| 20:12 Uhr

Mit dem Förster unterwegs
Auf Entdeckungstour im Warndtwald

Saarforst-Mitarbeiter René Fontaine (rechts) und Betriebschef Hans Albert Letter führten die Teilnehmer durch den Warndtwald bei Karlsbrunn und erläuterten die naturnahe Waldwirtschaft.
Saarforst-Mitarbeiter René Fontaine (rechts) und Betriebschef Hans Albert Letter führten die Teilnehmer durch den Warndtwald bei Karlsbrunn und erläuterten die naturnahe Waldwirtschaft. FOTO: Walter Faas
Karlsbrunn. Zum „Tag des Waldes“ fachsimpelten Förster und Bürger bei herrlichem Frühlingswetter im Karlsbrunner Forst über Naherholung, Holzbewirtschaftung, Kohlendioxid, Schädlinge und Waldsterben. Von Walter Faas

„Dieses Germanien! Seine Wälder schauerlich, seine Sümpfe widerwärtig“, klagte der römische Geschichtsschreiber Tacitcus. Hätte er doch am Mittwochnachmittag wie 15 Menschen (und ein Hund namens Henry) am „Tag des Waldes“ im Warndtwald bei Karlsbrunn teilgenommen! Saarforst-Mitarbeiter René Fontaine und Hans Albert Letter, Leiter des Saarforst-Landesbetriebs,  führten in Vertretung des erkrankten Revierförsters Marcel Kiefer die Teilnehmer zu Buche und Eiche, Fichte und Birke, Baum und Borke.


Erste wichtige Info: „In diesem Waldrevier dominiert die Buche mit 75 Prozent. Das finden Sie nirgendwo sonst im Saarland“, sagt Letter und nennt auch gleich den Grund: „Buche war seinerzeit das wichtigste Grubenholz aufgrund seiner Stabilität und gleichzeitig, weil es bei zu hohem Druck erst mal knackt, ein wichtiges Warnsignal für die Bergleute.“ Letter ergänzt: „Heute haben wir also Grubenholz ohne Ende, aber keine Grube mehr.“

38 Prozent der saarländischen Landesfläche sind Wälder. Das gibt es in keinem anderen Bundesland, hören wir. Der Wald ist Produktionsstätte zur Holzgewinnung, Naherholungsgebiet, Arbeitgeber und vieles mehr. Hoher Freizeitdruck! Am „Tag des Waldes“ brettern Mountain-Biker über die Wege, spazieren deutsche und französische Familien mit Kind und Kegel  oder mit Hund (alle brav angeleint) durch das Gelände. Förster Fontaine erklärt: „Im ganzen Staatsforst investieren wir jährlich 170 000 Euro  in die Verkehrssicherung. Das entspricht 5000 Arbeitsstunden. Hier im Revier sind statistisch allein 160 Arbeitsstunden erfasst zur Beseitigung des Wohlstandmülls. Jeder möchte einen sauberen Wald, aber leider gibt es auch viele Schmutzfinken.“



Und uneinsichtige Zeitgenossen: Forstchef Letter entdeckt verstreuten Mais auf dem Waldboden, dazu seine Meinung: „Wildtiere zu füttern, macht wenig Sinn. Dann explodiert der Schwarzwildbestand sozusagen, und jeder Gartenbesitzer klagt über die hohen Wildschweinschäden.“ Von der Schweinepest gar nicht zu reden!

Den Hochwald zeigen uns die Förster, den nachwachsenden Jungwald auch. Sie erklären das Prinzip der Nachhaltigkeit, das der kurfürstlich-sächsische Oberberghauptmann Hans Carl von Carlowitz schon im 17. Jahrhundert formulierte. Es lautet: „Nur so viel Holz ernten, wie nachwächst.“

Dazu Förster Fontaine: „Auch wenn es manchmal anders wirkt, schlagen wir wirklich nie mehr Holz, als erlaubt ist. Eigentlich bleiben wir, beispielsweise hier im Revier, sogar unter der erlaubten Marge.“ Die beiden Waldführer gehen auch auf die (in der Bevölkerung)  unbeliebten Einsätze der riesigen Harvester-Maschinen und auf das Problem der Rückegassen ein. Durch sie würden Arbeitseinsätze wirtschaftlicher, einerseits, und andererseits Waldböden rechts und links der (immer wieder genutzten) Rückewege geschont. Zu einem Waldimkerstand („ebenfalls ein wichtiger Baustein naturnaher Bewirtschaftung“) führten Letter und Fontaine auch. Sie erklärten den Sinn der Notruftafeln an Bäumen und betonten nicht zuletzt den gesundheitlichen Wert des Waldes: „Der Aufenthalt und die Bewegung an der frischen Luft wirken sich positiv auf Puls, Blutdruck, Stimmungshormone und unser Allgemeinbefinden aus.“ Hätte das der gute alte Tacitus (er lebte im ersten und zweiten Jahrhundert nach Christi Geburt)  beherzigt, er hätte vielleicht auch länger sein Rentenalter in den germanischen Wäldern genießen können.

Die Wanderung zum  „Tag des Waldes“ wurde im Jagdschloss Karlsbrunn mit einer informativen Ausstellung in Bild und Text ergänzt.