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Nun offiziell als Fachklinik konzessioniert
Wo Kranke wieder atmen lernen

Die Cura-Med Süd-Warndt-Klinik in Karlsbrunn.
Die Cura-Med Süd-Warndt-Klinik in Karlsbrunn. FOTO: BeckerBredel
Karlsbrunn. Die Cura-Med Süd-Warndt-Klinik in Karlsbrunn ist jetzt offiziell Fachklinik. Für Beatmung – und dafür, Patienten wieder unabhängig zu machen von Geräten und künstlicher Ernährung. Von Bernhard Geber

Seit rund 20 Jahren bemüht sich die Cura-Med Süd-Warndt-Klinik in Karlsbrunn um die Pflege und Rehabilitation von schwerkranken Menschen und Unfallopfern. Nun hat sie sozusagen den Ritterschlag erhalten. Das saarländische Gesundheitsministerium hat das Haus als erste Fachklinik für Beatmungsmedizin und Weaning im Saarland konzessioniert. „Weaning“ heißt auf Deutsch Entwöhnung und bedeutet, Patienten wieder in die Lage zu versetzen, frei von Beatmungsgeräten und künstlicher Ernährung zu leben. Und in dieser Beziehung erzielt Cura-Med aktuell eine Erfolgsquote von 60 bis 70 Prozent, sagt Dr. Rainer Haas, seit Juli Chefarzt in Karlsbrunn. Diese Menschen könnten dann in weiterführende Reha-Maßnahmen oder auch nach Hause entlassen werden.


Da scheint auch der Fall von Vera S. (65) aus Güdingen einen guten Verlauf zu nehmen. Ihre Geschichte beginnt damit, dass sie im September in ihrer Küche stürzte und sich einen Oberschenkelhalsbruch zuzog. „Ich habe keine Erinnerung an den Unfall selbst“, berichtet sie. Sie verbrachte danach mehrere Wochen auf der Intensivstation auf dem Rastpfuhl und wurde dann („damals noch unter Vollbeatmung“) in Karlsbrunn aufgenommen. Nach rund sechs Wochen kann sie wieder komplett sprechen und auch bereits einige Schritte laufen. „Ich denke, dass das Ganze bald zu Ende geht und auch die Kanüle aus dem Hals entfernt wird“, meint sie – eine Hoffnung, die vom Mediziner bestätigt wird. Von Karlsbrunn aus gehe es dann in eine Anschluss-Reha („speziell zum Muskelaufbau“) und hoffentlich spätestens im Frühjahr wieder nach Hause. Dort warten Hund Dusty und Ehemann Thomas, der sie täglich in Karlsbrunn besucht.

Bei weitem noch nicht so entspannt wirkt die Lage bei den anderen Patienten auf der Intensivstation im ersten Stock der Klinik. Rundum umgeben sie medizinische Geräte. Ein Team von sechs Fachärzten rund um Rainer Haas kümmert sich um sie. Ein über fünf Meter hoher, zylinderförmiger Tank steht neben dem Gebäude – als Reservoir für den lebensnotwendigen Sauerstoff. „Wir nehmen die Patienten schon in der intensivmedizinischen Phase auf. Das ist die Besonderheit unserer Klinik“, sagt Susanne Schmidt, die gemeinsam mit Ehemann Oliver Schmidt das Haus leitet. „Wir schleusen im Jahresmittel in der Fachklinik 95 bis 100 Patienten durch und haben das Doppelte an Anfragen.“ Neben regionalen Krankenhäusern schicken auch große Kliniken in Mainz, Heidelberg, Ludwigshafen und Luxemburg Patienten nach Karlsbrunn. Schmidt: „Die kommen mit dem Intensivmobil oder mit dem Hubschrauber.“



Dr. Haas (49) hat reichlich Erfahrung im Umgang mit schwerkranken Menschen. Zuvor war er leitender Oberarzt der Klinik für Anästhesiologie und Intensivmedizin des Caritas-Klinikums St. Theresia in Saarbrücken. Die Arbeit in Karlsbrunn hat für ihn besonderen Reiz, „denn hier sieht man den Erfolg. Und je früher wir den Patienten unsere Möglichkeiten anbieten können, desto schneller kommt man zum Ziel.“ Zum Konzept gehört auch, den Patienten Schritt für Schritt mehr Lebensfreude zu vermitteln. Wenn jemand wegen Beatmung nicht sprechen kann, kann er sich zumindest mit Hilfe eines Sprach-Computers verständigen. Aus Buchstaben, die mit den Augen am Bildschirm fixiert werden, lassen sich so Worte und auch Sätze bilden. Ein Fernsehgerät gehört zur Grundausstattung jedes Zimmers. Und die Flure zieren Bilder, die von Patienten gemalt wurden.

Neben der Intensivstation mit ihren 18 Betten gibt es in Karlsbrunn auch die Abteilung Langzeitrehabilitation mit 34 Plätzen. Sie kümmert sich – vereinfacht gesprochen – um die Patienten, die noch längere Zeit, womöglich ein Jahr, auf dem Weg zur Besserung brauchen. Aber auch da bemüht sich die Klinik darum, dass nicht der sprichwörtliche Krankenhaus-Koller aufkommt. Da gibt es nicht nur Begegnungsmöglichkeiten in der Cafeteria, sondern auch ein tägliches Programm mit gemeinsamem Kochen, kreativem Gestalten, Gesellschaftspielen und auch Qi-Gong-Meditation.