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Ehrung
Protestanten würdigen Ida Obenauer

Mutige Christin: Ida Obenauer.
Mutige Christin: Ida Obenauer. FOTO: Stadtarchiv Saarbrücken
Alt-Saarbrücken. Haus der Kirchengemeinde Alt-Saarbrücken trägt in Zukunft den Namen der ersten Presbyterin. red

Das Presbyterium der Evangelischen Kirchengemeinde Alt-Saarbrücken hat beschlossen, das Gemeindehaus Am Hagen nach der ersten Presbyterin „Ida-Obenauer-Haus“ zu benennen. Dazu teilt die Gemeinde mit: „2018 feiern wir die 100-jährige Errungenschaft des Frauenwahlrechts. Auch die evangelische Kirche hat sich nach dem Ersten Weltkrieg dem Frauenwahlrecht geöffnet.“ 1921 durften Frauen sich erstmals aktiv an ordentlichen Kirchenwahlen beteiligen und – noch wichtiger – zur Wahl in kirchliche Ämter aufstellen lassen.


In Alt-Saarbrücken wurden vier Frauen in die erweiterte Gemeindeversammlung, die „Repräsentation“, gewählt, und aus diesem Gremium wurde Ida Obenauer als erste Frau ins Presbyterium gewählt. Es ist das eigentliche Leitungsgremium der Kirchengemeinde. Ida Obenauer wurde 1875 geboren und stammte aus einer bekannten Kaufmannsfamilie. Sie besuchte das Mädchen-Gymnasium und widmete sich früh der karitativen Arbeit in der Kirchengemeinde. Nach dem Ersten Weltkrieg baute sie federführend die Frauenarbeit der evangelischen Kirche auf, und zwar nicht nur in Alt-Saarbrücken.

1919 war sie Mitgründerin der Evangelischen Frauenhilfe. Und 1922 rief Obenauer den Saarverband der Frauenhilfe ins Leben, dessen erste Vorsitzende sie wurde. 1926 hatte der Verband 56 Ortsvereine mit rund 14 000 Mitgliedern im Saargebiet. Seit 1925 war Obenauer als ebenfalls eine der ersten Frauen Mitglied der Kreissynode Saarbrücken und ab 1930 ordentliches Mitglied des Vorstandes der Kreissynode. 1931 erwarb der Saarverband der Frauenhilfe die Alte Mühle in Wiesbach und baute sie zum ersten Müttererholungsheim in der Region aus. 1934 wurde Obenauer Mitglied der Bekennenden Kirche gegen die Gleichschaltung der Kirche durch den NS-Staat. Die Gestapo lud Obenauer wegen ihrer kritischen Haltung vor. Und 1938 lösten die Nazis die Frauenhilfe auf.



Direkt nach dem Krieg begann der Wiederaufbau der evangelischen Frauenarbeit. 1950, zu ihrem 75. Geburtstag, gründete Obenauer eine Stiftung für Frauen- und Mütterarbeit. Ida Obenauer starb 1957 kurz vor ihrem 83. Geburtstag.

„Durch ihren selbstlosen Einsatz war sie nicht nur eine unermüdliche Helferin für Frauen in schwierigen Lebenssituationen, sondern auch eine Vorkämpferin für die Stellung der Frau in der Kirche und der Gesellschaft“, schreibt die Gemeinde. Die Umbenennung ist für den nächsten Donnerstag, 22. November, während der Gemeindeversammlung vorgesehen.