15-Jährige darf nicht zur Firmung

Großrosseln. "Es gibt nicht viel,was mich aufregt, aber die katholische Kirche kann es", schrieb Leserreporterin Manuela Frey aus Großrosseln an die SZ-Redaktion. Im Mittelpunkt der Geschichte steht ihre 15-jährige Tochter Selina. Selina Frey hat sich im Januar in der katholischen Kirche St

Großrosseln. "Es gibt nicht viel,was mich aufregt, aber die katholische Kirche kann es", schrieb Leserreporterin Manuela Frey aus Großrosseln an die SZ-Redaktion. Im Mittelpunkt der Geschichte steht ihre 15-jährige Tochter Selina. Selina Frey hat sich im Januar in der katholischen Kirche St. Wendalinus in Großrosseln mit 30 anderen Jugendlichen der Gemeinde zur Firmung gemeldet, die im November stattfindet. Zur Vorbereitung darauf dienen neben zwei Eucharistiefeiern und einer Versöhnungsnacht drei Wochenenden, die die Jugendlichen in einem Haus der katholischen Kirche, Haus Sonnental in Wallerfangen, verbringen. "Da sie aber an dem zweiten Wochenende nicht mitgefahren ist, wird sie von der Firmung ausgeschlossen", entrüstet sich die Mutter von Selina, die ebenso wie ihr Mann die Härte der Kirche nicht verstehen kann. Denn die Tochter habe sonst stets alle Aktivitäten mitgemacht. Am September-Block, die Gruppe war vom 25. bis 27. September in Wallerfangen, konnte die Schülerin nicht teilnehmen; "sie musste sich auf eine Französischarbeit vorbereiten, denn Selina macht nächstes Jahr ihren Abschluss an der Erweiterten Realschule Emmersweiler", erklärt die Mutter. Und erbost sich außerdem, dass sich "die Gemeindereferentin sogar in der Schule nach den Noten von Selina erkundigt hat". "Tiefunglücklich" über die zugespitzte Situation ist Gemeindereferentin Karin Müller-Bauer, die sich um die Firmlinge kümmert und ständig zu ihren Schützlingen Kontakt per E-Mail hält. "Wir haben Selina eine Brücke gebaut. Sie kann im nächsten Jahr zur Firmung unter Anrechnung des ersten Blocks, an dem sie bereits teilgenommen hat", sagte sie am Telefon. In der Schule von Selina sei sie gewesen, weil sie dort auch als Tanzpädagogin ein Projekt betreut und das Kollegium kennt. "Die Lehrerin hat Selina sogar angeboten, dass sie die Arbeit nachschreiben kann, aber das wollte sie nicht", sagt Müller-Bauer weiter. Auf die letzte Mail an das Mädchen habe sie keine Antwort mehr erhalten. Beim Telefonanruf zu Hause bei der Familie habe der Vater schließlich den Hörer aufgelegt und zuvor gesagt: "Sie mischen sich in Dinge ein, die Sie nichts angehen." Pfarrer Lothar Stoffel von St. Wendalinus steht hinter der Gemeindereferentin: "Die Firmung ist der letzte Schritt, die Eingliederung in die katholische Kirche. Man entscheidet sich, will ich oder will ich nicht. Da muss man sich mit den Regularien vertraut machen. Ein Fußballspieler geht auch nicht aufs Feld ohne Vorbereitung." Aber er betont auch, dass die Kirche den Menschen entgegen kommen wolle. "Der Termin der Firmung ist auf Samstagabend gelegt, weil wir denken, das passt den Leuten besser." Und wie wird der Großrosseler Konfliktfall beim zuständigen Bistum Trier gesehen? Pressereferent Hans Georg Schneider erklärt dazu, es gebe keine Vorschriften, wie die Vorbereitung auf die Firmung ganz genau zu geschehen habe; "das ist eine Aufgabe für die Seelsorge in den Gemeinden". In Großrosseln sei die Vorbereitungsmethode vorab den Firmbewerbern und deren Eltern vorgestellt worden. Die Beteiligten hätten ihr Einverständnis erklärt und damit die Spielregeln akzeptiert. Und: "Aus Sicht des Bistums haben sich Pfarrer und Gemeindereferentin vorbildlich verhalten."Selina sieht das anders. Sie sagt, sie wolle "diese kleinkarierte Kirche verlassen" und zum evangelischen Glauben konvertieren. Sie haben auch Spannendes zu erzählen oder sogar Fotos gemacht? Dann schicken Sie uns alles: per SMS/Fax, MMS mit Foto an Tel. (0681) 59 59 800, Mails an leser-reporter@sol.de.

HintergrundDie Firmung (lateinisch: confirmatio, "Bestätigung, Bekräftigung") ist eines der sieben Sakramente der römisch-katholischen, der altkatholischen und der orthodoxen Kirche. Sie gilt als Vollendung der Taufe und bildet zusammen mit der Taufe und der Eucharistie die "drei Sakramente der christlichen Initiation". Die Firmung "ist das Sakrament, das den Heiligen Geist verleiht, um tiefer in der Gotteskindschaft zu verwurzeln, fester in Christus einzugliedern, die Verbindung mit der Kirche zu stärken."Quelle: Weltkatechismus