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Rossler Rathaussturm
Da kann Jörg Dreistadt nicht widerstehen

Die Hinne Hott mit Thomas Tomczyk (in Blau) überredet Bürgermeister Jörg Dreistadt (Bildmitte) zur Übergabe.
Die Hinne Hott mit Thomas Tomczyk (in Blau) überredet Bürgermeister Jörg Dreistadt (Bildmitte) zur Übergabe. FOTO: BeckerBredel
Großrosseln. Rossler Karnevalisten locken ihren Bürgermeister mit weiblicher Schönheit aus dem Amt. Von Thomas Annen

(tan). Während sich Bürgermeister Jörg Dreistadt und seine Spießgesellen in der Rosseltalhalle verschanzen, rotten sich die Narren oben am Rathaus zusammen. Der verwaiste Verwaltungssitz könnte jetzt sicher im Handstreich genommen werden. Aber die Jecken wollen ja nicht nur den Rathausschlüssel erobern und die Gemeindekasse plündern, sondern auch den unfähigen Beamten mal ordentlich den Marsch blasen. Neben den Karnevalisten von Doll Doll, Hinne Hott und den Warndtkatern ist auch der Musikverein Rheingold mit von der Partie. Auf geht‘s!



Unter dem Oberkommando von Hinne Hott zieht die närrische Truppe am Freitagnachmittag Richtung Rosseltalhalle. Die Jecken sind wild entschlossen, mit Schimpf und Schande soll die Verwaltung aus dem Amt gejagt werden. „Automate und Zigarette du de Rossler de Haushalt rette. Unn geht die Rechnung nit uff, hann ma halt noch eh neies Puff“, lautet ihr Angriffsmotto. Vor der Halle werden die Karnevalisten von der jubelnden Bevölkerung empfangen. Ob die müde Beamtentruppe viel Gegenwehr leistet?

Mit Vereinschefin Stefanie Klein sowie Bianka Dirk und Thomas Tomczyk schickt Hinne Hott drei flotte Mundwerke in die Redeschlacht. „Gerupft wie‘n Hinkel sieht der Bürgermeister aus“, stellt Tomczyk sofort fest. Und in der Tat: Dreistadts Haar ist zerzaust, ein Auge blau, die Jacke zerfetzt. Der Rathauschef gesteht, dass er sich auf der Naßweiler Vergnügungsmeile herumgetrieben hat. Und wer dort die Zeche prellt, muss nun mal mit Haue rechnen.

Sein Kampfesmut ist aber ungebrochen, den Schlüssel will er partout nicht rausrücken. Deshalb bieten ihm die Belagerer ein verlockendes Tauschgeschäft an. Bianka Dirk hat sich als Automat verkleidet und lädt ihn zu einer Runde ein: „Willschde an meine Knöbbcha rumspiele?“ Doch Dreistadt winkt ab. Erst als ihm eine Bordellbesitzerin ihre edelste Perle anbietet, wird er schwach. Cheyenne ist nicht nur hübsch, sondern auch schwanger. Der Bürgermeister, so wird gemunkelt, sei daran nicht ganz unschuldig. Unter diesen Umständen, erklärt Dreistadt, rücke er den Schlüssel raus. Hurra, die Narren sind an der Macht!

Bevor die Jecken die muffigen Amtsstuben vom Staub befreien und die Gemeindekasse beim Fastnachtsumzug auf den Kopp hauen, feiern sie in der Rosseltalhalle erst mal ihren Sieg. Dort stehen auch Ehrungen an: Die Gemeinde und die Vereine küren die Narren des Jahres. Beate und Lothar Lux von Doll Doll, Uwe Dirk von Hinne Hott und Romain Gillenberg von den Warndtkatern werden ausgezeichnet.