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Geschichte des Winterbergdenkmals bei Saarbrücken

Saarbrücken : Fürs „Reich“ gebaut, vom „Reich“ gesprengt

55 Jahre war das an eine blutige Schlacht erinnernde und von weither zu sehende Winterbergdenkmal ein Wahrzeichen Saarbrückens.

Wo heute nicht weit entfernt eine Klinik Kranken und Verletzten hilft, stand bis 1939 ein Turm, der an eine „siegreiche“ Schlacht erinnerte, bei der es natürlich, Sieg hin oder her, viele Tote und Verletzte gegeben hatte: Das Winterbergdenkmal, auf einem eigens aufgeschütteten Hügel errichtet, ragte etwa 30 Meter empor. Das „Kriegerdenkmal“ mit umlaufender Wandelhalle sollte an den Sieg Preußens in der Schlacht von Spichern am 6. August 1870 erinnern, eine der größten Schlachten im Deutsch-Französischen-Krieg (1870/71), bei der insgesamt knapp 5000 Soldaten ihr Leben verloren und fast 6000 verwundet wurden.

Bürger aus Saarbrücken und St. Johann sammelten nach dem Krieg Geld für das Denkmal. Der Winterberg wurde als Standort gewählt, weil er die höchsten Erhebung zwischen Spichern und Saarbrücken war. Da Kaiser Wilhelm I. – erst seit 1871 Kaiser – selbst 2000 Taler für das Projekt gab, konnte es schon zwischen 1872 und 1874 umgesetzt werden. Die Planung lag in den Händen  des aus Düsseldorf an die Saar gekommenen Regierungsrates, Kreisbaumeisters und Bauinspektors Otto Lieber (1825-1897).

Den unteren Teil des Turms umgab eine zehneckige,  fünf Meter hohe neogotische Bogenhalle, die sich am „Königsstuhl von Rhens“ orientierte. Das war ein achteckiger Bau, der einen Thron darstellen sollte und der im Original dort errichtet worden war, wo sich am Rhein südlich von Koblenz im Mittelalter die Kurfürsten getroffen hatten – zwischen 1273 und 1486 –, um über die Wahl der römisch-deutschen Könige zu beraten – und um ihre eigene Macht zu festigen. Die Halle des Winterbergdenkmals sollte also gewissermaßen für die Einheit der ehemaligen deutschen Einzelstaaten stehen.

Fast vergessen, entsann man sich in den deutschen Ländern erst wieder während der französischen Revolution und der napoleonischen Kriege auf den von französischen Soldaten abgerissenen „Königsstuhl“, dessen Wiederaufbau 1843 großen Symbolgehalt für die „vaterländische deutsche Gesinnung“ hatte. Eine entsprechende politische Bedeutung hatte daher auch das Winterbergdenkmal.

Der an eine Burg erinnernde Turm selbst ragte etwa 20 Meter über die Halle hinaus. Eine Inschrift auf der Spichern zugewandten Seite lautete: „Deutschlands Helden 1870–1871“. Das Winterbergdenkmal war wohl das erste „Nationaldenkmal“ des noch jungen neu gegründeten Kaiserreichs. Ein Reliefband auf halber Höhe zeigte die Namen der an  den Kampfhandlungen beteiligte deutschen Regimenter. Am 9. August 1874 wurde das Winterbergdenkmal eingeweiht, dazu war auch der preußische Kriegsministers Georg von Kameke angereist.

Zur Einweihung teilte der Trierer Regierungspräsident Arthur von Wolff mit, dass es der Kaiser (und Preußen-König) genehmigt habe, „dass die Städte Saarbrücken und St. Johann zur Erinnerung ihrer patriotischen Haltung ... in ihrem Wappen die preußischen Farben führen dürfen“. Seither zeigten die Wappen beider Städte auch den preußischen Adler mit königlichen Insignien mit den jeweiligen Städtewappen als Brustschild. Tatsächlich entwickelte sich das Denkmal zu einem Wahrzeichen der Stadt. In den 1880er Jahren besuchten Touristen gerne das Spicherer Schlachtfeld, den Friedhof im Ehrental – und das Winterbergdenkmal.

Als das „Saargebiet“ nach dem Ersten Weltkrieg im Zuge des Versailler Vertrages von 1920 bis 1935 unter Völkerbund-Verwaltung stand, nutzte der für eine Wiederangliederung eintretende „Bund der Saarvereine“ das Winterbergdenkmal als Vereinssymbol, und die nationalsozialistisch orientierte „Deutsche Front“ stilisierte das Denkmal zu einem „nationalen Symbol“. Als das Saargebiet schließlich tatsächlich an Hitler-Deutschland angegliedert wurde, wurde am 1. März 1935 ein großes beleuchtetes Hakenkreuz auf dem Turm angebracht. Ironischerweise waren es dann auch die Nationalsozialisten, die noch vier Jahre zuvor schwülstig der großen Bedeutung des Turmes gehuldigt hatten, die ihn am 10. September 1939 von der deutschen Wehrmacht sprengen ließen, weil man der feindlichen Artillerie im Zweiten Weltkrieg keinen Orientierungspunkt geben wollte.

Die Saarbrücker Talstraße heute ist, abgesehen von Bodenbelag und Straßenbahn-Masten, im Vergleich zum alten Foto relativ wenig verändert. Wo das Winterbergdenkmal stand, steht, etwas weiter links, ein Sendemast. Foto: BeckerBredel
Eine undatierte Aufnahme des Winterbergdenkmals von einem unbekannten Fotografen. Gebaut wurde das „Kriegerdenkmal“ zwischen 1872 und 1874, finanziert durch Saarbrücker und St. Johanner Bürger und den deutschen Kaiser. 1939 sprengte die Wehrmacht den Turm. Foto: SZ/unbekannt
Dieses Foto wurde vermutlich 1935 vom „Aussichtsturm“ Winterbergdenkmal aus gemacht. Unten sieht man den Turm der Christkönigkirche, dahinter die Bismarckbrücke, im Hintergrund die St. Michael-Kirche, rechts hinten ein Stück des noch unbebauten Eschbergs. Foto: Esseln/Andres
Was übrig blieb: 1939 sprengte die Wehrmacht das Winterbergdenkmal, das auch die Einheit des Reiches symbolisieren sollte, aus „strategischen Gründen“. Foto: Landeshauptstadt/Unbekannt
Der Sockel des Winterbergdenkmals wurde Mitte der 1970er Jahre mit Spendengeldern wieder aufgebaut. Foto: BeckerBredel

Ein „Kuratorium zum Wiederaufbau des Winterbergdenkmals Saarbrücken“ und der „Verband deutsches Afrika-Korps, Kreiskameradschaft Saarbrücken“ sammelte Mitte der 1970er Jahre Spenden für den Wiederaufbau des Denkmals. Es reichte dann, um den Sockel zu rekonstruieren.