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Großrosseln : 15 Jahre Untätigkeit am Bahnhofs-Denkmal

Bahnhof Großrosseln : Schon 2004 steckte Hausschwamm im Gebälk

Gegen massive Bauschäden im alten Bahnhof Großrosseln wurde jahrelang nichts getan. Dringliche Mahnung eines Hochschul-Teams fruchtete nichts.

Man kann sie kaum mehr zählen, die Besichtigungen im historischen Großrosseler Bahnhof, die es in den vergangenen 20 Jahren gab – mit Analysen des Baus, mit Ideen für seine Zukunft,  mit Warnungen vor fortschreitendem Verfall. Der Vielzahl der Stimmen geschuldet, hatten sich in unseren Bericht über die 100-jährige Geschichte des Gebäudes (SZ-Montagsausgabe) zwei Fehl-Erinnerungen eingeschlichen. Klaus Köehler, emeritierter Professor an der Hochschule für Technik und Wirtschaft (HTW) in Saarbrücken, hat freundlicherweise darauf aufmerksam gemacht.

Im Sommersemester 2004 – und nicht schon vorher – haben HTW-Studenten ein Projekt zum Bahnhofs-Thema erarbeitet. Köehler selbst war es, der die Studenten dabei anleitete. Zusammen mit dem Architekten Georg Müller und mit Martin Sauder, damals Lehrbeauftragter.

Das Projekt, angeregt von Peter Lupp, seinerzeit beim Stadtverband Saarbrücken zuständig für den Denkmalschutz, war groß dimensioniert: Es umfasste „eine Bauaufnahme, eine Schadenskartierung und Umnutzungskonzepte in mehreren Teams“, sagt Köehler. Die Studenten und ihre Betreuer stießen im Projekt-Sommer auf gravierende Bauschäden. Unter anderem, berichtet Köehler, habe man Hausschwamm vorgefunden. Dieser gefürchtete Schadpilz wird begünstigt durch Feuchtigkeit an Stellen, wo sie eigentlich nicht hingehört; und die ist  im Rosseler Bahnhof allgegenwärtig, weil der Bau seit Jahren mit undichtem Dach und immer wieder demolierten Fenstern und Türen dasteht. Hausschwamm wachse sehr schnell, sagt Köehler,  und könne Bauholz vollständig zerstören.

Aber leider habe es nach dem HTW-Projekt keine Maßnahme zum Erhalt des Gebäudes gegeben, „obwohl schon damals deren Dringlichkeit bekannt war und auch so kommuniziert wurde“ – 15 Jahre Untätigkeit. Mit Folgen für den Bau: Nach Auskunft von Hermann und Peter Herz, den heutigen Eigentümern, besteht in Teilen des Bahnhofs inzwischen Einsturzgefahr.

 Klaus-Dieter Köehler,  emeritierter Professor an der  HTW Saar.    Foto: Köehler
Klaus-Dieter Köehler, emeritierter Professor an der  HTW Saar. Foto: Köehler Foto: Köehler

Der Gewölbekeller, sagt Köehler, sei in den Plänen verzeichnet und von den Studenten auch freigelegt worden. Aber da haben die Brüder Herz bei ihrer eigenen Bestandsaufnahme Widersprüche festgestellt zwischen Plan und Bau-Ausführung.  Ein Raum unterhalb des Bahnhofs,  der als verfüllt galt, habe sich in Wirklichkeit als Hohlraum erwiesen, sagen sie; zum Gewölbekeller zähle also ein Raum mehr, als die Pläne der preußischen Baumeister es zeigen.