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Geschäftsleben in der City : Großer Ärger wegen kleiner Karte

Ein gut gemeinter Wettbewerbsbeitrag bringt Geschäftsleute in der Saarbrücker City auf die Barrikaden. Denn es fehlen Läden. Die Macher verteidigen: Wir kopieren keine Gelben Seiten.

Gut gemeint, aber bei vielen völlig falsch rübergekommen: ein Stadtplan, der wie ein gezeichnetes Meisterwerk anmutet. In ansprechenden Farben. Und mit jeder Menge Hinweise, wo es was zu kaufen und zu unternehmen gibt. Insidertipps für junge Besucher in der Landeshauptstadt. Kostenlos zu haben. Diese Faltblätter sollen öffentlich ausliegen, am besten in Geschäften. Doch da stoßen die Macher des modernen Druckwerks auf  Widerstand jener, die nicht aufgeführt sind.

Einer der aufgebrachten Wortführer ist Ludwig Gassim. Der Inhaber des Geschäfts Loup nahe des St. Johanner Marktes fragt sich, nach welchen Kriterien hier die Initiatoren die  auf dem Plan vertretenen Angebote überhaupt ausgesucht haben „Ich sehe darin kein Konzept.“ Umso ärgerlicher, als er einen Stapel dieser Karten mit der Bitte erhalten habe, diese griffbereit für Kunden in seinem Modeladen  auszulegen. Damit war das Maß voll.

Er und weitere betroffene Kollegen, die leerausgegangen waren und sich keinen Reim darauf machen konnten warum, stießen insbesondere im Internet auf ebenso empörte Unterstützer. Wutschnaubende Kommentare über die Unzulänglichkeiten überschlugen sich in sozialen Netzwerken. „Jetzt überlegen wir, ob wir uns zusammentun und einen eigenen Plan in Auftrag geben“, kündigt Gassim an.

Auf Verständnis stoßen er und weitere verärgerte Geschäftsleute  allerdings beim saarländischen Wirtschaftsministerium nur bedingt. Es handle sich nicht um eine Auftragsarbeit, sagte eine Sprecherin.  Die Karte sei der Gewinnerbeitrag des Wettbewerbs Bunte Visionäre. Es wurden Beiträge gesucht, die über die Grenzen des Saarlandes hinweg die Kreativität beweisen.

So möchte es auch Alexander Karle verstanden wissen. Er ist einer der vier Ideengeber für diese nun von einigen Gewerbetreibenden verschmähte Sieger-Karte. „Bei den Einträgen handelt es sich um eine Auswahl von Anlaufpunkten für junge Leute.“ Dabei habe jeder der vier Beteiligten seine Ideen, Vorlieben eingebracht. „Wir mussten wegen des beschränkten Platzes auf vieles verzichten.“ Die „Map for young travellers“, wie er und seine Mitschaffenden mit einem englischen Begriff die Karte für junge Reisende bezeichnen, „erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit. Sonst hätten wir die Gelben Seiten kopieren können“.

Karle vergleicht das Ergebnis mit einem Reiseführer. „Auch der beruht auf subjektiven Erfahrungen des Autors.“ Im Übrigen gebe es auf der Karte einen Platzhalter. „Hier kann jeder, der nicht auf der Karte vertreten ist, sein Unternehmen eintragen und auf dem Straßenplan vermerken“, schlägt Karle vor.
Trotz des Ärgers bei den ausgesparten Händlern spricht Karle von überwiegend positiven Reaktionen auf das Produkt. Ähnliche Stadtpläne gebe es auch in anderen Ländern. „Die Idee für Saarbrücken habe ich von Reisen mitgebracht.“ Und nun lägen Saarbrücker Exemplare  auch in Berlin aus.