CDU will an Traum von Reaktivierung der Rosseltalbahn festhalten

Bahntrasse schon lange im Dornröschenschlaf : CDU will an Traum von Rosseltalbahn festhalten

Eigentlich wollte Großrosseln die Ex-Rosseltalbahnstrecke endgültig aufgeben. Nach geänderten Mehrheiten versucht die CDU, den Entwidmungsantrag wieder zu kippen.

Die ehemalige Bahnstrecke im Bereich von Großrosseln soll entwidmet werden – das jedenfalls hatte der Großrosseler Gemeinderat beschlossen. Doch in der jüngsten Sitzung wollte die CDU-Fraktion, dass der „Entwidmungsantrag“ wieder zurückgenommen wird. Denn eine Reaktivierung der Bahnstrecke Großrosseln-Saarbrücken, schreibt Fraktionschef Fred Schuler in seinem Antrag, würde „einen Mehrwert für die Mobilität der Bürger, Vorteile für die Umwelt und eine Verkehrsentlastung für Großrosseln selbst sowie für die umliegenden Ortschaften bringen“.

Anfang Dezember berät der zuständige Gemeinderats-Ausschuss über das Thema, das letzte Wort hat dann der Gemeinderat Großrosseln selbst. Zuvor werden die betroffenen Ortsräte gehört. Der Ortrat Dorf im Warndt sprach sich bereits gegen das Anliegen der Christdemokraten aus – mit den Stimmen der SPD-Mehrheit, die CDU stimmte für den Antrag der Parteifreunde. Die Ortsräte von Karlsbrunn, Großrosseln und Emmersweiler beraten ebenfalls über das Thema.

Im Dezember 2018 hatte der Gemeinderat Großrosseln mit 15 zu neun Stimmen folgenden Beschluss für die Strecke von der Rosselbrücke am Schafbachweiher bis zum Bergwerk Warndt gefasst: Das zuständige Ministerium solle einen sogenannten Freistellungsantrag an die Deutsche Bahn AG richtet. Das Verfahren ist im Allgemeinen Eisenbahngesetz geregelt. Erst nach der offiziellen Entwidmung der Trasse kann das Unternehmen den Boden verkaufen, über den die Gleise führen – etwa an die Gemeinde oder an private Investoren. Das schon eingeleitete Entwidmungsverfahren laufe noch, erklärte Großrosselns Hauptamtsleiter Eduard Rupp auf SZ-Anfrage.

Foto: SZ/Müller, Astrid

Die SPD plädierte vor einem Jahr für den Rückbau der Eisenbahnbrücke in der Großrosseler Bahnhofstraße und des Bahndamms Richtung Emmersweiler. Durch die Öffnung des Geländes, so ihre Einschätzung, würden im Ortskern mehr Möglichkeiten zur Verkehrsgestaltung geschaffen. Die CDU sprach sich gegen die Entwidmung aus: Sie wolle nicht, dass der Wiederbelebung des schienengebundenen Personennahverkehrs ein Riegel vorgeschoben werde. Auch der damalige Bürgermeister Jörg Dreistadt (SPD) beschäftigte sich mit der Frage, wie man Verkehr von der Straße auf die Schiene bekommt. Sein Fokus lag aber auf der Bahnstrecke vom Schafbachtal, sprich Velsen, nach Saarbrücken. Kurz nach dem Kreisel Velsen, so seine Überlegung, könnte ein Park+Ride-Parkplatz entstehen.

Die Diskussion und die Abstimmung im Ortsrat Dorf im Warndt zeigte, dass sich die Argumentationen wohl nicht verändert haben. Die Sozialdemokraten erklärten, dass ihnen keine neuen Fakten vorliegen. „Wir sind immer noch auf dem alten Stand“, sagte ihr Fraktionssprecher Wolfgang Schuler. Eine Veränderung gibt es allerdings an der Verwaltungsspitze. Dominik Jochum (CDU) hat Jörg Dreistadt (SPD) als Bürgermeister abgelöst.

Im Wahlkampf hatte Jochum angekündigt, dass er sich für die Reaktivierung der Rosseltalbahn bis ins Ortszentrum einsetzen werde. Verändert haben sich auch die Mehrheitsverhältnisse im Gemeinderat. Im Vorjahr hatte die SPD noch die absolute Mehrheit. Im aktuellen Rat verfügen CDU und SPD jeweils über zwölf Stimmen, die AfD hat zwei Sitze, die Linkspartei stellt ein Mitglied. Die Abstimmung über den CDU-Antrag dürfte also spannend werden.

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