Die Nonne mit der Ente

Großrosseln. Ortstermin im viereinhalb-stöckigen Gebäude am Großrosseler Klosterplatz: Hier befinden sich heute das Jugendzentrum, Räume der Arbeiterwohlfahrt, Kindergarten und Büros der Gemeindeverwaltung. Kein Außenstehender würde vermuten, dass sich im gleichen Bau zwischen 1910 und 1971 Kloster, Kapelle und Krankenstation befanden

Großrosseln. Ortstermin im viereinhalb-stöckigen Gebäude am Großrosseler Klosterplatz: Hier befinden sich heute das Jugendzentrum, Räume der Arbeiterwohlfahrt, Kindergarten und Büros der Gemeindeverwaltung. Kein Außenstehender würde vermuten, dass sich im gleichen Bau zwischen 1910 und 1971 Kloster, Kapelle und Krankenstation befanden. In der ehemaligen Kapelle dieses geschichtsträchtigen Hauses, heute Versammlungssaal, stellte Karl Werner Desgranges, Vorsitzender des Heimatkundlichen Vereins Warndt (HVW), am vorigen Wochenende eine neue Publikation vor, die sein Verein herausgibt. Mit dem Titel "Ein Segen für den Warndt" stellt liebevoll der Großrosseler Heimatforscher, der frühere Lehrer Erich König, der selbst im Warndt geboren ist und dort lebt, das Buch vor, an dem er fünf Jahre lang gearbeitet hat. Königs Intention: "Ich habe mir gesagt: Diesen aufrechten Frauen, die ihr ganzes Leben dem Nächsten gewidmet haben, muss man ein Denkmal setzen." Im ausgehenden 19. und beginnenden 20. Jahrhundert wandeln sich die Dörfchen im Warndt, diesseits und jenseits der Grenze, binnen weniger Jahrzehnte, von verschlafenen Weilern zu expandierenden und pulsierenden Industriestandorden. Eine Entwicklung, der weder die soziale, medizinische, religiöse noch sonstige Versorgung zunächst gerecht werden: Zwar entstehen in Völklingen und in Petite Rosselle Krankenhäuser, es lassen sich auch in Großrosseln die ersten Ärzte und Apotheker nieder, auf den Dienst der selbstlos tätigen Franziskanerinnen können die hier lebenden Menschen dennoch kaum verzichten. Autor König beschreibt, wie zunächst eine bescheidene Station für sieben Schwestern und später daraus das bis heute stattliche Franziskusheim entstanden - mit Spillschuul (Kindergarten), Koch- und Nähschule sowie stationärer und ambulanter Krankenpflege für die Bewohner der Warndtdörfer auf beiden Seiten der Grenze.König erinnert auf gut 100 Seiten an den Alltag im Kloster und gibt einen Überblick auf Fakten und Anekdoten. So erfährt der Leser, dass beispielsweise im Jahr 1920 die Nonnen insgesamt 7160 Hausbesuche unternommen haben, 20 pro Tag und "alle zu Fuß", betont König. Bis in die Fünfziger Jahren fuhr Schwester Bertilla einen Citroen 2 CV, eine "Ente", die sie von der Gemeinde Großrosseln zur Verfügung gestellt bekam und die jener flott fahrenden Ordensfrau im Dorf rasch zum Necknamen "Schwester Rasanta" verhalf. Das Buch über das Franziskanerinnen in Großrosseln enthält über zahlreiche historische Fotos in Schwarzweiß und in Farbe. Es kostet 19,50 Euro und ist beim Autor König, Telefon (0 68 09) 6995, bei Schreibwaren Bachelier in Großrosseln und bei Karl Werner Desgranges vom HVW, Telefon (0 68 98) 4 19 84, erhältlich.