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Ein Brennkessel namens Sissi"Prestige-Projekt" für Saarforst

Ein Brennkessel namens Sissi"Prestige-Projekt" für Saarforst

Karlsbrunn. Die Turbine steht noch still, "die Italiener kommen erst nächste Woche", sagt Joachim Schorr - eine italienische Firma hat das Herzstück des neuen Biomasse-Heizkraftwerks in Karlsbrunn gebaut, und deren Experten sollen beim Anfahren der Strom-Maschine dabei sein. Ein zweites Kernstück aber ist bereits in Betrieb

Karlsbrunn. Die Turbine steht noch still, "die Italiener kommen erst nächste Woche", sagt Joachim Schorr - eine italienische Firma hat das Herzstück des neuen Biomasse-Heizkraftwerks in Karlsbrunn gebaut, und deren Experten sollen beim Anfahren der Strom-Maschine dabei sein. Ein zweites Kernstück aber ist bereits in Betrieb. Schorr klappt eine Blende auf, hinter der sich ein Guckfenster verbirgt: Im Kessel brennt Feuer. Seit dem 10. Oktober um 11.40 Uhr, so hat es Betriebsstättenleiter Markus Schuler auf der Stahlfront notiert. Obendrüber steht "Sissi" - bei Kraftwerkern, erklärt Schorr lachend, sei es üblich, die Maschinen zu taufen. Und weil der Kessel aus Österreich stammt, bekam er einen kaiserlichen Namen. Schorr ist neben Schuler der zweite Mann im Holzheizkraftwerk, das die Firma Evonik auf dem Gelände der einstigen Grube Warndt gebaut hat. Nur die beiden werden es später auch betreiben; nachts und am Wochenende läuft die Anlage automatisch. Freilich mit Fernüberwachung von Saarlouis aus. Und für Notfälle mit den beiden Fachleuten in Rufbereitschaft. Damit solche Notfälle möglichst gar nicht eintreten, wird beim derzeitigen Probebetrieb jedes Kraftwerks-Detail gründlichst überprüft, von Brennstoff-Zuführung, Kessel, Turbine über das für Laien verwirrende Rohrleitungssytem bis hin zu den Übergabestellen, an denen das Kraftwerk Strom und Fernwärme in die lokalen Versorgungsnetze einspeist. Etwa zum Jahresende, sagt Schorr, soll aus dem Probebetrieb Echtbetrieb werden, in gleitendem Übergang. Als Brennstoff dienen Holzhackschnitzel, die der benachbarte Saarforst-Brennholzhof liefert. 120 Tonnen davon schluckt der Kessel pro Tag. Maschinell werden sie aus dem 140 Tonnen fassenden Brennstoffbunker über ein Förderband in den Kessel transportiert. Damit dessen Flammen nie entweichen können, gibt es eine so genannte Rückbrandsicherung. Und über das Förderband wacht ein Sensor: Er löst sofort die automatische Kühlung aus, falls die Holzschnitzel mal mehr als 60 Grad heiß dort landen. Auch für den Kälte-Fall ist vorgesorgt. Schorr weist auf einen dicken Stahlzylinder: "Das ist unser Spitzenkessel." Er verbrennt Öl. Aber nur dann, wenn in eisigen Wintern mehr Wärme gebraucht wird, als der Holzkessel liefern kann. Zukunftsmusik, erst einmal soll die Biomasse-Wärme ins Netz - "die Italiener kommen nächste Woche". Karlsbrunn. Kleine Irritation beim Kraftwerksbesuch: Nein, sagt Philipp Klapper, Leiter des Saarforst-Biomassezentrums im Warndt, es gebe noch keine konkreten Pläne, mit Wärme aus dem benachbarten Biomasse-Heizkraftwerk Brennholz zu trocknen. Davon war bisher aber immer die Rede: Saarforst nicht nur als Lieferant des Kraftwerks, sondern auch als dessen Wärme-Kunde; doppelte Synergie. Dabei bleibe es, bekräftigt Michael Klein (Foto: ba), Leiter des Saarforst-Landesbetriebs, auf SZ-Nachfrage: "Saarforst braucht Wärme." Details seien aber noch nicht verhandelt, weil der Gesamt-Umfang der Karlsbrunner Saarforst-Aktivitäten noch offen sei. Vorerst, sagt Klein, habe die Zulieferung fürs Kraftwerk Priorität. Es gelte, 18 000 Tonnen Holz jährlich herzuschaffen, in definierter Qualität und auf lange Sicht ("wir haben einen Liefervertrag über 20 Jahre"). Neuland für Saarforst - daher sei die Zusammenarbeit mit Evonik für den Landesbetrieb ein "Prestige-Projekt", bei dem er seine Kompetenz beweisen müsse.Zusammenarbeit, so Klein, sei überhaupt auf dem Grubengelände wichtig, auch mit dem Investor Albert Winzent ("eine sehr erfreuliche Geschäftsbeziehung"). Man wolle Zukunftspläne miteinander abstimmen. dd

Auf einen BlickEin Biomasse-Zentrum entsteht derzeit auf dem Gelände der stillgelegten Grube Warndt in Karlsbrunn. Neben Projekten des Unternehmers Albert Winzent, der den größten Teil der Fläche gekauft hat, gehören auch Saarforst-Aktivitäten und das Biomasse-Heizkraftwerk dazu. Für den Kraftwerksbau investiert die Evonik New Energies GmbH, die zum Evonik-Konzern gehört, rund 12,3 Millionen Euro. Das Kraftwerk arbeitet mit der so genannten OCR-Technik, die als besonders umweltfreundlich gilt; dabei wird die Turbine von Öl- statt von Wasserdampf angetrieben. Aus der Verbrennung von jährlich 18 000 Tonnen Holz in Form von Hackschnitzeln soll es Strom erzeugen (13 400 Megawatt, ausreichend für 3350 Einfamilien-Haushalte) und Wärme (57 100 Megawatt, für 3172 Haushalte). dd