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Grenzüberschreitender Bücherbus versorgt Grundschulen im Eurodistrict SaarMoselle

Grenzüberschreitender Bücherbus : Ein Bus voller Bücher soll Kinder begeistern

Der grenzüberschreitende Bücherbus fährt als rollende Bibliothek zu Grundschulen in der Region. So will das deutsch-französische Team Kindern die jeweilige Nachbarsprache näher bringen.

„Ich heiße Nadine“. „Et je m’appelle Aurore.“ Bevor es los geht mit einer Geschichte stellen sich Nadine Schneider (23) von der Stadtbibliothek Saarbrücken und ihre französische Kollegin Aurore Hoellinger (31) aus Forbach den Grundschulkindern von der Dudweiler Turmschule vor. Die Zweitklässler sind gerade mit ihrer Lehrerin in den gemütlichen gelben Bücherbus gestiegen, der am Dienstag auf ihrem Schulhof parkte. 

„Hä?“ fragen einige. „Versteh’ ich nicht...“ Die beiden jungen Frauen wiederholen geduldig, was sie abwechselnd auf Deutsch und Französisch gerade zu den Kindern gesagt haben. Das Fremdeln der Jungen und Mädchen mit der (jeweiligen) Fremdsprache kennen Aurore und Nadine schon. „Deshalb gibt es ja den grenzüberschreitenden Bücherbus. Wir wollen Lust auf die Nachbarsprache machen“, erklärt Nadine Schneider.  Damit die Kinder ihrer selbst erfundenen Geschichte folgen können, die die beiden mit viel Witz abwechselnd auf Deutsch und Französisch vortragen, gibt es erstmal ein paar französische Sätze zum Warmwerden: Wie heißt du? Wie alt bist du? Wo wohnst du? – Die Kinder haben diese Sätze wohl schon auf Französisch gehört. Aber sitzen tun sie nicht. „Le bus est jaune“, sagt Aurore. „Der Bus ist gelb“, wiederholt Nadine und fragt in die Kinder-Runde: „Wer kennt die Farben auf Französisch?“ Kaum einer meldet sich. „Rouge, jaune, noir...“, zählt Aurore auf.

Dass den Kindern der Wortschatz fehlt und Französisch beziehungsweise Deutsch in den Schulen alles andere als fest verankert ist, das stellen die beiden jungen Frauen, die seit drei Jahren mit dem Bi-Bus Schulen der Region abklappern, immer wieder fest. Und so haben sie ein sehr niedrigschwelliges Angebot entwickelt, mit dem sie die Kinder dort abholen wollen, wo sie stehen.

Das funktioniert mit einer Geschichte über und mit „Lucien“ und „Maja“, zwei wuseligen, süßen Handpuppen, die im Bücherbus „wohnen“. Lucien (alias Aurore) spricht Französisch, Maja (alias Nadine) Deutsch. Gemeinsam bringen sie die kleinen Besucher  zum Lachen. „Die Geschichte über die beiden haben wir selbst erfunden und hier im Bücherbus mit den Puppen fotografiert“, erzählt Nadine. Über die Puppen und deren Späße kommen die beiden sehr gut ins Gespräch mit den Kindern. Es geht lustig zu im Bus. 

Bis Weihnachten ist das Team gemeinsam mit Busfahrer Paul Mahler täglich im Einsatz. Coronabedingt konnten die Lesungen lange gar nicht oder nur eingeschränkt stattfinden, doch seit diesem Schuljahr fährt der Bus wieder. Bis  zu sieben Grundschulklassen besuchen den Bus an jedem Ort. An 20 Grundschulen im Regionalverband und in „Ecoles élémentaires“ in Forbach, Sarreguemines und Saint-Avold hält er seit drei Jahren regelmäßig – an den teilnehmenden deutschen Schulen alle sechs bis sieben Wochen. Dann können die Kinder sich Literatur, auch CDs oder Comics, ausleihen. In Frankreich darf hingegen nur das Lehrpersonal ausleihen. Das liege an den unterschiedlichen pädagogischen Konzepten diesseits und jenseits der Grenze.

Die Nachfrage nach dem Bi-Bus ist groß und nicht alle interessierten Schulen können teilnehmen, so Nadine Schneider, die den Bus seit seinem ersten Einsatz 2019 leitet. Finanziert wird er von Land und Stadt und den französischen Partner-Kommunen sowie mit Geldern aus dem Interreg-Programm der EU. „Bis Ende des Jahres werden wir gut 10 000 Kinder mit dem Bus besucht haben,“ freut sich Schneider. Ende nächsten Jahres soll ein E-Bus den alten ersetzen.