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Bürgerinitiative besorgt wegen Carling-Knall
Bürgerinitiative fordert Aufklärung

Samstagabend: Rauchsäule über der grenznahen Chemieplattform Carling.
Samstagabend: Rauchsäule über der grenznahen Chemieplattform Carling. FOTO: Jens Jacobs/Facebook
Großrosseln. Knall-Geräusche von der Chemieplattform: Deutsche Anwohner glauben nicht an Harmlosigkeit
Matthias Zimmermann

Die Kritiker der ans Saarland angrenzenden Chemieplattform im lothringischen Carling/St. Avold vermissen Aufklärung. Das erklärt ein anonymer Sprecher der Bürgerinitiative Saubere Luft für die Warndtgemeinden. Der Anlass: Bereits zum vierten Mal sei es seit Jahresbeginn „zu einem massiven Vorfall mit mindestens einer Detonation“ gekommen. Und das sei nicht alles: Nach Augenzeugenberichten in Lothringen sei am Samstagabend gleichzeitig mit dem Knall „eine schwarz-braune Wolke“ Richtung Saarland gezogen. Statt zu messen und zu prüfen, sei „umgehend und ohne eingehendere Untersuchungen Entwarnung gegeben“ worden.


Der Vorsitzende der Bürgerinitiative, Adriano Pitillo, erhebt Vorwürfe. Seit in Carling/St. Avold neue Produktionslinien angelaufen seien, „häufen sich die Problematiken auf der Chemieplattform“. In diesem Zusammenhang greift er den saarländischen Umweltminister Reinhold Jost (SPD) an. Der habe zugesagt, dass sich die Situation verbessere. Pitillo: „Genau das Gegenteil ist eingetroffen und übertrifft so langsam unser aller Vorstellungskraft.“ Er spricht davon, dass es mehr Gestank und mehr Störfälle gebe als zuvor. Zudem würden der erneute Knall sowie der Qualm „kleingeredet“, möglichen Gesundheitsbelastungen werde nicht weiter nachgegangen. „Wie wird sich die Situation erst darstellen, wenn die weiteren über 200 Hektar Neubesiedlung der Chemieplattform abgeschlossen sind?“, fragt Pitillo besorgt. Die Initiative fordert darum mehr Aufklärung und „umfangreichere Untersuchungen von Störfällen, Explosionen“. Dazu gehören seiner Ansicht nach „belastbare Luftuntersuchungen in Echtzeit und eine lückenlose Aufklärung der Bevölkerung auf beiden Seiten der Grenze“. Denn in dem französischen Werk lagerten „zig 1000 Tonnen hoch explosive Stoffe“.

Unterdessen will Sabine Schorr beruhigen. Die Pressesprecherin beim saarländischen Umweltministerium bestätigt das vierte explosionsartige Geräusch, das sich am Samstag gegen 19.45 Uhr ereignet hat (wir berichteten bereits). Darüber habe der Betreiber der Chemieplattform, der Ölgigant Total, sowohl französische als auch deutsche Behörden informiert. Allerdings sei dies nichts Außergewöhnliches. Denn der Knall sei von Sicherheitssystemen ausgelöst worden, wie es regelmäßig bei Bedarf der Fall sei. Schorr: „Für die Umgebung stellt die Detonation keine Gefahr dar.“