Die Lage hat sich entspannt

Das ehemalige Warndthotel in Karlsbrunn, von der Gemeinde Großrosseln als Flüchtlingsunterkunft erworben, ist für diesen Zweck noch nicht gebraucht worden – die Zahl der Schutzsuchenden ist stark gesunken. 87 Asylbewerber leben noch in der Warndt-Kommune.

"Licht aus? Heizung aus? Fenster zu? Bitte Tür immer abschließen!" Die Hinweise hängen am Ausgang der Flüchtlingsunterkunft in der Großrosseler Warndtstraße. Sie erinnern die Bewohner daran, worauf sie beim Verlassen des Gebäudes achten sollten. Im ehemaligen evangelischen Gemeindehaus leben zurzeit 27 Asylbewerber .

Betreut werden sie von den Verwaltungsmitarbeiterinnen Michaela Becker und Saskia Uhl. Die beiden verstehen sich gut mit ihren Schützlingen, gerne nehmen zwei junge Männer die Einladung zum Tischfußball an. Hasan Ahmad unterstützt die Kolleginnen bei ihrem Besuch, er ist als Übersetzer mit von der Partie.

Zurzeit betreut die Gemeinde 87 Asylbewerber , in Spitzenzeiten waren es 130. Die letzte Zuweisung, erklärt Bürgermeister Jörg Dreistadt (SPD ) im Rathaus, gab es im Februar. Seitdem sind keine neuen Hilfesuchenden angekommen. In der ehemaligen Grundschule hinter dem Rathaus leben nur noch sechs Flüchtlinge. Viele sind nach der Anerkennung zu Verwandten in andere Städte gezogen. Etwa 15 bis 20, schätzt Saskia Uhl, haben sich in Großrosseln eine Wohnung gemietet.

Nachdem sich die Lage entspannt hatte, pusteten die Verwaltungsmitarbeiterinnen erst mal durch. Die Hände in den Schoß legen sie aber nicht, die Integration soll weiter vorangetrieben werden. Kooperationen werden angestrebt, erläutert Michaela Becker.

Einige Flüchtlinge engagieren sich bereits im Kirchenchor oder bei der Arbeiterwohlfahrt . Und die Teilnehmer eines Arabisch-Sprachkurses der Volkshochschule zeigen Interesse, sich mit den Flüchtlingen auszutauschen. Das Rathausteam unterstützt die Hilfesuchenden auch beim Familiennachzug , einige Anträge wurden bereits gestellt. Die Bearbeitung durch die zuständigen Behörden dauert allerdings sehr lange, bisher konnten die Flüchtlinge noch keine Angehörigen in Großrosseln begrüßen.

Wiedervereinte Familien könnten eventuell im ehemaligen Warndthotel Waibel wohnen. "Es ist so weit einzugsbereit", sagt Bürgermeister Dreistadt. Zurzeit steht das Gebäude leer. Die Gemeinde hatte das Haus erworben, um Asylsuchende unterzubringen. Wegen der sinkenden Flüchtlingszahlen wurden die Räume bisher aber nicht benötigt.

"Im Moment sind wir gut aufgestellt", sagt Dreistadt. Zu Beginn der Flüchtlingskrise musste immer wieder improvisiert werden, die Verwaltung stieß an ihre Kapazitätsgrenzen. Mittlerweile gibt es funktionierende Strukturen: Räume, Möbel, Personal und Know-how sind vorhanden. Gesucht werden noch Paten, die sich um Flüchtlinge kümmern, sie etwa bei Behörden- oder Arztbesuchen begleiten. Interessenten können sich an Sozialarbeiterin Inga Kietel wenden, Kontakt: Telefon (01 60) 5 74 61 36.