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Großrazzia auf der Glücksspiel-Meile

Großrazzia auf der Glücksspiel-Meile

Den Anwohnern sind die Spielsalons in der Straße Bremerhof in Großrosseln-Naßweiler schon lange ein Dorn im Auge. Jetzt hat die Polizei mit einer Razzia durchgegriffen. Sechs Personen wurden vorübergehend festgenommen.

Der Polizei von Land und Bund ist am Donnerstagnachmittag und -abend in der Glückspiel-Meile "Bremerhof" in Großrosseln-Naßweiler ein Überraschungsschlag gegen mutmaßlich kriminelle Geschäfte gelungen. Sechs Personen wurden vorübergehend festgenommen, weil sie mit Vollstreckungshaftbefehlen gesucht wurden, drei Lokale wurden geschlossen, weil das Personal weder Aufenthalts- noch Arbeitserlaubnis vorweisen konnte oder weil die Geräte selbst oder ihre Anordnung in den Räumen nicht den Vorschriften entsprachen. Zig Verstöße gegen Aufenthaltsrecht , Gewerberecht ("Scheingastronomie") und technische Anforderungen an Glücksspielgeräte wurden aktenkundig und werden in den nächsten Tagen und Wochen mit Anzeigen verfolgt. Wie Einsatzleiter Michael Zapp, Chef der Völklinger Polizei , informierte, fielen dem Zoll 15 strafbewehrte Vergehen gegen Aufenthaltsrecht und Arbeitsgesetze auf, außerdem 15 Ordnungswidrigkeiten. Vier unerlaubte Einreisen wurden festgestellt; sechs Personen konnten keinen Wohnsitz nachweisen, ein Kontrollierter musste seinen Führerschein abgeben.

Die Razzia, an der auch Ortspolizeibehörde und Landesverwaltungsamt beteiligt waren, richtete sich gegen ein Dutzend Glücksspiel-Lokale, Wettbüros und Gaststätten, die sich auf der deutschen Seite der schnurgeraden Grenzstraße zwischen Naßweiler und Rosbruck, einem Teil der Gemeinde Freyming-Merlebach, angesiedelt haben. Jahrein, jahraus fällt die Straße, vor allem zum Ärger der Dorfbevölkerung, wegen Kriminalität, Lärm, Dreck und Verkehrsverstößen auf.

Am 8. November des vergangenen Jahres kam es morgens um drei Uhr zu einem Überfall mit Gewehren, bei dem Unbekannte durch die geschlossene Tür eines Lokals schossen. Da der Parkstreifen vor den Läden auf französischer Seite liegt und die Autobahn einen Katzensprung entfernt ist, ist der flotte Grenzübertritt zur Vermeidung von Strafverfolgung für Ganoven verlockend.

Die schon von außen meist billig wirkenden Glücksspielhallen im "Bremerhof" sind karg möbliert, wie Bäder gefliest und teilweise sogar fensterlos. Einziger Luxus sind die bequemen Stühle vor den Glücksspielgeräten. Wer hier verkehrt, der soll möglichst viel Münzen in die Automaten oder Wett-Terminals werfen und ist in jeder Aufmachung willkommen. Etikette gibt es keine, Rauchverbote werden nicht ernst genommen. Die Kundschaft dieser Lokale kommt fast ausschließlich aus Frankreich, wie auch die Mitarbeiter der Betriebe meist französische Pässe haben, nicht selten aber aus afrikanischen oder arabischen Ländern stammen. Manche beherrschen nicht einmal Französisch und werden nach Einschätzung von Insidern lausig für ihre Aufpasser-Dienste bezahlt.

Um möglichst viele Personen zu kontrollieren, beteiligten sich am Donnerstag auch Police und Gendarmerie aus Frankreich an der Aktion. Flüchtende aus Deutschland und Frankreich rannten jeweils in die Hände der benachbarten Beamten.

Die Polizisten hatten sich vorsorglich mit Schutzwesten und sogar Maschinengewehren gerüstet. Sämtliche Kontrollen, an denen etwa 60 Kräfte beteiligt waren, verliefen jedoch ohne Zwischenfälle.