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Redaktionsgespräch
Gefragt: Wohnraum für Senioren

Blick aufs barocke Karlsbrunner Jagdschlösschen. Im Sommer könnte dort der Umbau beginnen.
Blick aufs barocke Karlsbrunner Jagdschlösschen. Im Sommer könnte dort der Umbau beginnen. FOTO: bub/wib / BeckerBredel
Großrosseln. Was hat sich getan in Großrosseln im zu Ende gehenden Jahr, was war besonders wichtig? Darüber sprachen wir mit Bürgermeister Jörg Dreistadt (SPD). Von Doris Döpke

2017, sagt Bürgermeister Jörg Dreistadt (SPD) bei seinem Besuch in der SZ-Redaktion, war ein Jahr des Bauens, „da haben wir die Geduld der Bürger ganz schön strapaziert“. Wobei es nicht um Spektakuläres ging. Sondern um Arbeiten im Untergrund, Kanalsanierungen, Leitungs-Verlegung für Breitbandkabel – aber in allen Ortsteilen. Etwa 80 Prozent des Geplanten seien zum Jahresende abgeschlossen, sagt Dreistadt.


Eine positive Bilanz zieht der Rosseler Rathauschef bei der interkommunalen Zusammenarbeit. Großrosseln nutzt für den Winterdienst Völklingens Streugutlager, die Feuerwehr der Nachbarstadt hilft aus mit ihrer Drehleiter und wartet Großrosseler Gerät; das funktioniere sehr gut. Hinzu kommt nun eine neue Vereinbarung zum Ordnungsdienst – Völk­linger Hipos werden Parksündern im Warndt „Knöllchen“ verpassen. Über Zusammenarbeit bei der Vollstreckung hatte man sich mit Völk­lingen bereits geeinigt, doch das hatte die Kommunalaufsicht nicht genehmigt. Aus rechtlichen Gründen, hieß es;  doch da könnte mitspielen, dass die Kommunalaufsicht eine eigene einschlägige Stelle unterhält. Dreistadt mag darüber nicht spekulieren. Man habe das Nein akzeptiert, sagt er. Aber wenn es eine Chance auf Genehmigung gäbe, würde er dieses Thema sofort weiterverfolgen.

Bauen in Großrosseln: 2017 hatte die neue Feuerwache in Dorf im Warndt Richtfest. Im April, spätestens im Mai 2018 werde sie bezugsfertig sein, sagt Dreistadt. Ein fast kompletter Neubau, wenngleich nicht so teuer für die Gemeinde wie die von Grund auf neu errichtete Süd-Wache in Naßweiler vor einigen Jahren. Danach müsse noch die Wache in Großrosseln saniert werden, aber das sei weniger aufwendig.

Bei Neubaugebieten möchte Dreistadt die bisherige Zurückhaltung wahren. Zwar gebe es weiterhin kräftige Nachfrage nach Wohnraum, einerseits von Familien, andererseits von Älteren, die Komfortables suchen. An seniorengerechten Wohnungen fehle es. Doch nur  „kleine Einheiten lassen sich vermarkten“, sagt Dreistadt. Mit großen Neubaugebieten könne man leicht den lokalen Markt ruinieren. Bislang funktioniere der gut: Die Leerstandsquote liege bei weniger als drei Prozent, frei werdende Bauten würden stets rasch verkauft. 30 bis 35 Bauplätze – verstreut über alle Ortsteile – seien derzeit frei. Zwei kleinere Wohngebiete könnten demnächst in die Planung kommen, eins in Großrosseln, das zweite in Karlsbrunn – aber damit müsse sich erstmal der Rat befassen. Ebenso mit Ideen für Gewerbe-Gebiete; Flächen für Kleingewerbe seien in der Kommune knapp.

Offen ist nach wie vor die Frage einer Versammlungsstätte in Karls­brunn. Die Orts-Gremien hatten energisch gefordert, dass man nicht zurückgreife auf bestehende Gebäude, sondern neu baue. Die Planung dazu – inklusive Kosten-Kalkulation – sei voraussichtlich Ende Januar fertig, so dass Orts- und Gemeinderat sie im Februar diskutieren können, sagt Dreistadt.



Ein großes Projekt hatte Dreistadt 2017 nicht als Bürgermeister, sondern als Vorsitzender des Zweckverbands Regionalentwicklung Warndt zu betreuen: die Sanierung des Karls­brunner Jagdschlosses. Das werde jetzt konkret, sagt er: In der nächsten Zweckverbandssitzung werde voraussichtlich der offizielle Zuschussantrag beschlossen. Mit dem Bauen könne man dann wohl nach den Sommerferien beginnen. Insgesamt stehen nach Dreistadts Auskunft rund 1,6 Millionen Euro Förderung für das Vorhaben zur Verfügung, aus Bundes-Zuschüssen, aus Bedarfszuweisungen des Landes und vom Denkmalschutz. Einen Teil der Kosten müsse der Zweckverband selbst tragen. Diesen Eigenanteil will er aus den so genannten Rosselgeldern bestreiten, derzeit noch gut 300 000 Euro. „Und wir werden bei den Plänen so weit rausstreichen, dass es finanziell passt.“

Zweckverbands-Thema war immer wieder auch die Grube Velsen, mit Erlebnisbergwerk und denkmalgeschütztem Tagesanlagen-Ensemble. Dazu mag Dreistadt nur sagen, dass er im Gespräch sei mit dem seit kurzem für Industriekultur zuständigen Kultusministerium. Und: „Die Kaffeeküche, das ist das Tor zum Warndt;  da lasse ich nicht locker!“

Jörg Dreistadt (SPD), Bürgermeister von Großrosseln, beim Gespräch in der SZ-Redaktion.
Jörg Dreistadt (SPD), Bürgermeister von Großrosseln, beim Gespräch in der SZ-Redaktion. FOTO: Doris Döpke
Im neuen Feuerwehrgerätehaus in Dorf im Warndt – Ende November war dort Richtfest.
Im neuen Feuerwehrgerätehaus in Dorf im Warndt – Ende November war dort Richtfest. FOTO: BeckerBredel