Gespräch mit dem Architekten, der vor 30 Jahren den Bürgerpark entwarf

30 Jahre Bürgerpark : „Der Park ist heute genutzt und akzeptiert“

Landschaftsarchitekt Professor Peter Latz hat den Bürgerpark vor rund 30 Jahren geplant. Beim Bau wurde auch Kriegsschutt benutzt.

Seit 30 Jahren hat Saarbrücken einen Bürgerpark: einst preisgekrönt, von den Saarbrückern aber nur zögerlich angenommen. Wir sprachen mit dem Landschaftsarchitekten Prof. Peter Latz, der den Park geplant hat. Sein Münchner Büro hat auch die neue Skater-Anlage geplant. Zur Eröffnung am 27. April kommt Latz nach Saarbrücken.

Herr Latz, wie erklären Sie es sich, dass so lange nach Fertigstellung des Parks die Menschen in Saarbrücken seine Bedeutung noch nicht erkannt haben? Ich mache das daran fest, dass er vielen als unsicherer Ort gilt.

Latz: Nach Aussagen von Frau Dahms sind in den letzten drei Jahren die Besucherzahlen sprunghaft angestiegen. Man muss einen Park zwanzig Jahre lang pflegen und aufbauen, bevor er tatsächlich seinen Charakter erreicht oder eben auch nicht erreicht. Die Architekten haben es da einfacher. Sie sagen: „Das Haus ist fertig.“ Und dann übergeben sie den Schlüssel. Ab dann kann es eigentlich nur bergab gehen.

Der Park ist nach wie vor ein bisschen abgelegen.

Latz: Die Schande ist eigentlich, dass man systematisch Rückseiten aufgebaut hat: Ein in der Fläche riesiges Parkhaus, die Rückseite des Kinos, die Erweiterung der Congresshalle. Es gibt Parks, die sind 200, 300 Jahre alt und sind in den schlimmsten Zeiten, also während der Kriege, nicht angetastet worden. Tiergarten in Berlin, der Englische Garten und der Hofgarten in München. Das heißt: Die Verteidigung der Nutzung solcher Freiräume ist eigentlich ein Schlüssel. Es gibt ganz viele Dinge, die die Leute erst dann verstehen, wenn dieser Punkt erreicht ist. Wir Landschaftsarchitekten haben den Plan immer im Kopf und denken uns, was noch nicht erreicht ist, konsequent immer dazu. Aber die Menschen sehen nur, was man wirklich sehen kann.

Was fehlt denn an Wissen?

Latz: Es weiß fast keiner mehr, warum wir mit alten Brocken gearbeitet haben, also mit Kriegsschutt. Das hatte zwei Gründe. Einmal war es das, was da war. Zweitens wollten wir an diese Zeiten erinnern. Der Bauschutt ist kein eigentliches Mahnmal, aber er soll die Erinnerung wachhalten. Aus ihm kann man etwas machen. Nach dem Krieg habe ich das richtig gelernt. Steine putzen. Wenn ich das nicht gemacht hätte, hätte ich mit dem Zeug vielleicht nichts anfangen können. Dieser Park war von vornherein eine Herausforderung, weil er so klein ist. Es ist ein introvertierter und extrovertierter Park gleichzeitig. Man muss den Raum, die Bezüge, erweitert betrachten, die Umgebung einbeziehen. Ohne diesen erweiterten Raum wäre dieser Park tatsächlich lächerlich klein.

Wenn ich Sie recht verstehe, sind zwei Dinge für den Park wichtig und nützlich: Man sollte den Menschen, die ihn nutzen, sehr viel erklären. Auch die Bezüge zur Umgebung. Es geht ja niemand in den Park und entdeckt eine Allee von Pappeln außerhalb des Parks als Bezug. Er entdeckt vielleicht durch Zufall die Allee – oder gar nicht.

Latz: Es sind im Park Wege auf externe Ziele ausgerichtet. Die Sache mit introvertiert und extrovertiert gleichzeitig, das haben wir hier erst geübt. Darüber standen wir mit dem Dezernat in einem permanenten Austausch. Geplant war, dass ein Parkhaus gebaut wird, das rechts und links angeschüttet wird auf die Höhe der heutigen Westspange. Dort waren noch vier Fahrspuren mehr geplant als es heute gibt. Ich habe dagegen gesprochen, und es gab dann einen Workshop. Dort wurde der Bürgerpark dann nach anderen Kriterien entwickelt.

Wie ging es weiter?

Latz: Wir machten uns an die Trümmerwüste ran. Saarbrücken hatte es sich geleistet, bis Ende der Siebziger Jahre am heutigen Standort des Bürgerparks eine Mülldeponie zu haben. Hauptsächlich Bauschutt. Die Congresshalle war das Ende der Welt. Auch haben da etwa acht Obdachlose gewohnt. Einer hat sich wahnsinnig engagiert, den Park während der Bauzeit sauber zu halten. Das war super.

Lassen Sie uns noch einmal auf die Akzeptanz in der Bevölkerung zu sprechen kommen. In anderen, größeren Städten wäre sie vielleicht größer?

Latz: Der Park war zunächst für die Menschen in Saarbrücken, die die Pläne sahen, ein Anti-Park. Nachdem wir die Pläne vorgestellt hatten, kam erst einmal drei Jahre lang nichts. Und dann ein Anruf – wir waren gerade in Italien in Urlaub – mit der Frage, ob wir die Pläne im Stadtrat noch einmal vorstellen könnten. Der Park ist heute – trotz seiner vergleichsweise geringen Größe – sehr wohl genutzt und, wie ich meine, akzeptiert.

Heute wird ja, gerade in der Diskussion um eine neue Konzerthalle, damit argumentiert, der Bürgerpark habe Reserveflächen, auf denen gebaut werden könnte.

Latz: Es gibt keine Reserveflächen.

SZ: Also keine Flächen für eine Eventhalle?

Latz. Diese Diskussion ist lächerlich. Das wäre eine Enteignung des öffentlichen Raumes. Im Umkreis des Parks entstehen gerade neue Hotels. Das zeigt: Es ist eine gute Lage – wegen des Parks. Als man bei mir darum geworben hat, ich solle den Bau einer Halle auf dem Gelände des Parks unterstützen, hat mich das richtig geschockt und gelähmt.

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