| 17:24 Uhr

Picobello-Aktion
Kinder beseitigen den Müll von Erwachsenen

 Fleißige Hände en masse: All diese engagierten Grundschüler sorgten dafür, dass die Picobello-Aktion in Großrosseln ein Erfolg wurde.  
Fleißige Hände en masse: All diese engagierten Grundschüler sorgten dafür, dass die Picobello-Aktion in Großrosseln ein Erfolg wurde.   FOTO: Heiko Lehmann
Großrosseln/Riegelsberg. Am Freitagvormittag waren Hunderte Kinder und Jugendliche mit Handschuhen, Zangen und Müllsäcken im Regionalverband unterwegs und befreiten die Natur vom Abfall rücksichtsloser Umweltsünder. Von Heiko Lehmann

Alte Fahrräder, kaputte Fernseher, Kücheneinrichtungen, Autoreifen, Feuerlöscher und vieles mehr – am Freitag sammelten Hunderte Kinder bei der Aktion Picobello im gesamten Regionalverband Müll, der einfach in die Natur geworfen wurde. Kinder und Jugendliche aus Schulen und Kindergärten waren den ganzen Morgen unterwegs, und nach der Aktion stapelten sich Berge von Müllsäcken an den jeweiligen Sammelorten in den Dörfern.


„Es ist eine Schweinerei, was die Menschen einfach in den Wald werfen. Ich verstehe das nicht“, sagte der zehnjährige Raphael von der Wilhelm-Heinrich-Grundschule in Großrosseln. Er war mit 65 weiteren Kindern der Schule im Wald in der Nähe des Sportplatzes unterwegs. „Wir haben ein ganz langes Metallseil gefunden und andere scharfe Metallteile. Daran können sich Tiere verletzten“, berichtete die neunjährige Amelie, die auch mit der Grundschule Großrosseln unterwegs war.

In Riegelsberg hat der zwölfjährige Rayan einen Feuerlöscher an einer Böschung aus dem Gestrüpp gezogen und ihn auf den Sammelplatz geschleppt. „Die Erwachsenen sollen sich schämen. Wie kann man so etwas nur in die Natur werfen. Ich werde so etwas nie machen, wenn ich mal erwachsen bin“, sagte Rayan und schüttelte den Kopf. Er geht in die Klasse 5a der Leonardo-da-Vinci-Gemeinschaftsschule in Riegelsberg. Auch Ilenia und Hamza gehen in diese Klasse. Die beiden haben einen alten Motorradhelm gefunden. „Ich dachte immer, die Erwachsenen sollten unsere Vorbilder sein. Wenn ich das hier so alles sehe, glaube ich eher, dass wir die Vorbilder sind“, sagt Ilenia.



Die Kinder im Regionalverband wurden für die Aktion mit Handschuhen, Zangen und Mülltüten ausgestattet. Und vor allem in Riegelsberg zwischen dem Sportplatz und der Sporthalle waren diese Hilfsmittel unbedingt notwendig. Dort lagen unzählige ganze und kaputte Alkoholflaschen in den Hecken und sogar kleine Plastiktütchen, die zum Transport von Drogen dienen. „Die Plastiktütchen waren Gott sei Dank leer. Hier sieht es schlimm aus, wir können das mit den Kindern gar nicht alles sauber machen“, sagte Julia Martens, die Lehrerin der Klasse 5a.

Im Unterricht wird die Klasse ihre Erfahrungen besprechen und daraus sollen weitere Projekte gegen die Vermüllung entstehen. Zur Mittagszeit ging die Picobello-Aktion der Jüngsten im Regionalverband zu Ende. In Großrosseln gab es Eis für alle Kinder, und die Verpackungen landeten selbstverständlich in den Mülltüten. An diesem Samstag sind die Erwachsenen dran. Vereine, Parteien und andere Organisationen sagen dem Müll den Kampf an und gehen sammeln. Insgesamt sind am Freitag und Samstag 7604 Menschen im Regionalverband auf den Beinen, die bei der von der Landesregierung ins Leben gerufenen Aktion mitmachen.

 „Fundsachen“ aus der Natur bei Riegelsberg:  (v.l.) Rayan, Francesco, Leni und Ilenia zeigen, was sie beim Müllsammeln entdeckt haben.       
„Fundsachen“ aus der Natur bei Riegelsberg:  (v.l.) Rayan, Francesco, Leni und Ilenia zeigen, was sie beim Müllsammeln entdeckt haben.        FOTO: Heiko Lehmann