| 20:41 Uhr

Public Viewing im Warndt
Gemeinsam erleben sie einen Fußball-Krimi

Gemeinsam mitfiebern und jubeln, das wollten die Fußballfans beim samstäglichen Public Viewing in Großrosseln. Sie kamen voll auf ihre Kosten.
Gemeinsam mitfiebern und jubeln, das wollten die Fußballfans beim samstäglichen Public Viewing in Großrosseln. Sie kamen voll auf ihre Kosten. FOTO: BeckerBredel
Großrosseln. War das spannend! Die WM-Begegnung Deutschland – Schweden zerrte an den Nerven der knapp 150 Fußballfans beim Public Viewing in der Rosseltalhalle. Von Andreas Lang

Was war das für ein Jubelschrei, kurz vor 22 Uhr, quer durch die Region. Überall, wo sie vorher über mehr als 90 Spielminuten mit der Deutschen Elf gebangt haben, zum Beispiel in den Völklinger Gaststätten wie der Hüttenschänke, dem Bit am Markt oder dem Gasthaus Zum Kraftwerk. Und vor allem in der Rosseltalhalle in Großrosseln, wo die Junge Union (JU) wohl über die gesamte Fußball-Weltmeisterschaft gesehen das meiste Publikum vor der großen Leinwand versammeln wird.


„Deutschland darf ja gar nicht vorzeitig ausscheiden“, sagt der Vorsitzende des JU-Gemeindeverbands, Michael Krewer, etwa eine halbe Stunde vor Spielbeginn. Die Eintreffenden sind da gerade dabei, ihre Tipps für das Spiel abzugeben. Einerseits, um die eigene Wettlust zu befriedigen, andererseits, um Gutes zu tun. „Die Hälfte der Einsätze spenden wir an karitative Zwecke in Großrosseln“, so Krewer.

War gegen Mexiko (0:1) noch die Jugendfeuerwehr mit 160 Euro bedacht worden, ist gegen die Schweden (2:1) der Förderverein des Kindergartens Dorf im Warndt an der Reihe, zum letzten Vorrundenspiel dann das Seniorenheim Haus im Warndt. Krewer: „Weil wir möglichst an alle Generationen denken wollen.“ Ja, und weil bereits für jedes mögliche Spiel bis hin zum Finale ein Begünstigter feststehe, komme ein vorzeitiger Abschied der DFB-Auswahl aus dem Turnier nicht in Frage. Auch an die Schirmherrschaft wurde gedacht, gegen die Schweden ist es „unser Pfarrer, Axel Maria Kraus“.



Vor dem Anpfiff konstruiert der eine kurze Geschichte um eine christliche Fußballmannschaft – und ob er in der Nachspielzeit das entscheidende Stoßgebet zu seinem obersten Dienstherrn geschickt hat, bleibt sein Geheimnis.

Die Anspannung steigt, als die Mannschaften das Spielfeld betreten – auch in der Rosseltalhalle. „Lasst uns gleich gemeinsam die Nationalhymne mitsingen“, fordert Nico Haßlach auf, der inzwischen die Moderation übernommen hat. Danach wird die Mannschaftsaufstellung zelebriert. Haßlach gibt dabei Trikotnummer und Vornamen per Mikro bekannt, die Nachnamen übernimmt das Publikum. Fast so, wie im Stadion – auch wenn dieses Mal nicht ganz so viele da sind, wie knapp eine Woche zuvor bei der Auftaktniederlage. „Dorf im Warndt feiert heute sein 80-jähriges Bestehen, da sind viele hin, das war zu erwarten“, so Krewer.

Dann beginnt der Krimi, der alles bietet, was diesen Sport so faszinierend macht. Deutschland legt gleich los. Gerade mal zwei Minuten sind gespielt, da brennt es lichterloh im Schweden-Strafraum. Dementsprechend laut der Geräuschpegel in der Halle – gerade so, als wollten sie mit Brüllen und Kreischen das schaffen, was den Angreifern vorerst noch nicht gelingt. Die Kugel über die Linie, das Runde ins Eckige zu bringen.

Ein gemeinsamer Schmerz, als Sebastian Rudys Nasenbein bei einem unglücklichen Zusammenprall mit dem Gegenspieler bricht – und wenig später das Unfassbare. „Der Mann ist Weltmeister, hat vier Mal die Champions League gewonnen und dann so ein Pass“, klingt es kreuz und quer durcheinander. Toni Kroos ist gemeint, er hat einen katastrophalen Fehlpass produziert und so steht es plötzlich 0:1. Das Vorrunden-Aus so nah wie nie.

Die Halbzeit kommt gerade recht, ein bisschen runterzukochen, sich neu zu ordnen. Eventuell auch nachzubessern. Mario Gomez kommt rein, und plötzlich klingelt’s auch im Schwedenkasten – 1:1, Marco Reus hat‘s gemacht. Reicht aber noch nicht. Wie ein Blick auf die Gruppen-Tabelle zeigt, würde bei Remis auch ein Sieg gegen Südkorea am Mittwoch sehr wahrscheinlich nicht reichen. Und dann muss auch noch Jérome Boateng mit Gelb-Rot runter. Deutschland in Unterzahl, oh weh!

Bis sich dann Kroos in der Nachspielzeit den Ball zum Freistoß, der letzten Offensivaktion des Spiels, zurecht legt. Und mit seinem Tor vom Sündenbock der ersten Halbzeit zum Helden des Spiels wird. Dementsprechend groß der erlösende Jubelschrei, der sich jetzt seine Bahn durch den Warndt bricht. Gefolgt von ersten nächtlichen Autokorsos, wobei diese noch sehr zurückhaltend ausfallen.

Sie haben sich passend eingekleidet und geschminkt für den aufregenden Fußballabend in der Rosseltalhalle (von links): Marco und Lionel Meng, Carolin Löbenbrück und Greta Meng.
Sie haben sich passend eingekleidet und geschminkt für den aufregenden Fußballabend in der Rosseltalhalle (von links): Marco und Lionel Meng, Carolin Löbenbrück und Greta Meng. FOTO: BeckerBredel