| 20:19 Uhr

Bekenntnis zur Zusammenarbeit

Bilanz des Projektes "Der Warndt nach dem Bergbau" im Biomassezentrum Warndt in Karlsbrunn: hier Rudolf Krumm (RAG Montan Immobilien GmbH) bei seiner Rede. Fotos (2): Becker & Bredel
Bilanz des Projektes "Der Warndt nach dem Bergbau" im Biomassezentrum Warndt in Karlsbrunn: hier Rudolf Krumm (RAG Montan Immobilien GmbH) bei seiner Rede. Fotos (2): Becker & Bredel
Karlsbrunn. Wenn der Steinkohle-Abbau geht, bleiben Brachen zurück. Was fängt man damit an? Dieter Grünewald, Staatssekretär im Umweltministerium, stellte das regionale Projekt "Der Warndt nach dem Bergbau" in einen großen Rahmen. Strukturwandel einerseits, Bevölkerungsrückgang andererseits, das bedeute geringe Nachfrage nach den frei werdenden Bergbau-Flächen Von SZ-Redakteurin Doris Döpke

Karlsbrunn. Wenn der Steinkohle-Abbau geht, bleiben Brachen zurück. Was fängt man damit an? Dieter Grünewald, Staatssekretär im Umweltministerium, stellte das regionale Projekt "Der Warndt nach dem Bergbau" in einen großen Rahmen. Strukturwandel einerseits, Bevölkerungsrückgang andererseits, das bedeute geringe Nachfrage nach den frei werdenden Bergbau-Flächen. So müsse man etliche dieser Areale der Natur zurückgeben. Dennoch, an früheren Orten der Kohle bleibe Energie ein Thema: "Das Saarland hat sich entschieden für regenerative Energien." In ihnen sieht Grünewald Chancen: Oft stünden Ökologie und Ökonomie im Widerstreit - erneuerbare Energie mildere diesen Gegensatz. Gerade im Warndt könne sie zum Leitthema werden. Und dazu beitragen, dass die Region sich zum "spannenden Lebens- und Freizeitraum" entwickle, mit "gelebter grenzüberschreitender Kooperation" - diese schöne Zukunft, berichtete Grünewald, sagen die Planer des Umweltministeriums dem Warndt fürs Jahr 2020 voraus. Nach der hoch fliegenden Vision rückten die Mühen der Ebene in den Blick, grenzüberschreitende Zusammenarbeit ist halt nicht einfach. Gerd-Rainer Damm vom Umweltministerium entschuldigte sich für eine Panne: Die Einladungen zum Projekt-Finale kamen bei den französischen Partnern (zu) spät an. Von den Mühen der Ebene zeugte auch, was Rudolf Krumm von der RAG Montan Immobilien (MI) und Pascal Gauthier vom Etablissement Public Foncier Lorraine (EPFL) über konkrete Standort-Pläne vortrugen. Das meiste davon hatten die Zuhörer bereits im März bei der ersten öffentlichen Projekt-Vorstellung gehört. Zum Beispiel soll in der Forbacher Carrière (Steinbruch) Centrale, der der Nach-Bergbau-Wasseranstieg Seen-Charakter bescheren wird, ein Wassersportzentrum entstehen, dazu ein Zentrum für Reitsport. Die Absinkweiher St. Charles in Großrosseln sollen Biotop bleiben und möglichst für Besucher erschlossen werden; aber die Finanzierung ist nach wie vor unklar. Die Ex-Grube Velsen könne man museal nutzen, ergänzend zum Weltkulturerbe Völklinger Hütte und zum Musée de la mine in Petite Rosselle; aber der Impuls, beide Institutionen zu gemeinsamer Trägerschaft zusammenzubringen, habe bis dato in Völklingen keine Resonanz gefunden. Am wichtigsten erscheint der Blickwinkel, den das Projekt etabliert hat: keine "Graswurzelperspektive" (Damm) von den Einzel-Vorhaben aus, sondern Zusammenschau, die Standorte als Netzwerk begreifen. Grenzüberschreitend. Und das, sagte Damm in seiner Schlussbilanz, müsse und werde weitergehen. Das jetzt offiziell beendete Projekt, betreut von der Saarbrücker GIU, hatte im Sommer 2009 begonnen. Die Hälfte der Kosten von 210 000 Euro wurde aus dem Interreg-Programm der EU bezahlt. > Siehe auch Seite C 4Meinung



Netzwerk als Chance

Von SZ-Redakteurin Doris Döpke Für Leute mit gutem Gedächtnis war das Finale des grenzüberschreitenden EU-Projekts "Der Warndt nach dem Bergbau" eine Enttäuschung. Oder zumindest ein Déjà-vu. Denn wirklich Neues gab es nicht, von den wichtigsten Vorhaben hatte man bereits im Frühjahr erfahren. Immerhin, der zentrale Gedanke des Projektes scheint nun allgemeine Zustimmung zu finden: Es hat wenig Sinn, jeden Ex-Bergbau-Standort einzeln zu betrachten; man muss die Brachen beiderseits der Grenze im Zusammenhang sehen, als Netz, und Zukunfts-Lösungen in dieses Netzwerk einbinden. Nur dann gibt es die Chance, für neue Flächennutzungen Finanziers und später auch ausreichend Publikum zu finden. Grenzüberschreitende Planung tut also Not. Schwierig, unterscheiden sich sich doch die Strukturen auf beiden Seiten der Grenze enorm. Aber französische und deutsche Kommunalpolitiker haben ihren politischen Willen zur Gemeinsamkeit bekundet. Forbachs Bürgermeister Laurent Kalinowski brachte es am deutlichsten auf den Punkt: "Das ist die einzige Perspektive, die wir haben."

Pascal Gauthier
Pascal Gauthier
Das könnte Sie auch interessieren