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Ein schweres gemeinschaftliches Erbe

Ein schweres gemeinschaftliches Erbe

Ferien, Zeit zum Reisen und Ent- decken. Wie wär's mit den Part- nerorten unserer Regionalver- bandskommunen? In Rosbruck lässt sich deutsche und französische Geschichte auf einer gemeinsamen Straße erleben.

Herz-Jesu-Verehrung ist in Frankreich bis heute weit verbreitet. Foto: Baronsky-Ottmann. Foto: Baronsky-Ottmann

Rosbruck und Naßweiler sind nicht nur seit 1992 Partnergemeinden, sie sind auch direkte Nachbarn. Man muss an der Rue Nationale, der Landstraße von Forbach nach Metz, schon genau hinschauen, um zu erkennen, dass eine Straßenseite französisches Staatsgebiet ist, die andere Seite aber in Deutschland liegt. Für Auswärtige könnte das allein schon ein Besichtigungsgrund sein! Der Ort Rosbruck, mit seinen knapp 800 Einwohnern, ist vielen Saarbrückern wohl eher vom Durchfahren bekannt. Denn außer einigen kleinen Läden, Dienstleistern und einem guten Restaurant gibt es nur wenig Historisches zu entdecken. Die Geschichte hat es nicht gut gemeint mit dem Ort. Im Zweiten Weltkrieg wurden 54 Gebäude - mehr als die Hälfte des Ortes - zerstört, darunter auch die Schule und die Kirche Saint-Hubert aus dem Jahr 1869. In den 1950er und 60er Jahren wurden das kleine Rathaus und das Schulzentrum wieder aufgebaut, die Kirche Saint-Hubert konnte in den Jahren 1958-1960 durch einen Neubau ersetzt werden. Aber die Geschichte meint es immer noch nicht gut mit Rosbruck. Nach den Zerstörungen des Zweiten Weltkriegs ist es diesmal der Bergbau, der dem Ort zusetzt. In Naßweiler und Rosbruck sind die Folgen durch Bergsenkungsschäden insbesondere in den 1990er Jahren verheerend. Allein in Rosbruck sind 70 Gebäude durch Grubenschäden eingestürzt oder irreparabel beschädigt, darunter auch der Kirchenbau . 1993 musste die Kirche, die nur 35 Jahre alt war, wieder abgerissen werden. Nur den Turm ließ man stehen. Wenn man von der Hauptstraße in die Rue de la Mairie abbiegt, dann steht man vor der Kirche Saint-Hubert - und wundert sich. Denn neben der niedrigen, modernen Kirche mit den bunten Glasbaufenstern und dem auffälligen Zeltdach aus den 1990er Jahren befindet sich nur wenige Meter entfernt ein vereinzelter, älterer, beschädigter Kirchturm. Er ist das Überbleibsel des Vorgängerbaus, allerdings ist auch er mittlerweile durch einen Zaun abgesperrt. Zwischen Kirche und Turm steht verbindend eine lebensgroße Christusfigur, eine Darstellung der in Frankreich bis heute weit verbreiteten Herz-Jesu-Verehrung. Man könnte glauben, sie sei das Versprechen, dass es die Geschichte jetzt endlich gut meint mit Rosbruck.