"Das stinkt zum Himmel"

St. Nikolaus. "Das stinkt zum Himmel, buchstäblich!", sagt SZ-Leserin Ulrike Harkopf (Name geändert - Anm. d. Red.) zornig: Die Schülertoiletten in der Großrosseler Grundschul-Dependance St. Nikolaus seien in miserablem Zustand. Das sei schon so gewesen, als 2008 ihr ältestes Kind eingeschult wurde. Es besuche jetzt die Großrosseler Grundschule (in St

St. Nikolaus. "Das stinkt zum Himmel, buchstäblich!", sagt SZ-Leserin Ulrike Harkopf (Name geändert - Anm. d. Red.) zornig: Die Schülertoiletten in der Großrosseler Grundschul-Dependance St. Nikolaus seien in miserablem Zustand. Das sei schon so gewesen, als 2008 ihr ältestes Kind eingeschult wurde. Es besuche jetzt die Großrosseler Grundschule (in St. Nikolaus werden nur die beiden jüngsten Schülerjahrgänge unterrichtet, Großrosseln ist Schulort für die Klassenstufen 3 und 4), "dort sind die Toiletten in Ordnung". Aber die Mutter bekommt weiter Kinder-Klagen über das Schulklo zu hören, denn nun ist ihr zweiter Sprössling in St. Nikolaus. Schon die Lage der Toiletten, sagt Harkopf, sei ungünstig: nicht im Schulhaus selbst, sondern in der Turnhalle nebenan - wenn Kinder müssen, müssen sie über einen Außen-Gang ins Nachbargebäude. Richtig problematisch sei aber der Zustand der Klos. Harkopf zählt auf: fehlende Sitze und Deckel, in der Mädchentoilette stehe eine der "Brillen" im Vorraum ("eine Brille für alle", kommentiert die Mutter sarkastisch). Urinstein in den "sehr ungepflegten" Toilettenschüsseln. Schwergängige Spülungs-Drücker, für Kinderhände nur mühsam zu betätigen. Die Handtuchspender neben den Waschbecken für Kinder unerreichbar hoch aufgehängt. Schimmel an den aus Spanplatten bestehenden Kabinen-Trennwänden, deren Unterkante angefault. All das, fügt Harkopf hinzu, habe ihr ältestes Kind und einige seiner Mitschüler im vorigen Jahr so genervt, dass die Sieben- bis Achtjährigen schon Spenden sammeln wollten für eine Renovierung der Schultoiletten. Im Rathaus habe man ihr auf Nachfragen stets geantwortet, "nächstes Jahr" werde die Toilettenanlage saniert. "Aber das ist jetzt schon das dritte 'nächste Jahr' ", sagt Ulrike Harkopf. Hinweise auf die angespannte Rosseler Haushaltslage könne sie nicht mehr nachvollziehen, werde doch das Schulhaus St. Nikolaus gerade energetisch saniert. Im Vergleich zu solch "voluminösen" Investitionen sei die Toiletten-Sanierung finanziell "übersichtlich"; aber man stelle sie trotzdem hinten an. "Nächstes Jahr", sagt Bürgermeister Peter Duchene auf SZ-Nachfrage, werde voraussichtlich saniert. Die Gemeinde bringe ja Zug um Zug ihre Hallen in Ordnung, und nun sei St. Nikolaus dran. Beschlossen, so räumt er ein, sei das freilich noch nicht. Ungepflegt? Duchene hält dagegen: Es werde täglich gereinigt, Defektes werde ersetzt, es sei ja auch ein Hausmeister da. "Wenn es Beschwerden gibt", verspricht er zum Schluss, "gehen wir dem nach." Meinung

Kein Ort für Schlamperei

Einblicke ins St. Nikolauser Schulklo: eine "Brille" hinter statt auf der Toilette, unappetitliche Spuren in der Schüssel (links); Handtuchspender in der Mädchentoilette, für Kinder unerreichbar hoch angebracht (Mitte); angeschimmelte Kabinen-Trennwand in der Jungentoilette (rechts). Fotos: uha.

Von SZ-Redakteurin Doris Döpke Arm zu sein, ist bekanntlich keine Schande, auch für eine Kommune nicht. Doch wo das Geld fehlt für fällige Erneuerungen, sollte das Alte so in Schuss sein, dass Menschen, die es nutzen (müssen), das auch ohne Probleme tun können. Schultoiletten sind da eine sensible Angelegenheit. Wenn sie bei Schülern so großen Widerwillen wecken, dass die Kinder am liebsten gar nicht müssen möchten, dann ist eine kritische Grenze überschritten. Dann muss die Gemeinde dringend etwas tun. In St. Nikolaus müsste sie gar nicht tief in die Kasse greifen. Kleine Reparaturen bewirken viel, wenn sie denn verlässlich erledigt werden. Und vor allem rasch - ehe sich bei Schülern und Eltern ein Eindruck festsetzt, den eine Mutter betrübt so formuliert hat: "Kinder haben in Großrosseln keine Lobby." Bürgermeister Duchene steht jetzt im Wort: Seine Verwaltung darf über Schlampereien endlich nicht mehr weggucken.

Mehr von Saarbrücker Zeitung