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Chemieplattform Carling
Lauter Knall schreckt Saarländer auf

Ein Knall auf der grenznahen Chemieplattform bei Carling hat am Samstag Saarländer aufgeschreckt (Archivaufnahme).
Ein Knall auf der grenznahen Chemieplattform bei Carling hat am Samstag Saarländer aufgeschreckt (Archivaufnahme). FOTO: BeckerBredel/ck / BeckerBredel
Besorgte Bürger aus dem Raum Großrosseln haben am Samstagabend eine angebliche Detonation auf der französischen Chemieplattform Carling gemeldet. Ein Saarbrücker Polizeisprecher meldet eine kontrollierte Druckentlastung. Anders berichten lokale Medien. Von Matthias Zimmermann
Matthias Zimmermann

Bereits zum wiederholten Mal innerhalb der vergangenen Wochen soll es auf Lothringer Seite im grenznahen Carling heftig geknallt haben. Der explosionsartige Lärm stamme von der Chemieplattform und sei bis ins Saarland zu hören gewesen. Davon berichten Anrainer auf deutscher Seite rund um Großrosseln. Zuletzt wollen Menschen dort am Samstag gegen 19.45 Uhr eine laute Detonation vernommen haben. Sie alarmierten daraufhin die Polizei.



Polizei: keine Gefahr für Anrainer

Ein Sprecher des Führungs- und Lagezentrums beim Landespolizeipräsidium in Saarbrücken bestätigt am Sonntag den Knall. Allerdings soll es sich dabei um eine „Druckentlastung“ in dem französischen Werk des Mineralölunternehmens Total gehandelt haben. Das hätten Nachfragen deutscher Behörden bei den Nachbarn ergeben. Weil es ein „ganz normaler Betriebsablauf“ sei, gab es auch keine behördlichen Hinweise ans Saarland, heißt es dazu. Gefahr etwa durch giftige Dämpfe oder Rauch habe nicht bestanden.

Alarm auch bei der Feuerwehr

Allerdings: Nach Informationen der Saarbrücker Zeitung ging auch bei der Feuerwehr Alarm ein. Demzufolge soll es sich um einen Störfall der Kategorie A, also der niedrigsten Stufe, in der Polyethylenanlage gehandelt haben. Dort wird einer der häufigst eingesetzten Kunststoffe produziert. Mehr Details zu dem möglichen Zwischenfall sind seitens der Feuerwehr nicht bekannt.

Medien berichten von automatischem Notstopp

Die Lothringer Tageszeitung Républicain Lorrain berichtet unterdessen in ihrer St. Avolder Ausgabe darüber, dass das automatische Sicherheitssystem nach einem Zwischenfall die Produktion gestoppt habe. Eine schwarz-braune Wolke sei über die umliegenden Orte hinweggezogen. Werkverantwortliche sollen mitgeteilt haben, das keine Gefahr für Anwohner bestehe. Die Untersuchungen zur Ursache für die Störung liefen, die lokalen Behörden seien darüber informiert.

Mehrere explosionsartige Geräusche

Betreiber des französischen Industriekomplexes ist Total mit Sitz in Courbevoie bei Paris. Weit mehr als 500 Menschen arbeiten auf der offiziell titulierten „Plateform de Carling – Saint-Avold“, die in den 1960er-Jahren im Departement Moselle entstand. In sozialen Internet-Netzwerken sprechen Kritiker von drei explosionsähnlichen Geräuschen seit Juni, die bis ins Saarland hinein zu hören gewesen sein sollen. Bereits in der Vergangenheit hat sich die Bürgerinitiative Saubere Luft gegen die Chemieplattform stark gemacht. Sie sieht beispielsweise Carling für erhöhte Feinstaubwerte in der Grenzregion mitverantwortlich. Außerdem kritisiert sie die Informationspolitik aus Frankreich zu Störfällen. Diese lasse zu wünschen übrig.

Tödlicher Zwischenfall

2016 hatte ein Saargemünder Gericht Total wegen einerr tödlichen Explosion 2009 zu 200 000 Euro Geldstrafe verurteilt. Für den Ex-Leiter der Anlage verhängten die Richter eine Haftstrafe von einem Jahr auf Bewährung sowie 20 000 Euro Geldstrafe. Eine Sicherheitsanlage sei über Jahre hinweg absichtlich ausgeschaltet geblieben, was zu einem Explosionsrisiko mit der anschließenden Katastrophe mit zwei toten Mitarbeitern führte, hieß es unter anderem in der Urteilsbegründung.

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