großrosseler Naturstein-Betrieb nutzen. Foto: Doris Döpke
 Gekappte Dachbalken, 2013 – durch ständige Feuchtigkeit sind sie faul geworden.
Gekappte Dachbalken, 2013 – durch ständige Feuchtigkeit sind sie faul geworden. Foto: rup/Rolf Ruppenthal
 Kaputte Fenster auf der Gleisseite, 2007.
Kaputte Fenster auf der Gleisseite, 2007. Foto: Doris Döpke
 Loch in der Decke, 2007, eins von vielen.
Loch in der Decke, 2007, eins von vielen. Foto: Doris Döpke

Im nächsten Jahr freilich erst, denn 2019 seien einschlägige Baufirmen ausgebucht. „Und 2021 möchten wir dann eröffnen!“