Große Löcher in den Kassen der Kommunen im Regionalverband Saarbrücken

Kostenpflichtiger Inhalt: Kommunale Schulden pro Kopf : Große Löcher in den Kassen

Ein Vergleich der Pro-Kopf-Verschuldung in den Städten und Gemeinden des Regionalverbandes Saarbrücken.

Wer den Schuldenberg erklimmt, ist auf dem besten Weg ins Jammertal – in dem sich viele Saar-Kommunen mit ihren Finanzen befinden. Mit dem „Saarland-Pakt“ erklärte sich der Landtag am Mittwoch bereit, dass – wie berichtet – eine Milliarde Euro Kassenkredite der Städte und Gemeinden aus der Landeskasse getilgt werden.

Aber wie hoch sind sie denn nun, die Schulden der zehn Regionalverbands-Kommunen? Die Schulden einer Stadt oder Gemeinde spiegeln sich in den Kassenkrediten wider, die sich im Laufe der Jahre angehäuft haben. Daneben gibt es zwar noch weitere Kredite, doch mit den Kassenkrediten, auch Liquiditätskredite genannt, wird die Zahlungsfähigkeit einer Kommune aufrechterhalten. Die zehn Kommunen haben uns die entsprechenden Daten, bezogen auf die Kassenkredite bis Ende 2018, zur Verfügung gestellt, wir haben daraus die Pro-Kopf-Verschuldung errechnet, berücksichtigt wurden dabei nur die Erstwohnsitze.

Die Landeshauptstadt hat bis Ende 2018 Kassenkredite in Höhe von fast 713 Millionen Euro vor sich her geschoben. Als absolute Zahl ist das die höchste Schuldensumme im Regionalverband, und das gilt auch umgelegt auf die Einwohnerzahl, mit knapp 3890 Euro Schulden pro Kopf – vom Baby bis zum Greis.

Am besten steht, was die Pro-Kopf-Verschuldung betrifft, mit rund 450 Euro Riegelsberg da, dicht gefolgt von Heusweiler mit etwa 490 Euro. Ansonsten bleibt keine der zehn Kommunen unter der 1000-Euro-Marke. Bei den Spitzenreitern kommt nach Saarbrücken die Gemeinde Quierschied (rund 3580 Euro), gefolgt von Friedrichsthal (3160 Euro) und Püttlingen (rund 2900 Euro). Im Mittelfeld folgen auf Rang fünf und sechs Völklingen (2170 Euro) und Kleinblittersdorf (1950 Euro), auf Rang sieben und acht Sulzbach (1250 Euro) und Großrosseln (1050 Euro).

Ehrlicherweise muss man aber auch einräumen, dass die Zahlen nicht zu 100 Prozent exakt sind, da zum einen die ein oder andere Kommune beim Übermitteln der Daten schon selbst großzügig gerundet hat. Und auch weil zum anderen die Städte und Gemeinden ihre Eigenbetriebe – so sie welche haben – unterschiedlich oder auch gar nicht in ihre Berechnungen einfließen lassen. So hat beispielsweise die Landeshauptstadt sechs Eigenbetriebe, Großrosseln nur eine „Sonderrechnung Abwasser“. Und Heusweiler hat gar keinen Eigenbetrieb. Schon der Fakt, ob die zugrunde liegenden Zahlen vom jeweiligen Einwohnermeldeamt oder vom Statistischen Landesamt kommen, kann zu leichten Unterschieden im Ergebnis führen.

Zudem erwarten einige der Kommunen noch im laufenden Jahr ein weiteres Ansteigen oder ein Abschmelzen der Kassenkredite. In der Landeshauptstadt, sagt Bürgermeister Ralf Latz, sehen die aktuellen Planungen „eine Tilgung von Liquiditätskrediten in Höhe von rund 10,2 Millionen Euro im Jahr 2019 vor.“ Bis 2023 belaufe sich die geplante Tilgung auf rund 100 Millionen Euro. Heusweiler konnte die Kassenkredite in 2019 schon um 1,5 Millionen Euro reduzieren. In Quierschied werden sie voraussichtlich um knapp 966 000 Euro sinken, in Kleinblittersdorf um etwa 280 000 Euro. Auch Friedrichsthal und Püttlingen rechnen mit einer Verringerung. Mit einer Erhöhung der Kassenkredite um knapp 2,34 Millionen Euro rechnet Sulzbach, Riegelsberg mit einer Erhöhung um knapp 881 000 Euro.

Einfach aufhören mit der Kreditaufnahme ist nicht möglich, wenn nur durch Kredite die Zahlungsfähigkeit gewahrt werden kann. So müssen es die Kämmerer gegebenenfalls wohl oder übel mit Mark Twain halten: „Von jetzt an werde ich nur so viel ausgeben, wie ich einnehme. – Selbst wenn ich mir dafür Geld borgen muss.“

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