Ein neues Zuhause für Flüchtlinge

Völklingen und Großrosseln setzen bei der Flüchtlingsunterbringung nicht nur auf ihre eigenen Immobilien. Einige der Flüchtlinge finden auch bei privaten Vermietern Quartier. Dabei gibt es einige lokale Unterschiede.

Die Kommunen haben zur Zeit alle Hände voll zu tun. Sie müssen Asylbewerber unterbringen, die ihnen von der Erstaufnahmestelle in Lebach aus zugewiesen werden. Da kommunale Immobilien oft nicht ausreichen, setzen Städte und Gemeinden auch auf Private. Deren Wohnungen und Häusern werden dringend gebraucht - kommen doch aus Lebach vor allem Menschen nach Völklingen und Großrosseln, die voraussichtlich länger bleiben werden: Ihr Asylantrag wird höchstwahrscheinlich genehmigt, da sie meist aus Kriegsgebieten stammen.

In Großrosseln leben aktuell 72 Flüchtlinge, rechnet Bürgermeister Jörg Dreistadt (SPD ) vor. Etwa 50 sollen dieses Jahr noch hinzukommen, vor allem aus Syrien. Neben der alten Grundschule stehen der Gemeinde dafür vor allem Privathäuser und -wohnungen zur Verfügung.

Anfangs hätten in Großrosseln Asylbewerber ihre Mietverträge noch direkt mit den Vermietern abgeschlossen, sagt Dreistadt. Seit aber immer mehr Wohnungen benötigt werden, sei man dazu übergegangen, die Mietverträge als Gemeinde zu unterschreiben. "Stellen Sie sich vor, Sie müssten einen syrischen Mietvertrag unterschreiben", veranschaulicht er einen der Gründe für dieses Modell. Und neben Sprachbarrieren sei auch das ständige Kommen und Gehen von Flüchtlingen abschreckend für potenzielle Vermieter . Seit die Gemeinde selbst als Mieter auftritt, seien viel mehr Menschen bereit, eine Wohnung auch an Asylbewerber zu vermieten, sagt Dreistadt.

Diese Argumente kann Kurt Kasper nachvollziehen, der für die Flüchtlingsunterbringung zuständige Fachbereichsleiter im Völklinger Rathaus. "Es gibt deshalb immer mehr Gemeinden, die direkt anmieten", ist sein Eindruck. In Völklingen werde das aber anders gehandhabt - denn die Stadt setze vor allem auf eigenen Wohnraum.

Mindestens 297 Flüchtlingen leben nach Kaspers Auskunft derzeit in der Stadt. Hinzu kämen noch bis zu 50 erwachsene Asylbewerber , die nicht von der Stadt betreut würden, außerdem unbegleitete minderjährige Flüchtlinge, um die sich ebenfalls andere Institutionen kümmern.

In der Stadt beschäftigten sich momentan acht Menschen damit, Wohnungen für Flüchtlinge zu suchen und einzurichten. Der allergrößte Teil der aus Lebach zugewiesenen Flüchtlinge komme in Wohnungen der Gemeinnützigen Städtischen Wohnungsgesellschaft (GSW) und der Allgemeine Baugenossenschaft (ABG) Völklingen 1904 unter, deren Leerstand derzeit eifrig renoviert wird (die SZ berichtete). Nur ein kleiner Teil des Wohnraums werde privat angemietet, sagt Kasper. Zwölf Wohnungen seien das aktuell. Da es noch ausreichend Angebote von Privatpersonen gebe, könne man hier auch verlangen, dass der Vermieter direkt mit den Flüchtlingen einen Vertrag abschließe. Die Miete komme zwar direkt vom Sozialamt des Regionalverbandes, aber für die Stadt habe diese Art von Vertrag einen entscheidenden Vorteil: "So vermeiden wir es, für Mietrisiken einzustehen." Vereinfacht gesagt: Bleibt die Miete aus oder wird die Wohnung beschädigt, zahlt de facto der Vermieter . Ob sich das Modell bewähre, lasse sich derzeit noch nicht abschätzen, sagt Kasper. Voraussichtlich habe man bis Mitte 2016 ausreichend Wohnraum.

Aber die Flüchtlingszahlen steigen. Allein heute kommen 28 Menschen neu in die Stadt, so viele wie noch nie binnen einer Woche. Sollte es auf diesem Niveau weitergehen, "dann brennt Ende Dezember die Luft", fürchtet Kasper. Asylbewerber in Völklingen und dem Warndt werden von verschiedenen Seiten betreut. Im Regionalverband kümmern sich derzeit vier bis fünf professionelle Asylbegleiter um Flüchtlinge, deren Asyl noch nicht anerkannt wurde. Drei Integrationshelfer unterstützen Menschen mit anerkanntem Asylgesuch. Ihre Zahl soll noch in diesem Jahr steigen, sagt Regionalverbandssprecher Stefan Kiefer; das Land habe dafür Zuschüsse angekündigt.

In Großrosseln kümmern sich zusätzlich zwei haupt- und vier ehrenamtliche Mitarbeiter der Gemeinde um die Betreuung der Flüchtlinge. Die Kommune sucht zudem einen Sozialarbeiter. Sie will es auch bald ermöglichen, dass sich Flüchtlinge gegenseitig helfen, indem sie etwa die gemeinsame Wohn anlage in Schuss halten. Bürgermeister Dreistadt sagt: "Viele wollen etwas tun."

In Völklingen unterstützen derweil schon fünf anerkannte Flüchtlinge die Integrationsbeauftragte Gülsah Bora, etwa indem sie ehrenamtlich dolmetschen oder bei Umzügen der Neuankömmlinge helfen. Außerdem sind rund 15 deutsche Ehrenamtliche im Einsatz. So bieten beispielsweise drei pensionierte Lehrer zweimal pro Woche einen Deutschkurs für Flüchtlinge an.

 Völklingens Integrationsbeauftragte Gülsah Bora koordiniert die ehrenamtlichen Flüchtlingshelfer. Foto: Jenal
Völklingens Integrationsbeauftragte Gülsah Bora koordiniert die ehrenamtlichen Flüchtlingshelfer. Foto: Jenal Foto: Jenal

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Auf einen BlickWie man helfen kann:In Großrosseln können Bürger Wohnungs- und Hilfsangebote sowie Spenden für Flüchtlinge im Rathaus abgeben. Ansprechpartnerin ist Michaela Becker, Telefon (0 68 98) 449-100, E-Mail michaela.becker@grossrosseln.de. An Sachspenden werden insbesondere Fahrräder benötigt. In Völklingen nimmt das Sozialkaufhaus, Nordring 69, Sachspenden an. Zurzeit mangelt es an Fahrrädern, Hausrat und Elektrogeräten. Wer an Flüchtlinge vermieten will, wendet sich an Mike Kind von der Stadtverwaltung, Tel. (0 68 98) 13-23 00, E-Mail mike.kind@voelklingen.de. Helfer kontaktieren Gülsah Bora , Telefon (0 68 98) 13-24 42, E-Mail bora@voelklingen.de rob