| 20:45 Uhr

Wird es hier jemals wieder besser?
Grausige Ecken, aber auch Lichtblicke

Blick auf einen Teil der Fußgängerzone.
Blick auf einen Teil der Fußgängerzone. FOTO: Thomas Seeber
Dudweiler. Verkehrsverein und „Pro Dorf“ wollen die Fußgängerzone in Dudweiler reinigen. Ein Spaziergang. Von Michèle Hartmann

Was einem alles einfällt, wenn man durch die Fußgängerzone in Dudweiler spaziert – Erinnerungen überschlagen sich. Erinnerungen an Zeiten, da die kleine Welt um uns herum vor mehr als 40 Jahren noch nicht so zerrissen schien wie heute. In diesem Gemäuer war ein Kino, da lief „Das schwarze Reptil“. Ein lausiger Horrorfilm mit billiger Maskerade. Wir haben uns als Teenies trotzdem gegruselt.  Vier Kinos gab es hier auf wenigen Metern: Scala, Nassauer Hof, Union Theater und Centralkino – auch „Flohkino“ genannt. Daran erinnert sich auch ein älterer Herr, dem wir in der (zumeist) autofreien Zone begegnen.


Zunächst aber werfen wir einen Blick aufs Kriegerdenkmal gegenüber dem mittlerweile leerstehenden Café Weber. Es ist in einem erbärmlichen Zustand: verschmutzt und die Stufen hinauf im Zerfall begriffen. Man darf die Anlage nicht mehr betreten.

Hereinspaziert in eine Einkaufsmeile, die nur noch in Teilen eine ist. Wobei der noch vorhandene Einzelhandel hier zu kämpfen hat - ums Überleben. Einige Lichtblicke gibt es hier. Unter anderem eine gute Buchhandlung, ein Geschenke-Laden mit ausgesuchter Ware, ein Obst- und Gemüsegeschäft mit Tradition, eine Drogerie, die man ebenfalls seit vielen Jahrzehnten kennt, ein Geschäft mit Designermode, ein Eiscafé und ein paar Fassaden, die das Auge des Betrachters erfreuen. Etwa die von Hausnummer 279 - aus dem Jahr  1900.



Von Fischbach, sagt unser Fotograf, seien er und seine Familie  damals, als er noch Kind war, ins „Dorf“ gekommen, um einzukaufen. Vor allem wegen des EMA genannten Kaufhauses vis à vis zum Alten Markt. Das war schon was ganz Besonderes. Als Höhepunkt des Tages gab es dann auch noch einen Fleischkäse-Weck mit Gürkchen.  Wenn die „Ureinwohner“ ins Dorf gehen oder fahren, dann meinen sie die Ortsmitte. Das hat sich bis heute hin gehalten.

Der „Blaue Stern“ – auch den gibt’s noch. Eine Kneipe, in der mal die Literbomben genannten großen Bierflaschen fröhlich über die Theke gingen. Auch Gaststätten haben sich  mittlerweile rar gemacht, einige stehen leer. Zur 1000-Jahr-Feier 1977  wurden - sieben Jahre zuvor - noch 90 Gast- und Speisewirtschaften, zwei Cafés, 14 Eisdielen und Imbisshallen gezählt.

Ja, es war mal vieles anders, doch wem gibt man die Schuld, wenn Leerstände mehr und mehr um sich greifen? Der Ruf nach der Politik ist da zu billig.

Wir gehen weiter und allmählich weicht die Wehmut dem Ärger. Ärger darüber, dass es hier so unsauber ist. Mit zahlreichen Dudweiler Bürgern haben wir geredet, einige zieht es zum Einkauf nach St. Ingert, weil es dort viel properer sei. Andere schimpfen darüber, dass hier Unkraut über Wochen ungehindert wächst und nicht beseitigt wird. Dass sogar Pampers im kleinen „Wasserlauf“ entlang der Theodor-Storm-Straße zu besichtigen seien. Ja, der Wasserlauf, seit langer Zeit trocken und dreckig, ist ein Paradebeispiel dafür, dass Kommunalpolitiker auch  Unfug anstellen, wenn man ihnen Geld in die Hand gibt. Ein Rinnsal mit Sitzbänken an einer Hauptverkehrsader - wer bitteschön soll hier durchatmen wollen?

Zurück in die Fußgängerzone. Hier war mal eine stark frequentierte Metzgerei, und gegenüber ist eine schöne Apotheke. „Es wird immer weniger“, sagt ein Mann, der vor einem Café sitzt und die Sonne genießt. „Von Gelegenheitskäufen kann niemand leben“, sagt ein anderer. Die Straße ist am Vormittag offen für den Anlieferverkehr. Doch wie so oft fahren auch Autos durch, die garantiert hier nichts zu suchen haben, aber die temporär freie Fahrt gerne nutzen.

Und noch ein Lichtblick, der die Bürger erfreuen dürfte: Der örtliche Verkehrsverein (VVD) und der Gewerbeverein „Pro Dorf“ reinigen am Montag, 13. August, gemeinsam die Fußgängerzone, um Zeichen zu setzen in Hinblick auf das Erscheinungsbild. An einer optischen Aufwertung ist den Akteuren gelegen. Für Ideen und Anregungen aus der Bevölkerung sind sie, die an einem Strang ziehen, sehr dankbar.

Carola Berrang (links), Monika Zumstein sowie das Ehepaar Peter und Heike Sauer vor einem Café. Von dort aus nehmen sie die Missstände wahr.
Carola Berrang (links), Monika Zumstein sowie das Ehepaar Peter und Heike Sauer vor einem Café. Von dort aus nehmen sie die Missstände wahr. FOTO: Thomas Seeber
Arg heruntergekommen ist das Kriegerdenkmal.
Arg heruntergekommen ist das Kriegerdenkmal. FOTO: Thomas Seeber