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Großrosseln
Neues Bündnis wirbt für die Rosseltalbahn

 Der frühere Bahnhof in Großrosseln ist inzwischen in Privathand und steht für die weitere Planung nicht mehr zur Verfügung.
Der frühere Bahnhof in Großrosseln ist inzwischen in Privathand und steht für die weitere Planung nicht mehr zur Verfügung. FOTO: rup / Rolf Ruppenthal
Großrosseln. Wiederbelebung bis hin nach Großrosseln rückt näher: Kommunalpolitiker und Bahn-Fans raufen sich zusammen. Von Bernhard Geber

In Völklingen-Fürstenhausen zweigt die Trasse der Rosseltalbahn von der Hauptstrecke links der Saar ab. Doch schon seit 44 Jahren fahren auf dieser Strecke in den Warndt keine Personenzüge mehr. Und mit dem Aus der Kohleförderung im Jahr 2005 gibt es auch keinen Güterverkehr mehr hin zur früheren Grube Warndt beim Großrosseler Ortsteil Karlsbrunn.


Die „Plattform Mobilität“ setzt sich gemeinsam mit einer Interessengemeinschaft seit vielen Jahren dafür ein, diese Rosseltalbahn wiederzubeleben. Nun tut sich die Chance auf, dass sie und maßgebliche Kommunalpolitiker hier auf einen Nenner kommen.

Erhard Pitzius, Sprecher der Plattform Mobilität, nutzte gerade erst eine Veranstaltung der Linken im besonders stark vom Autoverkehr betroffenen Völklinger Ortsteil Geislautern, um für die Rosseltalbahn zu werben. Gleichzeitig sind er und Großrosselns Bürgermeister Jörg Dreistadt (SPD) intensiv im Gespräch darüber, wie man das Projekt Wiederbelebung anschieben kann. „Wir sind auf einem guten Niveau, gemeinsam für das Weitere zu kämpfen“, sagt nun Dreistadt unserer Zeitung. Und das, nachdem sein Gemeinderat, in dem die SPD dominiert, erst im Dezember mit großer Mehrheit dafür votiert hatte, die alten Gleise von der Ortslage Großrosseln bis hin zum Endpunkt bei Karlsbrunn hin abzubauen.



Der Bürgermeister hält diese Entscheidung nach wie vor für richtig. Sie sei kein Votum gegen die Bahn. Dreistadt will aber eine neue Rosseltalbahn dort enden lassen, wo Großrosseln anfängt: Am Ortseingang aus Richtung Völklingen-Geislautern könne an der Landstraße kurz nach dem Kreisel Velsen ein großer Park-And-Ride-Platz angelegt werden. Dort könnten Pendler aus den Warndtgemeinden ihre Autos abstellen und mit der Bahn in Richtung Saarbrücken weiterfahren. Personenzüge sollten dann – „zumindest morgens im Halbstundentakt“ – regelmäßig über den Knotenpunkt Fürstenhausen zwischen Saarbrücken und dem Ortseingang von Großrosseln verkehren. Diese Lösung sei vom Verkehrsaufkommen her sinnvoll und auch finanzierbar, „also keine Traumtänzerei“.

Verfechter der Rosseltalbahn treten sogar dafür ein, diese letzten Endes zu einem Ringverkehr durch das benachbarte Frankreich auszubauen. Doch auch deren Sprecher Pitzius hat nun zunächst die so genannte Phase I im Blick, den Streckenabschnitt vom Saartal bis hin zur Ortsmitte von Großrosseln. Überschlägig für die kommenden fünf Jahre betrachtet, so Pitzius, ließe sich die Wiederbelebung auf diesem Abschnitt mit einem Aufwand von rund einer Million Euro realisieren. Die Gleise seien noch in gutem Zustand. Die Strecke sei zwar nicht mehr elektrifiziert, könnte aber zum Beispiel mit Hybrid-Fahrzeugen bedient werden – in der Form, dass diese sich auf der Saartal-Strecke auflüden und dann batteriebetrieben weiterführen. Im Rosseltal sei auch nicht nötig, einen Signalbetrieb einzurichten, obwohl die Strecke überwiegend eingleisig sei. Der Takt ließe sich so einrichten, dass Kollisionen auszuschließen seien. Als Haltepunkt möchte Pitzius den früheren Bahnhof in Großrosseln beibehalten.

„Wir liegen da nur noch wenige Meter auseinander“, kommentiert Dreistadt. Der Bürgermeister schließt nämlich eine Reaktivierung dieses früheren Bahnhofs aus. Dieser und das Gelände rundherum seien mittlerweile in Privatbesitz und nicht mehr zugänglich. Zudem behindere der Bahndamm im Ortskern, von Ortsvorsteher Jörg Steuer (SPD) bereits „tote Gleise“ genannt, nur noch die Entwicklung im Zentrum von Großrosseln. Rosseltalbahn-Fans und auch die CDU in Großrosseln vertreten demgegenüber die Meinung, dass man die Trasse im Ort und auch die Weiterführung bis hin zum Endpunkt Warndtschacht unangetastet lassen sollte, um die Chance für eine Wiederbelebung der gesamten Strecke zu wahren.

Gegen eine solche Fortführung bis zur alten Grube sprechen aber laut Dreistadt die Fakten. Auf diesem Abschnitt müssten sieben Brücken unterhalten werden. Auf dem Bahndamm seien inzwischen Bäume mit bis zu 30 Zentimetern Durchmesser gewachsen. Und für den Personenverkehr ergebe dies keinen Sinn, denn, so Dreistadt: „Wer soll da mitten im Wald ein- und aussteigen?“

Doch die Diskussion um die kleinere Variante kommt in Schwung. Laut Pitzius hat die Plattform Mobilität mit dem Deutschen Bahnkunden-Verband vereinbart, den Streckenast Fürstenhausen – Großrosseln für eine Potenzialanalyse der Deutschen Bahn (DB) über mögliche Reaktivierungen von Bahnstrecken nachzumelden. Anlass seien die positiven Gespräche mit den Fraktionen im Gemeinderat Großrosseln und mit Bürgermeister Dreistadt und das positive Echo aus Völklingen, Geislautern, Gersweiler und Klarenthal inklusive Votum des Bezirksrates Saarbrücken-West gewesen. Die Grünen haben beim Regionalverband beantragt, Mittel für eine Kosten-Nutzen-Analyse in den nächsten Haushalt einzustellen.