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Angelfreunde Petite Rosselle-Großrosseln machen ein hartes Jahr durch

Serie Menschen im Regionalverband : Corona sorgt sogar am Weiher für Stress

Grenzkontrollen, Verbote, fehlende Einnahmen: Angelfreunde Petite Rosselle/Großrosseln machen hartes Jahr durch.

Als François Miséré diese Woche durch Großrosseln zur Grenze nach Frankreich fuhr, erinnerte er sich an die siebziger und achtziger Jahre. Damals bewachten Deutsche und Franzosen noch die Grenze. „In dieser Zeit waren in Frankreich Alkohol, Zigaretten und vor allem Benzin wesentlich billiger als in Deutschland. An der Grenze hielten die Polizisten einen Messstab in den Tank. Teilweise wurde das gesamte Auto durchsucht“, erinnert sich François Miséré, schüttelt den Kopf und fängt an zu schmunzeln.

In dieser Woche standen wegen der Corona-Pandemie Polizisten am Bahnhof Großrosseln und kontrollierten die Grenze. François Miséré erklärte, er müsse nach Petite-Rosselle, um den Schafbachweiher zu kontrollieren.

Der 70-Jährige ist seit 27 Jahren Präsident der Angelfreunde Petite Rosselle/Großrosseln. Das ist ein sowohl deutscher als auch französischer Verein mit einem deutschen und einem französischen Präsidenten. Auch der Schafbachweiher ist deutsch und französisch. Die Grenze verläuft genau durch den Weiher.

„Wir haben schon Ja zu einer gemeinsamen Zukunft gesagt, da dachte sonst noch keiner an ein gemeinsames Europa. Wir leben hier seit mehr als 60 Jahren die deutsch-französische Freundschaft“, sagt François Miséré.

Um an den idyllisch gelegenen Weiher zu gelangen, müssen die Mitglieder aus Deutschland durch Frankreich fahren. An der Grenze gaben die deutschen Beamten grünes Licht, wiesen aber gleichzeitig darauf hin, dass sie nicht wissen, wie ihre französischen Kollegen reagieren. Diese seien allerdings in dieser Woche noch nicht zur Kontrolle an der Grenze gewesen.

In Frankreich ist nach wie vor Ausgangssperre. Es kann gleich mehrere hundert Euro kosten, sich ohne triftigen Grund dort aufzuhalten. Für Miséré war die Weiherkontrolle durchaus ein triftiger Grund. So fuhr er los.

Die Franzosen kontrollierten auf dem Hinweg nicht, also ging es weiter bis an den Weiher. „Wir haben im vergangenen Herbst für 11 000 Euro Fische eingesetzt. An unseren Weiher kommen viele Angler aus Deutschland und Frankreich. Durch den Verkauf der Angelkarten können wir die Kosten decken. Da das Angeln zurzeit allerdings verboten ist, haben wir keine Einnahmen“, erzählt der ehemalige Schlosser und Schweißer Miséré.

Der Verein habe ein weiteres Problem. Sonst füttere jeder Angler erst einmal die Fische im Weiher. „Da nicht geangelt werden kann, hätten die Fische kein Futter. Jetzt müssen wir Futter kaufen. Finanziell wird es für uns sehr eng in diesem Jahr“, sagt der 70-Jährige.

Sein Vater Charles hat den Verein im Jahr 1956 mitgegründet. Der sechsjährige François war damals schon dabei. Er ist quasi am Weiher aufgewachsen und hat dort viel Zeit seines Lebens verbracht. Der Franzose wohnt seit 57 Jahren in Geislautern. Er ging in Frankreich zur Schule und arbeitete in Deutschland. Er denkt deutsch und französisch. Und wie ist das bei einem Fußballspiel Frankreich gegen Deutschland? „Oh weh, das ist immer sehr schwierig. Ich hänge dann immer die französische Flagge auf, aber im Prinzip bin ich für beide“, sagt der Vereinspräsident und lacht.

Zurück zur Grenze: Auch auf dem Rückweg kontrollierten die Franzosen Miséré nicht. Er hofft, dass bis zur nächsten Weiher-Kontrolle die Corona-Regeln in Frankreich weniger streng sind als bisher.