Funkloch von heute auf morgen

Frank Reiser ist als Taxi-Unternehmer darauf angewiesen, für seine Kunden telefonisch erreichbar zu sein. Doch dann verwandelte sich Großrosseln für den Vodafone-Kunden in ein einziges großes Funkloch.

Wenn Frank Reiser seine aktuelle Lage in wenigen Worten beschreiben soll, kommt er schnell auf den Punkt: "Es ist eine absurde Situation", sagt er und muss sogar kurz lachen. Zum Spaßen ist ihm aber gar nicht zumute. Seit dem 28. Juni, Reiser weiß es genau, ist er in Großrosseln nicht mehr erreichbar. Sein Handy findet keinen Empfang, und auch sein Festnetz-Anschluss ist tot. Das wirklich Tragische an der Sache ist, dass der Taxi-Unternehmer auf diese Weise keine Aufträge mehr an Land ziehen kann. Seine Kunden machten bisher ihre Termine telefonisch mit ihm klar. Doch nun? "Einer hat sogar schon mal bei meiner Nachbarin angerufen und durch sie einen Auftrag ausrichten lassen", aber das könne natürlich keine Dauerlösung sein. Genauso wenig, dass er manchmal nach Saarbrücken fährt, nachdem er eine Frau zum Arzt gebracht hat. Nur so sah er sich für die Rückfahrt telefonisch für sie erreichbar.

Frank Reiser vermutet den Übeltäter in seinem Anbieter Vodafone . Reiser ist Business-Kunde, so wie es dort heißt, für seinen Mobilfunk und Festnetzanschluss und habe sich in dieser Sache natürlich schon etliche Male mit Beschwerden an das Unternehmen gewendet. Service-Hotline, Facebook-Kommentarseite - Reiser kennt die Wege inzwischen schon im Schlaf. Eine der Beschwichtigungen, mit der Vodafone ihn beruhigen wollte, war die Vermutung, dass der Fehler an Reisers Handy oder an seiner SIM-Karte liege. Doch das sei Quatsch. Erstens habe er ja besten Empfang, sobald er aus Großrosseln raus sei. Und zweitens sei Reiser kein Einzelfall, wie er sagt: "Ich kenne inzwischen an die 30 Leute in Großrosseln , die das gleiche Problem haben." Sie alle hätten sich schon beschwert und Antworten erhalten wie: Ein Blitz sei in die Basistation eingeschlagen, oder die große Hitze vor wenigen Tagen sei an einem Ausfall schuld. Gebessert habe sich aber nichts.

Vodafone habe ihm inzwischen eine Kulanzgutschrift von 25 Euro versprochen. "Aber das nützt mir nichts", sagt Reiser. Er muss erreichbar sein. Der 47-jährige Unternehmer , der seit 20 Jahren in Saarbrücken und seit acht Jahren in Großrosseln Taxifahrten anbietet, fühlt sich inzwischen sogar in seiner Existenz bedroht. Er wisse auch nicht, wie er kurzfristig reagieren sollte. Auf die Schnelle könne er keine Werbung machen oder eine neue Nummer aufnehmen. Bis die seine alte aus den Köpfen der Kunden verdrängt habe, dauere es zu lange.

Auf Anfrage der Saarbrücker Zeitung bestätigt Vodafone , dass es tatsächlich eine Störung in Großrosseln gebe. "Bereits Anfang Juli haben Techniker von Vodafone sämtliche technische Einheiten in Großrosseln detailliert geprüft", wie das Unternehmen mitteilt. Man habe keinen Fehler gefunden, genauso wenig wie später auch Telekomtechniker an deren, von Vodafone angemieteten Leitung in der vergangenen Woche, über die die Daten zu den Einheiten gebracht werden. Am Freitagabend teilte Vodafone der SZ schließlich per Mail mit, dass eine Einheit nicht sauber reagiert habe. Diese sei nun ausgetauscht. Frank Reiser konnte am Sonntag tatsächlich wieder telefonieren - allerdings mit vielen Unterbrechungen in der Verbindung. Die war vor Eintreten der Probleme "wesentlich besser".

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