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Duchene warnt vor WunschdenkenVereine reklamieren Gleichbehandlung durch Gemeinde

Freunde des Fußballsports tummeln sich auf sechs Plätzen in Großrosseln. Unser Archivfoto zeigt Ortsvorsteherin Petra Fretter und Bürgermeister Peter Duchene als Fans in Karlsbrunn. Foto: Jenal
Freunde des Fußballsports tummeln sich auf sechs Plätzen in Großrosseln. Unser Archivfoto zeigt Ortsvorsteherin Petra Fretter und Bürgermeister Peter Duchene als Fans in Karlsbrunn. Foto: Jenal
Großrosseln. Im März beschloss der Gemeinderat Großrosseln, die drei Hartplätze in Emmersweiler, Dorf im Warndt und Naßweiler zu Rasenplätzen umzubauen (wir berichteten). Während der Sitzung wurde nicht nur über die Spielflächen, sondern auch über die Ungleichbehandlung der Vereine diskutiert. Im Gespräch mit unserer Zeitung erläutert Bürgermeister Peter Duchene die aktuelle Situation Von SZ-Mitarbeiter Thomas Annen

Großrosseln. Im März beschloss der Gemeinderat Großrosseln, die drei Hartplätze in Emmersweiler, Dorf im Warndt und Naßweiler zu Rasenplätzen umzubauen (wir berichteten). Während der Sitzung wurde nicht nur über die Spielflächen, sondern auch über die Ungleichbehandlung der Vereine diskutiert. Im Gespräch mit unserer Zeitung erläutert Bürgermeister Peter Duchene die aktuelle Situation. Die Plätze der sechs Fußballvereine gehören der Gemeinde und werden von ihr unterhalten. Bei den Clubhäusern gibt es allerdings Unterschiede. Die Gebäude in Naßweiler, Dorf im Warndt, St. Nikolaus und Großrosseln sind in Gemeindeeigentum. Diese Vereine müssen für den dortigen Energieverbrauch aufkommen, nicht aber für die Reparaturen. Die Kicker in Karlsbrunn und Emmersweiler finanzieren ihr Clubheim hingegen komplett aus der eigenen Kasse. Immerhin: Pacht müssen auch sie nicht zahlen. Die Gemeinde stellt ihnen das Gelände im Rahmen des Erbbaurechts kostenfrei zur Verfügung. Verwaltungschef Duchene veranschaulicht die Situation an einem kleinen Beispiel: Während der SV Naßweiler die Rechnung des Schornsteinfegers ans Rathaus weiterleitet, muss der SV Karlsbrunn die Kontrolle der Ölheizung aus der eigenen Tasche zahlen. Die Schützen, Tennisspieler und Reiter finanzieren ihre Anlagen ebenfalls selbst. Das gilt auch für die Vereine, die keinen Sport treiben, aber über Grund und Boden verfügen: Zu ihnen gehören etwa der Gartenbauverein Großrosseln oder der Verein zur Förderung der Nacherholung, der in Karlsbrunn den Wildpark betreibt. "Wir gewähren Hilfe zur Selbsthilfe", versichert Peter Duchene mit Blick auf den Bauhof, der den Vereinen immer wieder unter die Arme greift. Die Gemeinde bezuschusst die Jugendarbeit der Clubs, stellt ihre Hallen für den Trainings- und Probenbetrieb kostenlos zur Verfügung. "Wir sind nicht in der Lage, alles zu realisieren, was gewünscht ist", betont Duchene und setzt auch weiterhin auf das ehrenamtliche Engagement der Bürger und Vereine. Neben den finanziellen seien auch die personellen Ressourcen in der Gemeinde Großrosseln ausgereizt, betont der Verwaltungschef. Zusätzliche Ausgaben - wie etwa für die neuen Rasenplätze - sind für den Verwaltungschef der falsche Weg, die Schieflage zu beseitigen. Duchene: "Wir müssen die Kosten reduzieren und anders verteilen." Großrosseln. Welche Position beziehen die Vereine in der aktuellen Diskussion? Wir haben bei einigen Clubs nachgefragt. "Die Vereine werden nicht gleich behandelt", sagt Marcel Keller, der Vorsitzende der Emmersweiler Kicker und fordert mehr Unterstützung für seinen Club. Bisher stemmt der Sportverein alle Kosten selbst: Das Umfeld muss gepflegt, ein Darlehen für den Anbau ans Clubheim abbezahlt werden. Und die nächste große Investition steht bereits ins Haus: Die 20 Jahre alte Heizung muss erneuert werden. Zum Bau des Rasenspielfeldes gibt es für Keller keine Alternative. Mit einem Hartplatz, so der Clubchef, sei der SV Emmersweiler auf Dauer nicht konkurrenzfähig. Auch der Tennisclub Südwarndt unterhält seine Anlage komplett selbst. Nach der Gründung wurde das Vereinsgelände von der damaligen Deutschen Steinkohle AG übernommen. Im Gegensatz zu den Clubs mit gemeindeeigenen Plätzen muss der Verein eine Pacht und Grundsteuern zahlen. Ein weiteres Problem: Sollte das Gelände irgendwann verkauft werden, stehen die Tennisspieler womöglich auf der Straße. Der Vereinsvorsitzende Helmut Hahn hofft, dass sich die Gemeinde die Situation jedes Vereins genau anschaut und den Clubs dann punktuell unter die Arme greift. "Wir versuchen auch weiterhin, so selbstständig wie möglich zu bleiben", betont Jochen Blatter, der Vorsitzende des Vereins zur Förderung der Naherholung. Seit 40 Jahren betreiben die Mitglieder den Karlsbrunner Wildpark ohne finanzielle Unterstützung der Kommune. Zäune müssen repariert, Futter zugekauft, Traktor, Kiosk und Kühlhaus in Schuss gehalten werden. Auch ein geringer Pachtzins an den Saarforst wird aus der Vereinskasse beglichen. Blatter: "Wir stellen keine konkreten finanziellen Forderungen an die Gemeinde, eine einmalige Unterstützung ist aber jederzeit willkommen." tan



Kinder beim Tierfüttern im Karlsbrunner Wildpark. Der Trägerverein unterhält ihn auf eigenen Kosten. Foto: Jenal
Kinder beim Tierfüttern im Karlsbrunner Wildpark. Der Trägerverein unterhält ihn auf eigenen Kosten. Foto: Jenal