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Kriminalität im Regionalverband: Gewalt gegen Minderjährige nimmt zu

Kriminalität im Regionalverband : Gewalt gegen Minderjährige nimmt zu

Im Jahr 2016 gab es im Regionalverband 849 Delikte gegen Kinder und Jugendliche.

Sie sind die Schwächsten der Gesellschaft. Können sich am wenigsten wehren. Umso erschreckender wirken Gewaltdelikte gegen Kinder und Jugendliche. Und umso trauriger liest sich die polizeiliche Kriminalstatistik des Saarlandes. Daraus geht hervor, dass es im Jahr 2016 allein im Regionalverband 849 minderjährige Opfer von Tötungs-, Sexual-, und sogenannten Rohheitsdelikten gab. Zu den Rohheitsdelikten zählen Raub, Körperverletzung, Nötigung und Bedrohung. Im Vergleich zum Vorjahr hat die Gewalt gegen Kinder und Jugendliche somit zugenommen. 2015 gab es 810 Fälle. Im Vergleich zu den anderen saarländischen Kreisen sind die Opferzahlen im Regionalverband besonders hoch. Obwohl hier nur 33 Prozent der saarländischen Bevölkerung leben, fallen 41 Prozent der Delikte auf die hiesigen Kommunen. Ein Drittel aller Taten gegen Minderjährige im Saarland ereigneten sich in der Landeshauptstadt.

Bei Gewaltdelikten von Jugendlichen seien die Opfer häufig ebenfalls Jugendliche, sagt Esta Recktenwald, Kriminalhauptkommissarin vom Jugendsachgebiet der Polizeiinspektion St. Johann. Es komme häufig zu Raubdelikten, bei denen ein Jugendlicher einem anderen das Handy wegnimmt und ihn im Zuge dessen bedroht oder verletzt, so Recktenwald. Häufig schüchtern die Täter ihre Opfer zudem ein und drohen ihnen, dass noch viel schlimmere Dinge passieren, wenn sie zur Polizei gehen. Recktenwald rät trotzdem, unbedingt jeden Fall von Gewalt zur Anzeige zu bringen. Denn je mehr konkrete Hinweise die Polizei erhalte, umso wahrscheinlicher sei es, dass der Fall aufgeklärt wird. Und nur wenn die Täter zur Rechenschaft gezogen werden, ändere sich etwas.

586 der 849 Gewaltdelikte gegen Minderjährige sind Fälle von Körperverletzung. Im Jahr 2015 waren es 520 der damaligen 810 Delikte. Einen verhältnismäßig kleinen Teil der polizeilichen Arbeit machen Gewaltfälle innerhalb der Familie aus, sagt Recktenwald. Sie vermutet jedoch, dass es in diesem Bereich auch die höchste Dunkelziffer gibt. „Der Druck ist für Kinder enorm hoch, da sie in einem Abhängigkeitsverhältnis zu ihren Eltern stehen“, sagt Recktenwald. Es komme äußerst selten vor, dass Kinder sich an die Polizei wenden, um ihre eigenen Eltern anzuzeigen. Meistens seien es Ärzte oder Kindergärtnerinnen, die Gewalt in Familien zur Anzeige bringen. Bei solchen Fällen wird auch das Jugendamt eingeschaltet. „Wenn die Polizei uns über häusliche Gewalt, auch über Auseinandersetzungen zwischen den Eltern, informiert, überprüfen wir das“, sagt Petra Spoo-Ludwig, Leiterin des Jugendamtes des Regionalverbandes. Kann eine Gefährdung des Kindes nicht ausgeschlossen werden, trennt das Jugendamt Kind und Eltern. Im Jahr 2016 gab es im Regionalverband 707 solcher sogenannter Inobhutnahmen. Im Jahr 2015 waren 843.

Um Gewalt vorzubeugen, seien vor allem Präventionskurse an Schulen, aber auch Kurse für Eltern wichtig, sagt Spoo-Ludwig. Das sieht Stefan Behr vom Kinderschutzbund Saarland ähnlich. „Es sollte ein größeres Angebot an Präventionskursen geben“, sagt Behr. Es gebe aber auch einen großen Mangel bei der Vernetzung und Kooperation der Wohlfahrtsverbände, der Jugendhilfe, des Kinderschutzbundes und der Schulen. Die Institutionen machten alle eine hervorragende Arbeit, schauten aber zu selten nach rechts und links. Es müssten mehr Kooperationen geschaffen werden „Es ist eine Katastrophe, dass es so viele Opfer gibt“, sagt Behr, „wir müssen alle zusammen daran arbeiten, dass es weniger werden.“