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Wenn Warndtkatzen beißen
Fastnachts-Knigge: Nur gucken, nicht anfassen

Warndtkater-Chef Dirk Marmann freut sich hier über einen Doppeldeck-Schmatzer von Selina Krieger (links) und Hannah Kuhn.
Warndtkater-Chef Dirk Marmann freut sich hier über einen Doppeldeck-Schmatzer von Selina Krieger (links) und Hannah Kuhn. FOTO: BeckerBredel
Großrosseln. Die Faasenacht ist kein Freischein für Fremdgehen. Ein Küsschen in Ehren, gut, unerwünschtes Begrapschen  ist  tabu. Der Meinung waren bei einer Blitzumfrage in der Hochburg Großrosseln alle befragten Faasebooze. Von Walter Faas

„Küsschen links, Küsschen rechts, alles okay. Alles andere muss jeder für sich entscheiden, solange die Treue dabei nicht den Bach runter geht.“ Sagt Dirk Marmann, Präsident des Karnevalvereines Die Warndtkater. Und kriegt prompt einen Doppeldecker-Schmatzer von zwei jungen Gardistinnen, die zufällig auch seine Stellvertreterinnen im Vorstandsamt sind.



Eine der beiden, Selina Krieger, sagt: „Plumpe Anmache geht gar  nicht. Besonders, wenn zu viel Alkohol im Spiel ist.“ Hannah Kuhn ergänzt: „Überall rumtatschen oder am Po begrapschen ist ein absolutes No Go. Das hat weder in der Fastnacht noch sonstwo eine Berechtigung.“

Judith Martini, langjähriges Mitglied im Verein Doll Doll Großrosseln und Vizepräsidentin im Verband Saarländischer Karnevalisten (VSK), hat einen guten Überblick über die Situation. Es gelte der gute Rat, auf freundschaftliche Umarmungen oder Küsschen auf die Wange gelassen zu reagieren, unerwünschter Anmache jedoch strikt die Rote Karte zu zeigen. Martini sagt klipp und klar: „Wer die Distanz nicht   wahren kann, hat nichts anderes verdient.“ Im allgemeinen jedoch, so die VSK-Funktionärin, laufe der Karneval im Saarland ihrer Meinung nach „in vernünftigen und guten Bahnen“.

Michelle Roth lebt und engagiert sich seit vielen Jahren für die Faasenacht: „Küsschen auf die Wange sind normal, Betatschen mag ich gar nicht.“ Und wenn jemand beim Tanz den Versuch unternimmt, zu sehr auf Tuchfühlung zu gehen? „Darf er ja einmal versuchen, aber damit hat es sich ja dann auch. Ein Nein ist und bleibt ein Nein!“

Ariela Eiloff kennt den Karneval schon seit ihrem vierten Lebensjahr als Tanzmariechen, Trainerin, im Vorstandsamt bei Doll Doll. Eiloff: „Man hört und sieht da so einiges, gerade wenn man dem Hofstaat angehört.“ Gerade für eine Frau müsse der Grundsatz gelten, stets klare Grenzlinien zu ziehen. „Küsschen sind normal, aber man merkt sofort, wenn jemand auf mehr aus ist. Und wenn man das nicht will, sollte normalerweise die Körpersprache für einen Rückzieher reichen.“

Was meinen eigentlich die Männer zu dem Thema? Ludwig Müller, als Präsident der Doll Doll ein in jeder Hinsicht erfahrener Faasebooz, sagt: „Das Thema Sexismus wird mir von den Medien derzeit etwas zu hoch gehandelt. Da bin ich kein Freund von. Andererseits habe ich Verständnis dafür, wenn eine Frau sich durch allzu plumpe Anmache belästigt fühlt. Da sollte meiner Meinung nach aber der gesunde Menschenverstand ausreichen und tut es nach meiner Wahrnehmung auch.“

Léon Blum, der neue Herold im Karnevalverein Doll Doll (und Nachfolger von Adolf Herth) sieht das Thema so: „Wenn ein Mann einer Frau zu sehr auf die Pelle rückt, kann ich gut verstehen, dass ihr das peinlich ist. In solch einem Fall bleibt nur der elegante Rückzieher.“

Sabine Müller rät zur Gelassenheit: „Dieses Thema wird unterschiedlich beurteilt. Was man zulässt und was nicht, muss jeder für sich entscheiden. Wenn Grenzen gesetzt werden, sollten und werden sie auch akzeptiert. Andererseits sollte man im Karneval auch nicht zu prüde reagieren.“

Judith Martini.
Judith Martini. FOTO: Walter Faas
Michelle Roth.
Michelle Roth. FOTO: Walter Faas
Ariela Eiloff.
Ariela Eiloff. FOTO: Walter Faas
Ludwig Müller.
Ludwig Müller. FOTO: Walter Faas
Léon Blum.
Léon Blum. FOTO: Walter Faas
Sabine Müller.
Sabine Müller. FOTO: Walter Faas