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Großrazzia der Polizei
Am Bremerhof hagelt es Anzeigen

Polizei, Gendarmerie, Ordnungsamt, Zoll, Gesundheitsamt – am Mittwochabend rückten sie gemeinsam in allen Läden am Bremerhof an.
Polizei, Gendarmerie, Ordnungsamt, Zoll, Gesundheitsamt – am Mittwochabend rückten sie gemeinsam in allen Läden am Bremerhof an. FOTO: BeckerBredel
Nassweiler. 50 Anzeigen hat es nach einer Razzia auf der Meile am Bremerhof in Naßweiler gegeben. Kontrolliert wurde grenzüberschreitend. Fünf Personen wurden festgenommen. Von Frank Bredel

In der Straße Bremerhof treffen sich zwei Staaten. Links Frankreich, rechts Deutschland. In Gegenrichtung andersrum. Links ist Prostitution verboten, rechts erlaubt. Links sind Zigaretten teuer, rechts günstiger. Glücksspiel ist auch nur auf einer Seite statthaft – auf der deutschen. Diese feinen Unterschiede zwischen zwei EU-Ländern bringen Umsatz für Prostituierte, Tabakhändler und Spielhallen auf jeweils deutscher Seite. 40 Läden gibt es allein am Bremerhof, sagt Eduard Rupp von der Großrosseler Ortspolizeibehörde. Dazu gesellten sich in jüngster Zeit immer mehr Drogendealer, die ungeniert auf offener Straße ihre Waren anböten. Und die fühlten sich sicher, denn wenn mal eine Streife komme, sei man mit wenigen Schritten „ausgereist“.


Am Mittwochabend klappt das nicht. Die mehrere Hundert Meter lange Straße ist von der Polizei beidseits der Grenze dichtgemacht worden. 100 Beamte, darunter 40 Gendarmen aus Frankreich, lassen selbst Fußgänger nicht unkontrolliert durch. Autos werden angehalten, Ausweise kontrolliert, verdächtige Personen durchsucht. Jeder der 40 Läden an der Straße bekommt Besuch: von der Polizei, der Kripo, dem Zoll, dem Gesundheitsamt, der Ortspolizeibehörde und der Steuerfahndung.

Razzia in Nassweiler FOTO: BeckerBredel


Michael Zapp, Leiter der Polizeiinspektion Völklingen, ist Einsatzleiter und nutzt die Gelegenheit, alles zu überprüfen. Sind die in den Läden Beschäftigten angemeldet, werden Steuern für die angebotenen Zigaretten bezahlt, sind die Glücksspielautomaten manipuliert, bestehen Haftbefehle? Hunde schnuppern nach Drogen, Bundespolizisten durchsuchen Autos. Am Ende wird Zapp vermelden, dass fünf Personen festgenommen wurden, viermal wegen illegaler Einreise, gegen eine Person lag ein Zahlungshaftbefehl vor. Insgesamt habe es 50 Anzeigen gegeben wegen Verstößen gegen Mindestlohn, Nichtraucherschutz, die Verpackungsverordnung, das Spielhallengesetz oder die Gewerbeordnung. Nur Drogen fand man keine, sagte er später.

Eine Anwohnerin (sie will anonym bleiben) schaut neugierig zu und freut sich über die Polizeipräsenz: „Es müsste viel öfter kontrolliert werden. Gerade die Dealer machen mir Angst. Ich geh’ im Dunkeln nicht mehr durch den Bremerhof. Die bieten ungeniert ihre Drogen an“, sagt sie und teilt ihre Erfahrungen mit Bürgermeister Jörg Dreistadt. Er kennt die Bürgerbeschwerden. Diese seien zahlreich und eindeutig.

Savas Kazim, kurdischer Zigarettenverkäufer in einem der Läden, schließt sich den Klagen an: „Ich verkaufe nur Tabakwaren. Ausschließlich offizielle deutsche Ware mit deutscher Steuer. Aber ich sehe, was hier abgeht. Die Dealer stehen vor meinem Laden, jeden Tag. Anfangs rief ich noch die Polizei. Aber das mach’ ich nicht mehr. Es lohnt sich nicht, die kommen immer wieder“, sagt er. Der Zoll war gerade bei ihm, die Beamten hatten nichts zu beanstanden. „Es ist gut, dass die Behörden kommen. Es ist nur schlecht fürs Geschäft heute Abend“, fügt er hinzu. Dann plaudert auch er mit Anwohnern.

Kein Autofahrer, kein Fußgänger durfte den von Polizei und französischer Gendarmerie abgesperten Straßenabschnitt verlassen, ohne sich zuvor auszuweisen. Hier zwei Gendarmen mit einem Passanten.
Kein Autofahrer, kein Fußgänger durfte den von Polizei und französischer Gendarmerie abgesperten Straßenabschnitt verlassen, ohne sich zuvor auszuweisen. Hier zwei Gendarmen mit einem Passanten. FOTO: BeckerBredel