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Einmal pro Stufe kurvt ein Bus durch den Warndt.

ÖPNV auf dem Land : Manchmal muss das teure Taxi her

Wie ist es um den ÖPNV auf dem Land bestellt? Eine Testfahrt mit dem Bus von Völklingen nach Karlsbrunn.

Von der Regionalbahn ausgespukt, geht es aus dem Völklinger Bahnhof hinaus zur Straße hin. Wo ist die Bushaltestelle? Gleich schräg gegenüber. Und da kommt auch schon die 184, die durch Geislautern fährt.

Das ging ja schnell. Es ist 9.21 Uhr an einem hundsgewöhnlichen Dienstag, der heiße Berufsverkehr ist schon vorbei. Trotzdem fahren noch regelmäßig Busse. Der Regionalverband ist nämlich gar nicht so schlecht aufgestellt wie andere Regionen im Saarland, was den öffentlichen Personennahverkehr angeht. Das gilt auch für den Warndt, der im Gegensatz zu Köllertal und Sulzbachtal nicht mit Schienen an Saarbrücken angebunden ist. Stillgelegte durchziehen ihn zwar, und Diskussionen um das Aufleben der Rosseltalbahn gibt es ständig. Aber ob und wann mal wieder eine fahren wird, ist mehr als ungewiss.

Wer also zum Beispiel in Karlsbrunn wohnt und kein Auto hat, muss den Omnibus nehmen – vorbei an leeren Ladenlokalen, pittoresken Häusern und Insektenhotels. Die Einzelfahrt nach Saarbrücken kostet 4,90 Euro und dauert fast eine Stunde reine Fahrtzeit. Den Fußweg vom Haus an die Bushaltestelle darf man in der Rechnung nicht vergessen. Das Auto ist schneller und fährt gleich in der eigenen Garage ab.

Unsere 184 selbst fährt nicht nach Karlsbrunn. Aber sie hält in Geislautern am Rotweg, wo auch schon der zweite Bus wartet. Es ist die Linie 167, die im Ringverkehr alle Orte im Warndt einmal in der Stunde, in den Stoßzeiten sogar halbstündlich, miteinander verbindet.

Die Linie 167 gehört zum Unternehmen Baron-Reisen, das unter anderem im Warndt in Eigenregie fährt. Im Gegensatz zu anderen Landkreisen an der Saar, wo es oft nur einen Ansprechpartner gibt, verhält es sich im RGV komplizierter. Nach dem aktuellen saarländischen ÖPNV-Gesetz können Kommunen mit eigenen Nahverkehrsunternehmen selbst Aufgabenträger sein. Und so teilen sich die Zuständigkeit im RGV die Saarbahn GmbH für die Saarbrücker Großwabe, die Völklinger Verkehrsbetriebe (VVB) für die der Hüttenstadt und der Zweckverband des ÖPNV auf dem Gebiet des Regionalverbandes, so der offizielle Name, für den Rest, also auch für große Teile des Warndt, wo er die Linien Baron-Reisen überlässt.

Dessen Geschäftsführer Andreas Baron sieht die komplizierte Lage aber recht entspannt, auch wenn er dadurch nicht einfach so tun kann, wie er möchte. Mit Fahrpreis und Zeiten ist er ohnehin an Größeres gebunden, zum Beispiel an Entscheidungen im SaarVV. Aber auch eine Strecke zu verlängern, geht nicht so einfach. „Will ich eine Linie bis nach Völklingen durchfahren lassen, muss ich eine Genehmigung einholen“, sagt er. Der Antrag geht ans Wirtschaftsministerium, das dann die betroffenen Aufgabenträger anhört. Im RGV sitzen dann viele am Tisch. Und von irgendwoher kommt in der Regel ein Veto, sagt Baron. Zwei Direktverbindungen durchs Rosseltal bis gar nach Saarbrücken hat er aber, beide morgens. Am Abend fahren die wieder zurück und seien, wie morgens auch, gut ausgelastet.

In der 167 an diesem späten Dienstagvormittag sitzen nur eine Handvoll Gäste, von denen die meisten in Großrosseln den Bus verlassen und durch etwa gleichviele Gäste ersetzt werden. In Karlsbrunn steigt niemand aus. Im Bus zurück nach Geislautern um 10.47 Uhr nimmt ab der Haltstelle Jagdschloss immerhin ein Mann Platz. Er ist ein Dauerpendler, der jeden Tag sogar bis nach Webenheim bei Blieskastel zur Arbeit fährt. Anderthalb Stunden für einen Weg braucht der Mann, der seinen Namen nicht nennen will, viermal umsteigen muss er und macht das, weil er keinen Führerschein hat. Aber auch mit Führerschein würde er auf den ÖPNV setzen, weil er mit dem Bürgerticket saarlandweit im Monat mit 133 Euro weitaus günstiger fährt als mit dem Auto für 300 Euro, wie er schätzt – auch pro Monat auf derselben Strecke. Unser Dauerpendler muss dafür aber in Kauf nehmen, dass er immer wieder auf dem Rückweg wegen eines in Saarbrücken zu spät losfahrenden Zuges beim Umsteigen in Völklingen den letzten Bus verpasst und für 25 Euro mit dem Taxi zurück nach Karlsbrunn fahren muss. Auch das Umsteigen in Geislautern Richtung Völklingen klappt hin und wieder nicht: „Da muss ich immer ein bisschen hoffen, dass der andere Bus wartet.“ Insgesamt ist er aber zufrieden.

Kritischer sieht es Werner Ried, der stellvertretende Landesvorsitzende des Verkehrsclubs Deutschland (VCD): „Bus und Bahn sind im Regionalverband schon gut, aber noch mit Verbesserungspotenzial verknüpft“, meldet er sich schriftlich, um dann im Gespräch aber doch mal das Wort „Katastrophe“ zu verwenden. Das Umsteigen mache das Pendeln zwischen dem Rosseltal und Völklingen „völlig unattraktiv“. Außerdem fehle es an Informationen an den Haltestellen.

Tatsächlich lässt sich unten auf dem Schild an der Haltestelle nur in einer Fußnote lesen, dass die 167 nicht nur nach Naßweiler, sondern bis nach Geislautern fährt. Die Info, dass man dort dann in die 184 umsteigen kann, die einen nach Völklingen zum Bahnhof bringt, fehlt völlig. Dafür klappt am Dienstag das Umsteigen aber reibungslos.