Endspurt für den Premium-Weg

Karlsbrunn. Vögel zwitschern, frische klare Waldluft, angenehme 22 Grad und zwischen den Ästen lugt die Sonne hervor - ein Arbeitsplatz, von dem die meisten Deutschen träumen. Stimmt. Aber die persönliche und soziale Situation lässt den 15 Jugendlichen und Erwachsenen im Karlsbrunner Wald wenig Muße, ihren Arbeitsplatz zu genießen

Karlsbrunn. Vögel zwitschern, frische klare Waldluft, angenehme 22 Grad und zwischen den Ästen lugt die Sonne hervor - ein Arbeitsplatz, von dem die meisten Deutschen träumen. Stimmt. Aber die persönliche und soziale Situation lässt den 15 Jugendlichen und Erwachsenen im Karlsbrunner Wald wenig Muße, ihren Arbeitsplatz zu genießen. Im Rahmen einer Maßnahme der Arge (Hartz-IV-Arbeitsgemeinschaft) Völklingen und des Ausbildungszentrums Burbach (AZB) legen sie als so genannte Ein-Euro-Jobber im Wald rund um Karlsbrunn, St. Nikolaus und Dorf im Warndt einen Premium-Wanderweg an. Und das ist teilweise schweißtreibende Knochenarbeit. Zentnerschwere Stahlkonstruktionen müssen mit Beton im Boden am Wegesrand gesetzt und verankert werden. Sie tragen später Informationstafeln zum Projekt Kulturlandschaft Warndt. Einige hundert Meter weiter sind vier Jugendliche damit beschäftigt, eine Bank mit Betonfundamenten zu positionieren. Kevin Reichert (18): "Ich wollte ursprünglich Kfz-Mechatroniker werden. Aber mit der Schule hat's nicht so geklappt. Da kam eins zum anderen. Jetzt bin ich in dieser Maßnahme hier. Ist zwar was ganz Neues für mich, aber ich muss sagen, es macht Spaß. Nicht alles, aber vieles, und wir lernen hier sehr viel über die Natur und das Material, das wir verarbeiten." 90 000 Euro investiert die Arge Völklingen in die Maßnahme und die 15 Teilnehmer, und sowohl die Patin der Maßnahme, Maike Diehl von der Arge, als auch Teamleiter Stefan Franz (Arge) und Hans-Martin Derow vom AZB sind zufrieden mit ihren Schützlingen. "Wir müssen die Menschen dort abholen, wo sie stehen und sie gemeinsam mit ihnen selbst dorthin bringen, wo sie und wir sie gerne hätten. Das kostet Zeit und manchmal Nerven, aber es lohnt sich immer. Für beide Seiten," so Stefan Franz. Oliver Réthoré ist Fachanleiter für den Landschaftsbau beim AZB: "Sie sind bei der Sache, machen mit und wichtig - sie bekommen wieder Selbstwertgefühl. Sie gehen eine Arbeit an und sehen am Schluss das Ergebnis. " Die Maßnahme dauert ein Jahr, und am Ende werden viele Wanderer wohl nicht wissen, wer ihnen den Weg zur Erholung geebnet hat. Die Teilnehmer der Maßnahme aber wissen, was sie geleistet haben.

HintergrundDer Warndt-Wald-Weg wird am 11. Oktober um zehn Uhr offiziell mit einer Feier am Jagdschloss Karlsbrunn eröffnet. Der Weg hat eine Länge von 15 Kilometern und führt durch eine waldreiche Kulturlandschaft zwischen den Großrosselner Ortsteilen St. Nikolaus, Karlsbrunn, Dorf im Warndt und Emmersweiler. Empfohlener Startpunkt ist der Parkplatz unterhalb des Jagdschlosses Karlsbrunn. Von hier aus führt der Weg im Uhrzeigersinn zunächst in eine östliche Schleife. Nach gut acht Kilometern kommt er nach Karlsbrunn zurück und bietet Gelegenheit zur Einkehr, zur Rückkehr zum Ausgangspunkt oder zur Fortsetzung der Wanderung in die westliche Schleife. Der Weg bietet eine vielfältige Abfolge von Wald, Waldsäumen, Teichen, Hohlwegen, Bachtälern, Aussichtspunkten und führt auch am Wildpark vorbei. red